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Zusammenarbeit

Neue ILE hofft auf „Flächenbrand“

Neun Gemeinden im östlichen Landkreis Kelheim tun sich zur ILE Donau-Laber zusammen. Minister Helmut Brunner war Ehrengast.
Von Beate Weigert

  • Sieben der neun Bürgermeister bei der Unterzeichnung des Gründungsvertrags Fotos: Weigert
  • Alle Mitstreiter und Ehrengäste Foto: Weigert

Langquaid.Bei politischen Terminen werden gerne Metaphern bemüht. Das Bild vom Funken, der nun auf neun Kommunen und ihre Bürger im (süd-)östlichen Landkreis Kelheim überspringen soll, war im Bezug auf Ehrengast Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Gründungsversammlung der ILE Donau-Laber am Donnerstagabend nicht ohne Süffisanz. War es doch der CSU-Politiker, der kürzlich gleich zwei Feuerwehreinsätze auf seinem heimischen Hof ausgelöst hatte, als er Gartenabfälle verbrannte. Eine Sache, die Brunner sichtlich peinlich ist. Inzwischen nimmt er diese aber mit Humor. Seine Ankündigung als „brandgefährlicher Redner“ konterte er mit dem Hinweis, dass es ihm lieber gewesen sei, früher als brandgefährlicher Fußballer betitelt worden zu sein.

Viertel der Bürger lebt in ILE-Gebiet

Doch zurück zum eigentlichen Grund des Termins, den der Initiator der ILE, Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck geschickt mit dem Auftakt des Hellrings verknüpft hatte. Die Gründung der ILE Donau-Laber. ILE, das ist nicht das französische Wort für Insel. ILE steht ausgesprochen für Integrierte Ländliche Entwicklung. Alles andere als eine Insel wollen die künftigen Kompagnons Bad Abbach, Hausen, Herrngiersdorf, Kirchdorf, Langquaid, Rohr, Teugn, Saal und Wildenberg künftig sein.

Vorläufig letzte ILE im Bezirk

  • Die Integrierte Ländliche Entwicklung

    ist laut Minister Brunner die Strategie zur eigenständigen Entwicklung einer Region. 700 Gemeinden im Freistaat praktizierten dies bereits in fast 90 Gemeindebündnissen. Die mögliche Palette reiche vom gemeinsamen Einkauf von Streusalz bis hin zu sehr komplexen Projekten.

  • In Niederbayern

    gibt es 18 ILEs. Die ILE Donau-Laber ist vorläufig die letzte, die im Bezirk an den Start gehen kann.

  • Pro Jahr und Landkreis

    steht laut Michael Kreiner vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau eine Million Euro zur Verfügung. Aus diesem Topf werden zu je einem Drittel Dorferneuerungen, Neuordnungen und die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) gefördert. Um alles Wünschenswerte umzusetzen wären laut Experten aber fünf Mio. Euro pro Landkreis vonnöten.

  • Weitere Verbünde im Landkreis

    sind die ILE Abens (Abensberg, Biburg, Neustadt, Siegenburg) sowie die ILE Hallertauer Mitte (Mainburg, Volkenschwand, Aiglsbach, Attenhofen, Elsendorf, Train).

  • In der ILE Donau-Laber

    wollen künftig Bad Abbach, Hausen, Herrngiersdorf, Kirchdorf, Langquaid, Rohr, Teugn, Saal und Wildenberg an einem Strang ziehen. Einwohner: 32 800; Fläche: 324 Quadratkilometer; (re)

Wenn sich mehrere zusammentun, können sie mehr erreichen, findet Herbert Blascheck. Etwa mehr Lebensqualität für die Lebensmittelpunkte ihrer Bürger. Die Ergebnisse kämen gut einem Viertel der Landkreisbewohner zugute. Sie leben auf 324 Quadratkilometern. Das macht ein Drittel der Fläche des Landkreises Kelheim aus. Die ILE Donau-Laber ist der 18. Zusammenschluss auf Bezirksebene und vorläufig der letzte, der an den Start gehen kann, so Roland Spiller, der Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung in Landau, die die ILEs fachlich betreut.

Denn das Budget ist pro Jahr und Landkreis auf eine Million Euro beschränkt. Und dieses steht nicht nur für ILE-Projekte zur Verfügung, sondern zu jeweils einem weiteren Drittel für Dorferneuerungen und Neuordnungen, erklärt Michael Kreiner von der Behörde in Landau.

Trägt Saal da etwas auf dem Rücken von Bad Abbach aus?, kommentierten spöttische Stimmen diese Situation. Nein, natürlich nicht. Ludwig Wachs stellte sich kameradschaftlich als Schreibunterlage zur Verfügung.
Trägt Saal da etwas auf dem Rücken von Bad Abbach aus?, kommentierten spöttische Stimmen diese Situation. Nein, natürlich nicht. Ludwig Wachs stellte sich kameradschaftlich als Schreibunterlage zur Verfügung.

Kooperation ist bislang Papiertiger

„Gute interkommunale Arbeit wird immer kommuniziert. Bislang ist das aber nur ein Papiertiger“, sagt etwa Ludwig Wachs, Bürgermeister von Bad Abbach, der mit knapp 12 000 Einwohnern größten Gemeinde im neuen Verbund. Marion Schwenzl, Bürgermeisterin von Wildenberg, mit knapp 1400 Bürgern ein eher kleiner Bruder sieht es ähnlich: „Im Moment verfolgt jeder für sich eigene kleine Ziele.“ Das soll sich ändern.

Schwenzl erhofft sich von der neuen ILE rein praktische Vorteile, aber auch finanzielle Zuwendungen, etwa für den Ausbau des Kernwegenetzes, so heißen die Flurwege neuerdings. Die Flurbereinigungen liegen überall viele Jahre zurück, der Ausbau auf heutige Standards ist überall gleichermaßen Thema. Für ILEs gibt es Zuschüsse. So könnten sich im neuen Verbund die Gemeinden nicht nur kommunikativ vernetzen, sondern auch ganz real. Die restlichen Mitstreiter sehen noch zahlreiche weitere Anknüpfungspunkte: Herrngiersdorfs Bürgermeister Josef Barth etwa hofft, dass sich mit Hilfe des ILE-Fördertopfs auch in touristischer Hinsicht gemeindeübergreifend etwas auf die Beine stellen lässt. Denn außer Rad- und Wanderwegen und Unterkünften sei da nicht viel bislang.

Personal oder Maschinen teilen

Andreas Rumpel aus Rohr verspricht sich auch Anknüpfungspunkte in Sachen Bildung, zum Beispiel Zusammenarbeit in punkto VHS, oder auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Manfred Jackermeier aus Teugn erhofft sich für seine 1600-Seelen-Gemeinde weitere Vorteile, zum Beispiel gemeinsames Bauhof-Personal oder gemeinsam angeschaffte Gerätschaften, die sich seine kleine Kommune solo nicht leisten könnte.

Natürlich geht es bei der ILE ums Geld. Auch wenn sich niemand „goldene Bürgersteige erwartet“, wie es Hausens Bürgermeister Erwin Ranftl formuliert. Dennoch fiel bei der Talkrunde mit allen Gemeindeoberhäuptern oft der Hinweis an den Minister, die Förderungen mögen entsprechend ausfallen. Denn für ILEs gibt es sowohl für Planungen als auch für die Ausführung Zuschüsse. Die wollen auch Saals Bürgermeister Christian Nerb und Kirchdorfs Bürgermeister Alfred Schiller gerne mitnehmen. Vor allem für Aufgaben und Projekte, die die Kommunen ohnehin erledigen müssen, wie etwa das Instandsetzen des Kernwegenetzes.

Konkrete Zusagen für eine stärkere finanzielle Ausstattung waren Minister Brunner nicht zu entlocken. Er verwies auf den Landtag als „Souverän“ und die laufenden Haushaltsverhandlungen. Den anwesenden Landtagsabgeordneten Martin Neumeyer bat er um Unterstützung.

Mit der Gründungsversammlung hat die künftige Zusammenarbeit einen Rahmen erhalten, die Themen sind gesetzt. Auf die Fahnen schreiben will man sich nach einer gemeinsamen Klausur mit allen Bürgermeistern, deren Stellvertretern und den Geschäftsstellenleitern der Verwaltungen die sieben Handlungsfelder Kernwegenetz, Freizeit und Tourismus, Bildung und Betreuung, kommunale Verwaltung, Soziales und Generationen, Ehrenamt, Boden und Wasser. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst. Klar, könne es sein, dass viel Papier bewegt wird und am Ende nicht viel rauskommt“, sagte einer der Bürgermeister am Rande. Aber davon gehe er erst einmal nicht aus.

Ehrengast Minister Helmut Brunner
Ehrengast Minister Helmut Brunner

Die Metapher vom „Feuer“

Landrat Dr. Hubert Faltermeier gratulierte dem neuen Bündnis, und auch Bundestagsabgeordneter Florian Oßner war zur Gründungsversammlung nach Hellring gekommen. Minister Brunner wünschte am Ende, dass das „Feuer“ der Begeisterung brennen möge und sich auch unter den Bürgern ein „Wir-Gefühl“ einstellen möge. Das es quasi zum ILE-„Flächenbrand“ komme. Da waren sie wieder die Metaphern mit Minister-Bezug. Und so beendeten Applaus und lautes Lachen den Gründungsabend.

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