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Holocaust

Mainburg erinnert an verschleppte Kinder

Ein Kinderhort in Mainburg war in der NS-Zeit ein Umerziehungslager für slowenische Kinder, die geraubt worden waren.
Von Roswitha Priller

Die Gedenktafel wurde mit Blick auf den Kinderhort errichtet. Im Bild sind die Zeitzeugen mit Vertretern der Politik und Geistlichkeit. Fotos: Priller
Die Gedenktafel wurde mit Blick auf den Kinderhort errichtet. Im Bild sind die Zeitzeugen mit Vertretern der Politik und Geistlichkeit. Fotos: Priller

Mainburg.Den Holocaust-Gedenktag am vergangenen Sonntag nahm die Stadt Mainburg gemeinsam mit dem Verband „Lagerinsassen gestohlene Kinder“ zum Anlass, eine Gedenktafel in der Regensburger Straße feierlich einzuweihen. Von 1942 bis 1944 diente das Gebäude des Mainburger Kinderhorts an der Regensburger Straße als Umerziehungslager für 115 slowenische Kinder.

Die Kleinkinder und Säuglinge waren ihren Eltern im August 1942 in ihrer slowenischen Heimat entrissen worden. Die meisten Väter waren von den Nazis vor Ort erschossen worden. Die Mütter kamen in Konzentrationslager.

Marija Razpotnik musste in der Küche des Lagers arbeiten. Fotos: Priller
Marija Razpotnik musste in der Küche des Lagers arbeiten. Fotos: Priller

Kinder, die als „geeignet“ erschienen, die „arische Rasse zu stärken“, wurden nach Deutschland deportiert. Neben Mainburg gab es noch fünf weitere Lager, in denen slowenische Kinder zu Deutschen umerzogen werden sollten. Unter den Gästen befanden sich neben der slowenischen Generalkonsulin Dragica Urtelj auch die sechs Zeitzeugen Marija Tratnik (6), Milena Zeric (1), Vlado Guna (1), Janez Stiglic (5), Marija Razpotnik (14) und Professor Janez Zmavc, der Vorsitzende des Verbandes. In Klammern ist das Alter der Zeugen zum Zeitpunkt der Deportation angegeben.

Im Zeichen der Freundschaft

Die besondere politische Bedeutung des Gedenkaktes wurde durch die Anwesenheit von Landtagsabgeordneter Petra Högl, Bezirksrätin Hannelore Langwieser, Landrat Martin Neumeyer sowie einigen Stadträten unterstrichen. „Wer sich der Vergangenheit nicht stellt, dem fehlt das Fundament für die Zukunft“, betonte erster Bürgermeister Josef Reiser in seiner Rede. „Das Schicksal und Leid, welches die Kinder durchlitten haben, kann aus heutiger Sicht nur schwer nachvollzogen werden, angesichts der Grausamkeit der Tat.“

Abschließend dankte Reiser den Zeitzeugen, auf deren Initiative die Gedenktafel errichtet wurde und ein Stück Mainburger Vergangenheit aufgearbeitet werden konnnte. Die Tafel wurde im Zeichen der Deutsch-Slowenischen Freundschaft errichtet.

Gedenkstein

  • Gedenkstele:

    Sie wurde vom Mainburger Kunstschmied Josef Weindl geschaffen. Die Stele wurde von der Stadt Mainburg und dem Verband „Lagerinsassen gestohlene Kinder“ gespendet.

  • Inschrift:

    Es wird der 115 slowenischer Kinder gedacht, die ihren Eltern geraubt wurden und von 1942 bis 1944 zu Deutschen umerzogen werden sollten.

Stadtpfarrer Josef Paulus segnete die Gedenkstele, bevor Stiglic einen Kranz niederlegte. Die damals 14-jährige Marija Razpotnik ist die älteste unter den Zeitzeugen. Sie musste in der Küche des Lagers arbeiten. Bei betreten des Kinderhortes erkannte sie trotz der Umbauarbeiten sofort die alten Räumlichkeiten wieder.

Überwältigende Erinnerungen

Janez Stiglic war als Fünfjähriger gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder nach Mainburg deportiert worden. Als er das jetzige Kindergartengebäude des „Frauenverein Kinderhortes“ betrat, überwältigte ihn die Erinnerung. Er war das erste Mal wieder in Mainburg. Zuvor waren die Zwillinge mit ihrem neunjährigen Bruder schon in verschiedenen anderen Lagern gewesen. Der große Bruder musste in Neumarkt in einer Sprengstofffabrik arbeiten. Ihr Vater war in der Heimat von den Nazis erschossen worden, die Mutter starb zwei Monate später im Konzentrationslager Auschwitz.

Die Zwillinge blieben zusammen. Das Mainburger Lager hat Stiglic als sehr steril und gefühlskalt in Erinnerung. Oft wurden die Kinder von Ärzten untersucht und geröntgt, was sie sich nicht erklären konnten. Strenge Leibesertüchtigung stand im Vordergrund.

Im April 1945 gelangten die Brüder gemeinsam mit einer Verwandten in einem von den US-Amerikanern organisierten Rücktransport wieder in ihre Heimat.

Gedenken

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