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Abschied

Langquaids Aussegnungshalle fast fertig

Die neue Aussegnungshalle auf dem Langquaider Waldfriedhof steht kurz vor der Fertigstellung und kann bald eingeweiht werden.
Von Petra Croitoru

Künstler Alfred Böschl (li.) und Schreinermeister Richard Kammermeier besprechen letzte Arbeiten, die noch anstehen. Foto: Croitoru
Künstler Alfred Böschl (li.) und Schreinermeister Richard Kammermeier besprechen letzte Arbeiten, die noch anstehen. Foto: Croitoru

Langquaid.Die größten Sanierungsmaßnahmen in und an der Aussegnungshalle am Waldfriedhof Langquaid sind abgeschlossen. Unsere Reporterin warf mit Künstler Alfred Böschl und Schreinermeister Richard Kammermeier einen Blick ins Innere.

Dabei berichtete Alfred Böschl von seiner Grundidee. Einerseits war es ihm von Anfang an wichtig, an der bestehenden Architektur so wenig wie möglich zu verändern und andererseits wollte er dem neuen Raum mit wenigen, jedoch „perfekt aufeinander abgestimmten Materialien einen würdevollen Charakter und eine vollkommen neue Atmosphäre verleihen“.

Das in Blautönen künstlerisch von Alfred Böschl gestaltete Glas soll den Himmel symbolisieren. Foto: Croitoru
Das in Blautönen künstlerisch von Alfred Böschl gestaltete Glas soll den Himmel symbolisieren. Foto: Croitoru

Die im Jahr 1979 erbaute Aussegnungshalle wirkte mittlerweile nicht nur dunkel, schwer und trist, sondern sie wurde auch der heutigen Bestattungskultur nicht mehr gerecht. Deshalb hatte der Bauausschuss bereits im Juli 2018 dem Bauvorhaben und im Oktober dem Entwurf von Alfred Böschl zugestimmt, sodass die Bauarbeiten starten konnten. Auch Bürgermeister Herbert Blascheck zeigt sich erfreut darüber, dass mit der Neugestaltung der Aussegnungshalle nun ein würdevoller Raum zum Abschiednehmen entsteht, der Geborgenheit, Trost und Hoffnung vermittelt.

Künstlerisches Glas

Um mehr Platz für etwa 50 bis 60 Trauergäste zu gewinnen, wurde als erster baulicher Schritt der ehemalige überdachte Vorbereich geschlossen. Die dafür verwendeten bodentiefen Glaselemente hat Alfred Böschl künstlerisch so gestaltet, dass diese harmonisch mit den bestehenden Klinkersteinen verschmelzen und dem Raum eine besondere Stimmung verleihen. Die östlichen Glaselemente, die in verschiedenen Brauntönen gehalten sind, sollen laut dem Künstler die Erde, aus der die Menschen kommen „und auf der wir stehen“, symbolisieren. Mit den Blautönen auf der Westseite möchte Böschl den Himmel und den Gedanken an das Jenseits ausdrücken. Durch diese besondere Fenstergestaltung gelingt auch eine stilvolle Einheit mit der neugestalteten Decke, für die Richard Kammermeier lange Dielen aus Weißtanne verwendet hat, um dem Raum Ästhetik und Höhe zu verleihen.

So sieht der neu gestaltete Innenraum der Aussegnungshalle aus. Bis auf ein paar Detail ist alles fertig. Foto: Croitoru
So sieht der neu gestaltete Innenraum der Aussegnungshalle aus. Bis auf ein paar Detail ist alles fertig. Foto: Croitoru

Da die neue Aussegnungshalle ein Ort des Abschiednehmens für alle Glaubensrichtungen sein soll, hat Alfred Böschl das Symbol „Weg“ als Grundlage für seine Gestaltung gewählt. „Der Weg ist ein uraltes Symbol in vielen religiösen Traditionen“, erklärte der Künstler. Verwirklicht hat Böschl diesen Grundgedanken auch in der Bodengestaltung. Während die Grundfläche mit hellem Kelheimer Auer Kalkstein ausgelegt wurde, führt ein breiter, mit grauem Wachenzeller Dolomit gestalteter Weg von der großen Eichentür durch den Raum, der in die neue konkav und mit Bronzepatina verkleidete Rückwand mündet. Deren Mittelpunkt bildet ein aus Schlagmetall gestaltetes, schwebendes Kreuz, das sich stilvoll in den Raum einfügt und an den Auferstehungsgedanken erinnern soll.

Die neue Aussegnungshalle

  • Glockenturm:

    Außen wird in den kommenden Wochen noch der Glockenturm optisch wie technisch saniert. Dabei wird Schreinermeister Kammermeier die Stilelemente des Portals aufgreifen, die sich nach oben hin fortsetzen sollen. Auch wird das Kreuz des Turms noch vergoldet.

  • Glasfenster:

    Die von Alfred Böschl künstlerisch gestalteten Glasfenster bilden mit ihren Blautönen im Westen und den Brauntönen im Osten nicht nur eine harmonische Einheit mit den bestehenden Klinkersteinen, sondern sorgen auch für eine ganz besondere Stimmung im Inneren der Aussegnungshalle.

  • Kreuz:

    Das schwebende Kreuz aus Schlagmetall bildet den Mittelpunkt der neuen, konkav gestalteten Rückwand, die mit einer Bronzepatina überzogen ist. Die fünf Befestigungspunkte symbolisieren die fünf Wundmale Jesu. Indirekte Lichtakzente verleihen dem Raum Wärme und Würde.

  • Raum:

    Die neue Aussegnungshalle bietet Platz für 50 bis 60 Trauergäste. Das Gestühl, das Richard Kammermeier entworfen und aus gebürsteter Eiche gefertigt hat, fügt sich harmonisch in den Raum ein. Der symbolisch gestaltete Weg aus Wachenzeller Dolomit führt Richtung Kreuz. (Fotos: Croitoru)

Da der bestehende kreuzförmige Grundriss des Gebäudes bestehen blieb, wurden die beiden ost- und westseitigen Seitenbereiche erhalten, aber so unterteilt, dass jeweils ein Kühlraum sowie ostseitig ein Vorbereitungsraum für den Priester bzw. für die Bestatter entstand. Durch die beiden neuen Kühlräume, die ebenso wie die komplette Aussegnungshalle sehr minimalistisch gehalten sind, verschwindet die Aufbahrung des Sarges im nicht mehr zeitgemäßen „Schneewittchensarg“. Die dazu notwendige Kühlanlage hat Schreinermeister Kammermeier ganz dezent in der Deckenkonstruktion verbaut. Des Weiteren dienen diese beiden Räume, die jeweils durch eine Glasflügeltür vom Hauptraum abgetrennt sind, den engsten Angehörigen zum intimen Abschiednehmen.

Die Rückwand mit einem schwebenden Kreuz Foto: Croitoru
Die Rückwand mit einem schwebenden Kreuz Foto: Croitoru

Aber auch die moderne Technik findet in der Aussegnungshalle ihren Platz. Dazu gehört, neben dezent gesetzten LED-Lichtbändern und Lautsprechern, ein Bildschirm, auf dem Angehörige und Freunde mit Fotos oder Filmen an den Verstorbenen erinnern können.

Durch die Verwendung von möglichst wenigen Materialien und der Wiederkehr der Elemente und der Farben sind Alfred Böschl und Richard Kammermeier ihrem selbstgestellten Gestaltungsauftrag, der vom Portal bis zur Turmspitze asketisch eine Einheit bilden soll, treu geblieben. Die Aussegnungshalle zeigt sich als würdiger und hoffnungsvoller Ort zum Abschiednehmen, der für alle Glaubensrichtungen offen ist.

Ausstehende Restarbeiten

„Doch der Weg ist noch nicht zu Ende“, sagen Alfred Böschl und Richard Kammermeier unisono. Denn bis die neue Aussegnungshalle ihrer Bestimmung übergeben werden kann, sind noch einige Restarbeiten zu erledigen. Im Innenbereich wird Böschl noch einen Ambo und eine Stele für die Urnen künstlerisch gestalten. Für Kammermeier steht die optische und technische Erneuerung des Glockenturms an, bei der wieder die Stilelemente des Portals aufgegriffen werden sollen. Auch wird das Kreuz des Turms noch vergoldet werden.

Die gestalterischen und technischen Restarbeiten am Glockenturm sollen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Foto: Croitoru
Die gestalterischen und technischen Restarbeiten am Glockenturm sollen in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Foto: Croitoru

Während der gesamten Planungs- und Bauphase war es für Alfred Böschl immer wichtig, nicht nur seinem minimalistischen und würdevollen Stil treu zu bleiben, sondern auch die Kosten im Auge zu behalten. So belaufen sich die Kosten der gesamten Baumaßnahme auf rund 300 000 Euro. Laut Bürgermeister Blascheck kann die neue Aussegnungshalle im September ihrer Bestimmung übergeben werden.

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