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Wettbewerb

Als Mannschaft zum Erfolg

Kindergarten St. Laurentius in Neustadt bekommt Siegerpreis von Ministerin Kaniber für vorbildliche Holzbau-Architektur.
Von Jochen Dannenberg

Der Kindergarten St. Laurentius wurde aus vorgefertigten Elementen ganz aus Holz gefertigt. Foto: Abeltshauser
Der Kindergarten St. Laurentius wurde aus vorgefertigten Elementen ganz aus Holz gefertigt. Foto: Abeltshauser

Neustadt.Architektur ist ähnlich wie Kunst oder Musik etwas, worüber man trefflich streiten kann oder was man einfach ignoriert. So gesehen war der neue Kindergarten St. Laurentius immer ein Objekt, dass die Bürger nicht unbeteiligt ließ, das Widerspruch hervorrief, aber auch Zustimmung. Auf keinen Fall war er langweilig und das ist gut so, denn die Bürger dachten ja nach. Wer an dem Bau zweifelte, wurde jetzt von einer höheren Instanz belehrt.

Der Neubau des Kindergartens St. Laurentius wurde mit dem 1. Preis beim Wettbewerb „Holzbaupreis Bayern“ ausgezeichnet, den das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten durchführt. 193 Beiträge waren für den Wettbewerb eingereicht worden.

Lichtdurchflutet und freundlich

Die Jury unter Vorsitz von Prof. Lydia Haack, die auch Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Architekten ist, lobte am Neustädter Projekt: „Mit ruhiger Geste lädt der Kindergarten über sein farbiges Entrée ins Innere ein. Hier stecken auch die eigentlichen Werte: Nach dem Betreten gelangt man in ein hölzernes Foyer mit einem lichtdurchfluteten freundlichen Innenhof, um diese staffeln sich über zwei Etagen die Gruppenräume. Die Sichtflächen des hölzernen Gehäuses, zum Teil fein texturiert, geben dem großen Gemeinschaftsraum viel Wärme und bestechen durch die klare und präzise Detaillierung.“ „Ich freue mich riesig, das ist eine wahnsinnige Auszeichnung – für den Architekten Martin Goldbrunner“, jubelt Bürgermeister Thomas Reimer. Reimer sieht sich für das Vorgehen der Stadt beim Neubau des Kindergartens bestätigt. Dazu gehörte auch die Auswahl des Architekten: „Wir wollten diesen Architekten. Wir hatten uns vorab einige seiner Projekte angeschaut.“

Martin Goldbrunner, der einst an der Fachhochschule Regensburg (jetzt OTH) studierte und heute ein Architekturbüro in München betreibt, stellt schlicht fest: „Es ist ein schönes Projekt.“ Bei der Planung stand für ihn der Wunsch im Vordergrund, einen schönen Ort für Menschen zu schaffen, einen „Ort der Gemeinschaft“. Florian Hofbauer, in vierter Generation Chef der ausführenden Firma Hofbauer Holzbau aus Neustadt, bekennt: „Von der Größe her ist das ein Objekt, dass man nicht jeden Tag baut.“ Schon der Entwurf sei nicht alltäglich gewesen.

Eingepasst in die Umgebung

Die Holzbauarbeiten führte eine einheimische Firma durch – Holzbau Hofbauer aus Neustadter. Foto: Dannenberg
Die Holzbauarbeiten führte eine einheimische Firma durch – Holzbau Hofbauer aus Neustadter. Foto: Dannenberg

Froh sind Reimer, Goldbrunner und Hofbauer nicht nur über das Ergebnis des Wettbewerbs, sondern auch über die Bewertung. Die Stimmigkeit bei der Ausführung hat den Ausschlag gegeben. Dabei ging es neben den Details am Bauwerk selbst um Fragen wie z.B. wie steht das Objekt in seiner Umgebung dar? Was ist in der Nachbarschaft an Baukörpern vorhanden? Was passiert an der Straße vorm Kindergarten in den nächsten zehn, zwanzig Jahren?

Kritik hatte es seitens des Stadtrats im Vorfeld u.a. an der Zweigeschossigkeit des Neubaus gegeben. Die Jury des Wettbewerbs hatte die Mehrgeschossigkeit dagegen positiv bewertet worden, weil sich das Gebäude damit besser in die Umgebung einpasst.

Das Projekt

  • Neubau:

    Der neue Kindergarten St. Laurentius (Foto: Abeltshauser) ist seit vorigem Sommer fertiggestellt. Im Herbst wurde er eingeweiht. Inzwischen gibt es erste Ideen für einen weiteren Kindergarten in Neustadt. Er soll im Ortsteil Irnsing entstehen.

  • Platz:

    St. Laurentius besuchen 125 Kinder (Foto: jd) im Alter von drei bis sechs Jahren. Weitere Kindergärten: St. Franziskus (40 Kinder), St. Andreas (75 Kinder), St. Nikolaus (48 Kinder von ein bis drei Jahren) und St. Elisabeth (100 Kinder plus 26 Kinder im Alter von ein bis drei Jahren).

  • Bauweise:

    Der Neubau (Foto: jd) wurde in Holzbauweise erstellt. Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Für eine Tonne Holz speichert ein Baum 1,9 Tonnen Kohlendioxid. Wird das Holz verbaut, bleibt das Kohlendioxid in Form von Kohlenstoff gebunden.

  • Auszeichnung:

    Ministerin Melanie Kaniber (3.v.li.) hat die Preisträger (Foto: Seyfarth/StMELF) des zehnten „Holzbaupreises Bayern“ ausgezeichnet. Zu den Preisträgern gehört Architekt Martin Goldbrunner (3.v.re.). Fast 200 Projekte waren für den Wettbewerb eingereicht worden. (jd)

Neustadt hat mit dem Holzbaupreis, den Ministerin Michaela Kaniber kürzlich in München verliehen hat, eine weitere wichtige Auszeichnung erhalten. 2015 wurde die Stadt für die Sanierung des Blauen Hauses am Kirchplatz vom damaligen Kultusminister Ludwig Spaenle mit der Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Außerdem war Neustadt öfter als andere Orte im Landkreis Kelheim bei der Veranstaltungsreihe „Architektouren“ der Bayerischen Architektenkammer vertreten. Die Sanierung der Innenstadt führte zudem zu lobenden Berichterstattungen in der Fachpresse.

Es ging um das Projekt

Auf der Baustelle: Stadtbaumeisterin Tanja Staudt, Architekt Martin Goldbrunner und Bürgermeister Thomas Reimer Foto: Dannenberg
Auf der Baustelle: Stadtbaumeisterin Tanja Staudt, Architekt Martin Goldbrunner und Bürgermeister Thomas Reimer Foto: Dannenberg

Alles ein Zufall? Bauingenieur Florian Hofbauer stellt fest, dass es beim Kindergarten vorrangig darum gegangen ist, einen Kindergarten zu bauen. „Die Intention war nicht, dass wir einen Preis gewinnen“, sagt er. Der Entwurf für den Neubau sei jedoch anspruchsvoll und „nicht alltäglich“ gewesen. Damit war eine Vorgabe für den Erfolg vorhanden. Ähnlich sieht Martin Goldbrunner die Situation. „Die Idee war nicht, dass man ein Haus so baut, dass man damit einen Preis gewinnt“, betont er. Wichtiger sei es bei der Planung und Ausführung gewesen, um Details zu ringen – auch mit den Handwerkern. Das bestätigt auch Bürgermeister Reimer. Es habe „manche Diskussionen“ zwischen Stadtbaumeisterin Tanja Staudt und Architekt Martin Goldbrunner in dem Bemühen gegeben, eine möglichst gute Lösung zu finden. Diese Einstellung sei seit Jahren auch bei anderen Projekten im Rathaus festzustellen.

Dazu kommt, dass man im Neustädter Rathaus bereit war, Dinge anders als sonst üblich durchzuführen. Darum ging es beim Kindergarten auch mit der Entscheidung für einen Holzbau. Man wollte sich abheben. Die Entscheidung für einen bestimmten Architekten bewirkte weiteres. „Das alles ist gerade bei öffentlichen Gebäuden wichtig, die einen gewissen Repräsentationscharakter haben“, sagt der Bürgermeister. „Der Baupreis ist nicht alles.“

Alle vier Jahre

Der Holzbaupreis wird seit 1978 alle vier Jahre vergeben. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt des Forstministeriums, des Landesbeirats Holz Bayern und proHolz Bayern, unterstützt durch die Bayerische Architektenkammer und die Bayerische Ingenieurekammer-Bau. Dokumentationen und Infos zum aktuellen Wettbewerb und den Preisträgern gibt es im Internet unter www.forst.bayern.de/Holzbaupreis2018.

Bei der Preisverleihung verwies die Ministerin auf die herausragende Ökobilanz des Baustoffs Holz und seine vielfältigen Einsatzbereiche, gerade im urbanen Bauen. Ein Kubikmeter Holz entziehe der Atmosphäre beim Wachsen im Wald eine Tonne Kohlendioxid und spare durch Substitution anderer Baustoffe weitere Treibhausgase ein. Die Digitalisierung werde zudem dem Bauen mit Holz weitere Türen öffnen, da sie die Herstellung individueller Bauteile wirtschaftlicher ermögliche.

Weitere Preise

Sieger-Projekte sind neben dem Kindergarten ein Einfamilienhaus in Herrsching (Landkreis Starnberg), ein Architekturbüro als Garagenaufstockung in Königsbrunn (Landkreis Augsburg) und ein Gemeinschaftsprojekt in Garmisch-Partenkirchen, das alpenländisches Bauen modern interpretiert.

Sonderpreise in Höhe von je 1000 Euro erhielten ein temporärer Eingangs- und Ausstellungspavillon für die Alte Pinakothek in München sowie der Neubau einer Kirche mit außergewöhnlicher Formensprache in Holzkirchen (Landkreis Miesbach). Sieben weitere der insgesamt 193 eingereichten Projekte erhielten eine Anerkennung.

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