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Mitarbeitersicherung

Die Arbeit muss der Familie Platz lassen

Elektro Bachner Mainburg hat erkannt, dass Familienfreundlichkeit oft mehr zählt als nur der Lohnzettel. Und baut eine Kita.
Von Martina Hutzler

Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird Arbeitnehmern immer wichtiger – aber angesichts steigender Arbeitsanforderungen oft auch immer schwieriger.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird Arbeitnehmern immer wichtiger – aber angesichts steigender Arbeitsanforderungen oft auch immer schwieriger. Foto: dpa

Mainburg.Wie Fachkräfte gewinnen und halten – wenn ringsum viele weitere attraktive Arbeitgeber sitzen? Der Lohnzettel allein kann für Mittelständler die Antwort nicht sein. Denn auf dem sind die Branchen-Riesen wie Audi oder BMW derzeit kaum zu toppen. „Man muss ein Paket schnüren für die Mitarbeiter“, antwortet stattdessen Thomas Üffink, Geschäftsführer und Personalchef der Bachner Elektro GmbH & Co. KG. Das Bachner-Paket wird gerade um 200 Quadratmeter Fläche größer: Neben dem Firmensitz in Mainburg entsteht eine Betriebs-Kita. Denn den rund 450 Mitarbeitern wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer wichtiger.

Darauf einzugehen, ist eine Sache der Gegenseitigkeit, bilanziert Üffink: „Wir verlangen viel von unseren Leuten. Deshalb müssen die Mitarbeiter den Gegenwert sehen: dass sie sich im Betrieb wohlfühlen und als Mensch wahrgenommen werden, dass sie bei Problemen einen Ansprechpartner haben.“ Und Probleme beginnen eben oft gerade bei der Familiengründung: Viele Paare brauchen beide Einkommen. Elternzeit, ja: die ist immer mehr im Kommen, bestätigt Üffink; „der Elektromonteur, der zumindest zwei Monate Elternzeit beantragt, ist fast schon Normalität“. Danach aber verlangt die Kinderbetreuung zumeist den Frauen logistische Meisterleistungen ab. Und in der Boomregion Mainburg übersteigt die Nachfrage nach Betreuungsangeboten das Angebot gerne mal.

Das „Haus für alle“ wird ein integrativer Kindergarten, der also auch Plätze hat für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.
Das „Haus für alle“ wird ein integrativer Kindergarten, der also auch Plätze hat für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Foto: Hutzler

Weil das die Familie Bachner bei ihren vier Kindern auch selbst erfuhr, reifte die Idee, es als Unternehmen nicht mehr beim monatlichen Kindergarten-Zuschuss von 75 Euro zu belassen, den Arbeitgeber steuerfreigewähren dürfen. Sondern eben selbst einen Kindergarten zu bauen. Wirtschaftlich wird die eingruppige Einrichtung eigenständig vom Unternehmen sein; kostenlos ist die Nutzung für Mitarbeiter nicht, sondern sie erhalten wie bisher den Arbeitgeber-Zuschuss. Aber das Gebäude entsteht eben nur einen Steinwurf weg von der Firmenzentrale, wo überwiegend Frauen arbeiten. Von potenziellen neuen Mitarbeitern wird das aufmerksam registriert; „ bei Vorstellungsgesprächen werde ich auf die Kita angesprochen werde“, schildert Thomas Üffink: „Man merkt, der Bedarf ist einfach da.“

Bei Vorstellungsgesprächen wird Personalchef Thomas Üffink auf den neuen Betriebskindergarten mittlerweile schon angesprochen.
Bei Vorstellungsgesprächen wird Personalchef Thomas Üffink auf den neuen Betriebskindergarten mittlerweile schon angesprochen. Foto: Bachner

Es wird bei einem Dienstleister wie Bachner aber immer auch Phasen und Bereiche geben, in denen die Mitarbeiter ihr Familienleben irgendwie mit dem Beruf vereinbaren müssen, nicht umgekehrt: Auch das stellt Üffink klar. „Wenn zum Beispiel unser Kunde BMW vier Wochen Betriebsferien hat, dann sind unsere Mitarbeiter voll gefordert, auch samstags und sonntags, weil man eben nur in den vier Wochen ein großes Projekt abwickeln kann.“ Ein Geben und Nehmen also, das man als Arbeitgeber „schon beim Einstellungsgespräch kommunizieren sollte“, findet Richard Obermeier, Assistent der Geschäftsleitung.

Auch Azubi-Eltern suchen Kontakt

„Familiensache“ ist es für die meisten Eltern auch, wenn ihre Kinder mit der Ausbildung beginnen – weshalb man bei Bachner beschlossen hat, den Start ins Berufsleben ebenfalls zur Familiensache zu machen. „Für die neuen Azubis und ihre Eltern fand kürzlich ein Treffen hier im Haus statt. Bei dem haben wir das Unternehmen vorgestellt, die Azubis eingekleidet, die Eltern durch das Unternehmen geführt“. In den Berufsstart des Sprösslings eingebunden zu sein, sei den Eltern sehr wichtig, stellt Üffink fest. Oft auch wegen kleiner, aber wichtiger Dinge, die sich an so einem Tag klären lassen: Mitfahrgelegenheiten etwa für den Sohn oder die Tochter.

Gut sei es, den Kontakt zu den Eltern während der Lehrzeit zu halten. Wenn etwa der Ausbilder merkt, dass bei einem Schützling die Leistung stark sinkt, finden auch mal Elterngespräche statt. Gerade in diesen Fällen sei auch der Kontakt zur Berufsschule wichtig, ergänzt Richard Obermeier.

Gerade wenn Azubis im Unterricht  Probleme haben, ist der Kontakt zur Berufsschule wichtig, sagt Richard Obermeier, Assistent der Geschäftsleitung.
Gerade wenn Azubis im Unterricht Probleme haben, ist der Kontakt zur Berufsschule wichtig, sagt Richard Obermeier, Assistent der Geschäftsleitung. Foto: Bachner

Für diejenigen der aktuell 53 Lehrlinge, die in der Schule schlechter sind, organisiert Bachner Intensivierungskurse: Nach Unterrichtsende kommt einer der Ausbilder aus dem Betrieb an die Schule und paukt mit den Schülern zwei Stunden lang zusätzlich.

Pflegezeit bislang noch kein Thema

Bislang noch kein Mitarbeiter ist in der Personalabteilung vorstellig geworden in Sachen Pflegebedürftigkeit der Eltern oder anderer Familienangehöriger. Die vor einigen Jahren eingeführte „Pflegezeit“ etwa sei noch nie nachgefragt worden, bestätigt Thomas Üffink. Pflege und Beruf – in gewissem Umfang könne man das durch flexible Arbeitszeiten abfangen. „Aber wer mit einem Baustellen-Trupp unterwegs ist, für den wird das natürlich schwierig“.

Sehr wohl ein Thema ist und wird immer mehr der alternde Mitarbeiter selbst. Schon heute wollen und müssen viele bis 65 arbeiten; die „Rente mit 67“ steht bevor. „Da müssen wir natürlich versuchen, die Mitarbeiter fit zu halten, damit sie überhaupt so lange arbeiten können.“ Das mündet teils in sehr konkrete Angebote: Mineralwasser etwa gibt es kostenlos und unbegrenzt in den heißen Sommermonaten – auch im Sinne der Unfallverhütung. „Und wir überlegen gerade auch, ob wir ,kostenloses Obst für alle‘ einführen.“ Anderes, wie eine „Bewegungspause für alle“ ist schwieriger umsetzbar,weil die Mitarbeiter auf auf sechs Unternehmensstandorte in Bayern sowie je einen in Sachsen und Österreich verteilt sind. Daher versuche man, das Thema Gesundheitsvorsorge ins betriebseigene „Cafeteria-System“ zu integrieren.

So nennt Obermeier das eingangs erwähnte Angebots-Paket, das die Unternehmensgruppe im Sinne der Mitarbeitersicherung geschnürt hat und mittels Mitarbeiterbefragung immer wieder aktualisiert: angefangen von der betrieblichen Altersvorsorge über Zuschüsse zu Kranken-Zusatzversicherungen bis eben hin zu Zuschüssen zu Vorsorge- und Gesundheitsangeboten. Alles aus der Erkenntnis heraus: „Der Arbeitsmarkt ist die Herausforderung der Zukunft schlechthin.“

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