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Unwetter

Auffangbecken als Schutz vor Starkregen

Nach dem Unwetter vom Sonntag werden in Neustadt Lösungen gesucht, damit sich die Schäden nicht wiederholen.
Von Jochen Dannenberg

  • Wie ein Fluss schoss das Wasser am Sonntag durch Mühlhausen. Foto: Neitzert
  • Die Schwäne wissen sich zu helfen, wenn das Wasser steigt. Leserfoto: Franz Faltermeier, Josef Kronauer
  • Die Schwäne wissen sich zu helfen, wenn das Wasser steigt. Leserfoto: Franz Faltermeier, Josef Kronauer

Neustadt. 50 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter ließen am Sonntag Dutzende Keller in den Ortsteilen Mühlhausen und Hienheim mit Niederschlagswasser volllaufen und Straßen überschwemmen. Der Schaden, den private Hausbesitzer dabei erlitten haben, dürfte in vielen Fällen in fünfstelliger Höhe liegen. Betroffen von dem Unwetter waren nämlich kaum die Donaunahen Häuser sondern Anwesen, deren Besitzer sich bisher in Sicherheit wähnten, da sie fern der Donau gebaut hatten. Die Ursache der Schäden scheint im Fassungsvermögen der Kanalisation zu liegen.

„Da muss jetzt was passieren“, schimpft Dirk Neitzert aus Mühlhausen im Gespräch mit unserer Zeitung. Über 40 Häuser seien von dem Starkregen am Sonntag in Mitleidenschaft gezogen worden. In etliche Keller lief das Wasser. Schnell waren die Abwasserkanäle gefüllt und das Wasser drückte in die Häuser.

Um das Wasser gut abfließen zu lassen, waren in Hienheim beim Bau des neuen Hochwasserschutz auch drei Rückhaltebecken für Niederschlagswasser im höher gelegenen Siedlungsbereich des Ortsteils angelegt worden. Breite Gräben, zum Beispiel neben der Straße Am Westertal, sollten zudem das Wasser sicher abtransportieren. Doch das half nichts. „Die Rückhaltebecken waren infolge des Starkregens ganz schnell voll“, sagt Anton Schaller, Leiter des Bauhofs, der sich am Montag mit Mitarbeitern des Wasserwirtschaftsamts und des Neustädter Tiefbauamtes um Ursachenforschung bemühte. „Die große Menge des Wassers wurde zurückgehalten“, sagt Schaller.

Kapazitäten begrenzt

„Das ist das große Problem, dass die Kapazitäten endlich sind“, stellt Bürgermeister Thomas Reimer fest. „Als die Regenwasserrückhaltebecken konzipiert wurden, wurden wir vom Wasserwirtschaftsamt gefragt, ob die Rückhaltebecken denn wirklich so groß sein sollten.“ Der Starkregen vom Sonntag zeige, dass die Becken noch größer hätten sein könne. Reimer: „Man kann sich auf Extremsituationen nur sehr schwer vorbereiten.“

Zur Situation in Mühlhausen sagt der Bürgermeister: „Wir haben in den vergangenen Jahren einiges in Mühlhausen gemacht.“ Unter anderem sei das Grundstück oberhalb der Wittmann-Kapelle gekauft worden, um dort ein Rückhaltebecken zu bauen. Über weitere Maßnahmen werde nachgedacht, betont Reimer.

Gleichwohl, gibt er zu bedenken, gebe es immer wieder Situationen, auf die man sich schlecht vorbereiten könne. Ferner müsse berücksichtigt werden, dass es nicht nur um die Ausstattung der Kanalisation gehe. „In Zeiten der Flurbereinigung sind etliche Feldgehölze und Haine, die jetzt eine Hilfe sein könnten, verschwunden“, sagt der Bürgermeister.

Immer neue Rekorde

Eine schnelle Lösung, so scheint‘s, ist nicht in Sicht. „Man kann nicht einfach den Schalter umlegen. Das braucht Planungen und Investitionen.“ Sicher scheint unterdessen, dass die Häufigkeit von Starkregen zunimmt. Forscher sagen mehr und heftigere Gewitter für Deutschland in den kommenden Jahren voraus. Seit über 30 Jahren gibt es immer neue Rekorde bei extremen Regenfällen.

Einen Schwanenpaar in Bad Gögging tat in Anbetracht des Starkregens am Sonntag im übrigen das, was Schwäne wohl seit vielen, vielen Jahren in solchen Fällen tun. Um die Eier mit dem Nachwuchs zu schützen, hatten die Schwäne ein Nest in der Abens nahe der „Rialto-Brücke“ angelegt, in dem sie die Eier bebrüteten. Weil das Wasser im Fluss immer weiter stieg und der Starkregen dem Nest zusätzlich zusetzte, „bauten die Schwäne das Nest stundenlang immer wieder neu auf“, hat Josef Kronauer aus Bad Gögging beobachtet. Der Kampf der Schwäne um ihren Nachwuchs rührte ihn so an, dass er zu seiner Kamera griff und einige Fotos machte. Auch Franz Faltermeier griff zu seiner Kamera und schickte uns einige Bilder.

Erfolg ist ungewiss

Ob der Einsatz der Schwäne für den Nachwuchs erfolgreich war, ist ungewiss. „Sie sitzen wieder auf den Eiern und brüten“, sagt Josef Kronauer. Möglicherweise, so der Ortschronist des Kurorts weiter, werde die Brüterei jedoch nicht von Erfolg gekrönt sein, denn die Kälte des Wassers und des Regens am Sonntag könnten dem Nachwuchs so sehr zugesetzt haben, dass er noch vor dem Schlüpfen stirbt.

Weitere Berichte aus Neustadt finden Sie hier.

Mehr und heftiger

  • Häufigkeit:

    Sicher scheint, dass die Häufigkeit von Starkregen zunimmt. Forscher sagen mehr und heftigere Gewitter für Deutschland in den kommenden Jahren voraus. Sie sollen eine Folge des Klimawandels sein.

  • Zunahme:

    Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach haben herausgefunden: Um 1950 gab es in Deutschland im Schnitt an acht bis zehn Tagen im Jahr Wetterlagen wie am Wochenende. Heute sind es meist zwischen neun und 15.

  • Anstieg:

    Bis 2100 rechnet der DWD mit einem Anstieg auf zehn und 17. „Wir werden uns wohl auf mehr solcher extremen Wetterlagen einstellen müssen“, so die Experten.

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