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Wenn’s an der Wand eklig schimmert

Umweltberaterin Stephanie Ertl weiß, wo Schimmel auftritt. Aber: Was tun, wenn sich der Vermieter beim Beseitigen querstellt?
Von Beate Weigert

Schimmelflecken schillern oft in den unterschiedlichsten Farben. Auf unserem Foto ist eine Wand neben einer Balkontür übersät.
Schimmelflecken schillern oft in den unterschiedlichsten Farben. Auf unserem Foto ist eine Wand neben einer Balkontür übersät. Fotos: dpa (1)/Archiv (1)/Weigert (1)

Kelheim.Im zurückliegenden Serienteil berichtete der vierfache Familienvater Sebastian M., wie es ist, wenn Strom zum „Luxusgut“ wird und man in einem schlecht-isolierten Haus mit Schimmelbefall lebt. Die MZ wollte von Stephanie Ertl vom VerbraucherService Bayern in Regensburg wissen, wie kommt man den gesundheitsschädlichen, vielleicht auch verdeckten, Sporen auf die Spur oder was man tun kann, wenn sich der Vermieter weigert, etwas gegen die Fäulnis in oder an einer Immobilie zu unternehmen.

Schimmelpilze benötigen zum Wachsen Feuchtigkeit. Ursache für Feuchtigkeitsprobleme in Innenräumen können jedoch sowohl bauliche Mängel als auch das Verhalten der Bewohner sein, sagt Ertl. Beispielsweise kann Feuchtigkeit über defekte Dächer oder Risse im Mauerwerk eintreten oder Folge von Überschwemmungen oder Rohrbrüchen sein. Genauso kann eine nicht fachgerecht angebrachte Dämmung zu Schimmelbildung führen. Wichtig ist, dass die Ursache gefunden wird, Bauschäden umgehend beseitigt und betroffene Bereiche trockengelegt werden, rät Ertl.

Auch Bewohner kann schuld sein

Doch auch die Bewohner können durch unzureichendes Heizen und Lüften für den Schimmelbefall verantwortlich sein. Die Schimmelgefahr ist besonders groß, wenn in einer Wohnung hohe Luftfeuchtigkeit bzw. große Temperaturunterschiede vorliegen, weiß die Umweltberaterin. Dies kann der Fall sein, wenn nicht ausreichend geheizt und gelüftet wird. Damit Wände nicht auskühlen, muss in Altbauten mit schlechter Dämmung mehr geheizt werden als in gut isolierten Gebäuden. Je dichter ein Gebäude, desto wichtiger ist es, die anfallende Feuchtigkeit ins Freie abzutransportieren.

Bei baulichen Mängel Miete kürzen

Oft ist die Schuld nicht eindeutig der Bausubstanz oder dem Nutzer zuzuweisen. Schätzungen zufolge spielen in etwa der Hälfte der Schimmelfälle beide Faktoren eine Rolle.

Umweltberaterin Stephanie Ertl
Umweltberaterin Stephanie Ertl Foto: Archiv

Tritt in einer Mietwohnung Schimmel auf, müssen Mieter den Vermieter informieren. Liegen bauliche Mängel vor, können Mieter den monatlichen Betrag kürzen. In diesem Fall sollten Mieter den Vermieter schriftlich zur Beseitigung des Schimmels auffordern und eine Frist zur Abhilfe setzen. Reagiert der Vermieter nicht, kann der Mieter klagen. In diesem Fall wird vom Gericht geklärt, wer den Schimmel zu beseitigen hat und welche Minderung angemessen ist, sagt Ertl.

Für Laien ist es jedoch nicht immer zu erkennen, wer für den Schimmel verantwortlich ist. „Kürzt der Mieter die Miete, obwohl er selbst den Schimmel verursacht hat, droht ihm bei einem Mietverzug von mehr als zwei Monatsmieten eine fristlose Kündigung“, weiß die Umweltberaterin.

Günstig sei es, wenn das Problem gemeinsam gelöst werden könne. Mieter können sich bei Problemen mit Schimmel auch beim VerbraucherService Bayern beraten lassen.

Oft ist Schimmel sichtbar, beispielsweise wenn er in Raumecken, in Fensternischen oder an Silikonfugen auftritt. Hinter Schränken, Wandverkleidungen oder unter Bodenbelägen dagegen kann Schimmel unbemerkt wachsen. Hier macht er sich allenfalls durch modrigen Geruch bemerkbar. Bei Verdacht auf verdeckten Befall müssen die betroffenen Räume genauer untersucht und gegebenenfalls Experten und Labore herangezogen werden, weiß Stephanie Ertl.

Häufig tritt Schimmel an schlecht gedämmten Außenwänden auf. Diese geben vergleichsweise viel Wärme nach außen ab und sind somit kälter als die Raumluft. Verstärkt wird dies, wenn Möbelstücke zu dicht an der Wand stehen: Dadurch wird die Wärmezufuhr eingeschränkt und an der kalten Wand kann schließlich Feuchtigkeit kondensieren und Schimmelbildung ermöglichen.

Einen Anhaltspunkt geben auch Wandtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Die Luftfeuchtigkeit kann mit Hilfe eines so genannten Hygrometers kontrolliert werden. Empfehlenswert sind Werte zwischen 40 und 60 Prozent.

Auch große Temperaturunterschiede erhöhen das Schimmelrisiko. Kalte Wandflächen lassen sich an kalten Wintertagen aufspüren. Mit einem Thermometer, am besten mit einem Laserthermometer, wird die Oberflächentemperatur an der Zimmeraußenwand gemessen. Zum Vergleich wird die Oberflächentemperatur an Zimmerwänden gemessen, die keine Außenmauern sind.

Sporen und Stoffwechselprodukte werden über die Luft eingeatmet und können beim Menschen allergische und reizende Reaktionen auslösen. Typische Symptome einer Allergie sind beispielsweise Schnupfen, Niesen und gerötete Augen. Ebenso wie bei Heuschnupfen, reagiert nicht jeder allergisch auf Schimmelpilze. Viele Studien sehen einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Schimmelpilzen und Atemwegserkrankungen. Allerdings existiert bislang kein Grenzwert für Schimmelpilze in Innenräumen. Schimmelbefall ist ein Anzeichen für ungesundes Wohnklima und sollte möglichst umgehend beseitigt werden.

Um das Problem dauerhaft in Griff zu bekommen, müssen Schimmelpilze abgetötet und zudem die Ursache geklärt und beseitigt werden, sagt die Schimmel-Expertin.

Bei einem größeren Befall von mehr als einem halben Quadratmeter und baulichen Mängeln sollte ein Fachmann beauftragt werden. Wenn es sich um anfängliche Schimmelbildung mit nur oberflächlichem Befall handelt, können gesunde Personen den Schimmel selbst beseitigen.

Beseitigung in Eigenregie

Bei der Beseitigung in Eigenregie sollte auf gute Belüftung und Arbeitsschutz (Handschuhe, Atemschutzmaske, Brille) geachtet werden. Vorsicht bei Antischimmelmitteln: Viele enthalten biozide Stoffe, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. „Stiftung Warentest“ hat im Heft vom Januar 2014 Antischimmelmittel getestet und sieht hochprozentigen Alkohol, z.B. Spiritus, als wirksame Alternative zu teuren Spezialmitteln.

Infos zu Angebot und Veranstaltungen des Klimaschutzmanagements im Landkreis: www.landkreis-kelheim.de

Auch Vereine aus dem Landkreis können Experten vom VerbraucherService Bayern im KDFB für Vorträge buchen: www.verbraucherservice-bayern.de

Tipps zur Schimmelbeseitigung

  • Grundsätzlich:

    Schimmelbefall nicht mit dem Staubsauger absaugen. Türen zu anderen Räumen schließen und Gegenstände abdecken. Nach der Sanierung die Wohnung putzen.

  • Vorsicht bei Sprays/Sprühfalschen:

    Inhaltsstoffe sowie Schimmelsporen können aufgewirbelt und eingeatmet werden.

  • Reinigung:

    Befallene Materialien gründlich reinigen. Ist dies nicht möglich, z.B. bei Tapeten, sollten diese vollständig entfernt werden. Verwendete Lappen in Plastiktüte geben und diese über den Hausmüll entsorgen. Kleidung anschließend möglichst heiß mit Vollwaschmittel waschen.

  • Achtung:

    Die Wirkung einer solchen Maßnahme hält allerdings nur kurze Zeit an. Deshalb muss immer die Ursache geklärt und behoben werden, um das Problem auf Dauer zu beseitigen.

  • Forschung:

    Betroffene sollten daher eine Bestandsaufnahme machen und nach den Ursachen suchen: Handelt es sich um eine Außenwand? Wie wurde der Raum beheizt und gelüftet? Standen Möbelstücke dicht an der Wand? Oft kommt es erst durch das gleichzeitige Zusammentreffen von baulichen Schwachstellen und ungünstigem Nutzerverhalten zum Schaden.

  • Generell gilt:

    Temperaturunterschiede vermeiden; Wohnräume sollten möglichst gleichmäßig temperiert werden. Denn liegt die Temperatur an einigen Stellen deutlich unter der der Raumluft, so kann sich dort unter Umständen Feuchtigkeit niederschlagen. Sichtbar wird dies beispielsweise im Badezimmer, wenn nach dem Duschen der Spiegel beschlagen ist.

  • Häufig:

    Probleme bereiten oft die Innenseiten der Außenwände, da diese insbesondere bei schlechter Wärmedämmung vergleichsweise kalt sind.

  • Vermeidung:

    Räume gleichmäßig beheizen, größere Temperaturunterschiede vermeiden. Wichtig: Türen zu kühleren Zimmern sollten geschlossen werden.

  • Temperatur an jeweilige Raumnutzung anpassen:

    Feuchträume sollten nie die kältesten Räume sein.

  • An schlecht gedämmten Außenwänden darf die Wärmezufuhr nicht behindert werden. Bewohner sollten hier möglichst keine großen Möbel stellen bzw. Abstand halten. Die Luftzirkulation sollte auch bei Vorhängen gewährleistet sein. (re)

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