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Drohnentechnik

Landwirte setzen auf Hilfe von oben

Ob mit Kamera an Bord oder mit gierigen Larven: Über Feld und Hof kreisen künftig Drohnen, zeigte der Feldtag in Kirchdorf.
Von Martina Hutzler

Erste Bekanntschaft mit dem Helfer von oben: Im Hof von Hubert Steiger war die Thermografie-Drohne von Mathias Dirnberger zu besichtigen.
Erste Bekanntschaft mit dem Helfer von oben: Im Hof von Hubert Steiger war die Thermografie-Drohne von Mathias Dirnberger zu besichtigen. Foto: Hutzler

Kirchdorf.Auf fliegende Helfer setzen Landwirte zunehmend bei Problemen in Feld und Flur: Wie sich Drohnen nutzen lassen, um Wildtiere zu orten oder Schädlinge biologisch zu bekämpfen, stellte der Maschinenring Kelheim eV. bei einem Feldtag bei Kirchdorf vor.

Auf den ersten Blick schien’s, als wäre ein UFO notgelandet in der Scheune von Betriebsleiter Hubert Steiger in Jauchshofen. Mathias Dirnberger, der sich auf den Agrar-Einsatz von Drohnen spezialisiert, stellte einen acht-flügeligen Helfer („Oktokopter“) lieber erst mal auf dem Boden der Tatsachen und per Film vor. Denn Dirnberger nutzt ihn für thermografische Anwendungen, sprich: für Luftbilder, in denen verschiedene Farben die unterschiedliche Wärmeabstrahlung fotografierter Objekte widerspiegeln. So lässt sich zum Beispiel ein körperwarmes Rehkitz in einer kühleren Wiese entdecken.

Was aber tun beim sommerheißen Feldtag? Zu Demonstrationszwecken drehte Dirnberger den Spieß um: Er ließ Gastgeber Hubert Steiger Kanister mit gekühlter Flüssigkeit ins aufgeheizte Maisfeld ablegen.

Hubert Steiger deponierte gekühlte Kanister im Maisfeld, die von der Wärmebildkamera der Drohne dann „aufgespürt“ wurden.
Hubert Steiger deponierte gekühlte Kanister im Maisfeld, die von der Wärmebildkamera der Drohne dann „aufgespürt“ wurden. Foto: Hutzler

So konnten die Feldtag-Besucher per Leinwand mitverfolgen, wie Dirnberger seinen Oktokopter überm Mais fern-steuerte und am zugehörigen Display schließlich die kühlen Kanister entdeckte. Wäre der Kanister ein Reh und der Mais eine Wiese, würde er nun per Funk einen Helfer hinlotsen, um das Kitz herauszuholen, bis die Wiese gemäht und die Todesgefahr fürs Kitz gebannt ist.

Jäger und Bauern als Auftraggeber

Jäger brachten den Schwandorfer Landwirt auf diese Anwendungsform für seine Drohne, „mittlerweile kommen aber gut die Hälfte solcher Aufträge von den Landwirten“, schildert Dirnberger. Auch zum Aufspüren von Wildschweinen, die sich in Maisäckern gütlich tun, lässt sich das fliegende Kameraauge nutzen. 120 Euro kostet ein einstündiger Einsatz; mit einer 15-minütigen Akku-Ladung befliegt die Drohne etwa fünf Hektar, erfuhren die interessierten Zuhörer. Seine Grenze erreicht das System bei allem, was sehr breitflächige Blattmasse produziert, zum Beispiel Energiepflanzen wie Elefanten- und Sudangras, erklärte Dirnberger.

Sehen Sie hier ein Video, wie Dirnberger mit seiner Drohne Rehkitzen das Leben rettet:

So rettet Mathias Dirnberger Rehkitzen mit einer Drohne das Leben. Video: ph

Er selbst hatte sich zunächst auf die Thermografie von Photovoltaik-Anlagen spezialisiert. Beschädigte oder fehlerhafte Solarzellen (Hotspots) verraten sich im Wärme entweder durch über- oder unterdurchschnittliche Temperaturen. Doch auch bei dieser Anwendung darf die Außentemperatur nicht zu hoch sein.

Weniger temperatur-, sondern eher zeit-kritisch ist die Anwendungsart, die der angehende Agrarwissenschaftler Sebastian Schleicher derzeit als Werkstudent bei der BayWa optimiert: Seine Drohne wirft über Maisäckern Kapseln mit je 1000 Eiern der Schlupfwespe „Trichogramma“ ab.

Biologische Schädlingsbekämpfung:  Diese Drohne hat in ihrem „Bauch“ Kapseln dabei, in denen Schlupfwespen-Larven darauf warten, sich auf Maiszünsler-Larven zu stürzen.
Biologische Schädlingsbekämpfung: Diese Drohne hat in ihrem „Bauch“ Kapseln dabei, in denen Schlupfwespen-Larven darauf warten, sich auf Maiszünsler-Larven zu stürzen. Foto: Hutzler

Deren Larve ist der natürliche Fressfeind des gefürchteten Schädlings „Maiszünsler“ und kann seinen Befall um 70 bis 80 Prozent dezimieren. Aber eben nur, wenn die Kugeln – 100 Stück pro Hektar – genau dann herabfallen, wenn die Zünsler-Larven geschlüpft sind. Deshalb wird die gesamte (zweimalige) Bekämpfungsaktion seitens der BayWa geplant und gesteuert, erklärte Schleicher; der Landwirt meldet lediglich zu Saisonbeginn, welche Felder er behandelt haben möchte. Derzeit kommt dies auf knapp 100 Euro pro Hektar.

Maschinenring will Technik nutzen

Der Maschinenring will nächstes Jahr die Drohnen-Bekämpfung des Maiszünslers mit in sein Vermittlungs-Angebot aufnehmen, kündigte Maschinenring-Geschäftsführer Stefan Burgmeier im Gespräch mit unserer Zeitung an. Die gezielte („teilflächen-spezifische“) Dünge-Ausbringung, bei der die Drohne Daten an den Düngestreuer sendet, nannte er als weitere denkbare Agrar-Anwendung.

In einem weiteren Teil stellte der Maschinenring zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten Abensberg den rund 100 Teilnehmern vor, wie sich im Ackerbau die Erosion verringern lässt.

Erosionsschutz im Acker

  • Das Problem

    Die immer häufigeren Hochwasser- und Starkregen-Ereignisse haben vor allem Maisäcker in Verruf gebracht: Hier wird besonders viel fruchtbarer Ackerboden ausgeschwemmt. Denn auf blanken Ackerboden gesät, braucht Mais lange, ehe er eine schützende Blatt-Decke über dem Boden bildet.

  • Lösungsansätze

    „Wir hatten starke Probleme mit Erosion“, schildert Landwirt Martin Forstner. Er testet deshalb heuer zum einen die Mulchsaat: Der Mais wird direkt auf die Pflanzenreste der vorherigen Zwischenfrucht, in dem Fall Leguminosen, ausgebracht. Außerdem kam auf Forstners Feld ein „Strip-Till“-Gerät zum Einsatz, also eines zur Streifen-Bodenbearbeitung (Bild Mitte): Es beackert nicht den gesamten Boden, sondern legt – bodenschonender – nur Streifen für die Maissaat an. Im selben Arbeitsgang unterfüttert es die Streifen mit zwei „Güllebändern“: ein höher gelegenes für die Jungpflanze, ein tieferes für die Nährstoffversorgung im späteren Stadium.

  • Der Haken

    Zwischenfrucht-Anbau schützt vor Erosion. Der Preis dafür heißt in der konventionellen Landwirtschaft: Pestizid-Einsatz. Mais in Direktsaat auszubringen, ohne vorher die konkurrierende Zwischenfrucht per Total-Herbizid (wie Glyphosat) abzutöten, sei nahezu unmöglich, so Maschinenring-Geschäftsführer Burgmeier. (hu)

Schauplatz hierfür war ein Maisacker von Landwirt Martin Forstner. Er versucht, Probleme mit der Erosion in den Griff zu bekommen durch Mulchsaat und eine spezielle Bodenbearbeitung und -düngung.

Dieses „Strip-Till“-Gerät bereitet in einem Arbeitsgang Saatrillen für den Mais vor und legt unter diesen Rillen zwei Gülle-Düngestreifen an.
Dieses „Strip-Till“-Gerät bereitet in einem Arbeitsgang Saatrillen für den Mais vor und legt unter diesen Rillen zwei Gülle-Düngestreifen an. Foto: Hutzler

„Praxisorientiert und zukunftsweisend“ fand zum Beispiel Landwirt Manfred Völkl aus Marching die am Feldtag vorgestellten Technologien: Sie zeigten, dass Bauern bereit seien, ihren Beitrag zu Natur- und Umweltschutz zu leisten, so Völkl.

Lesen Sie mehr: Drohnen können nützlich, aber auch eine Gefahr sein. Manche Behörden machen nun Jagd auf die Flugobjekte. Die Abwehrschlacht hat begonnen.

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