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Intertec

Aus der Nische heraus an die Weltspitze

Die Neustädter „Intertec“ liefert Hightech-Schutzgehäuse in alle Welt. Firmenchef Hess sorgt sich über wuchernde Bürokratie.
Von Martina Hutzler

Geschäftsführer Martin Hess erläutert den Aufbau dieses Transmitter-Schutzkastens, der sensibelste Messgeräte sicher verpackt.
Geschäftsführer Martin Hess erläutert den Aufbau dieses Transmitter-Schutzkastens, der sensibelste Messgeräte sicher verpackt. Foto: Hutzler

Neustadt.Ein versteckter, ein „hidden champion“ ist die Firma Intertec-Hess GmbH auch im Wortsinne: Etwas versteckt liegt der Firmenkomplex in der Raffineriestraße von Neustadt/Donau. Und kaum bekannt ist, dass der Name „Intertec“ für Fachleute ähnlich selbsterklärend ist wie für den niesenden Otto-Normalverbraucher das Wort „Tempo“: Mit seinem Produkt für eine sehr spezifische Nische ist das mittelständische Unternehmen konkurrenzlos auf dem Weltmarkt. Es stellt patentierte Schutzgehäuse her, die in ihrem Inneren sensible Mess- und Regeltechnik beherbergen. Und diese nach außen vor Wind und Wetter, Hitze und Frost, Brand und Explosionsgefahren oder sonstigem Ungemach schützen.

Dazu dient, als Kern, ein Glasfaser-verstärkter Kunststoff (Polyester), der zugleich leicht und extrem stabil ist. Er kann, wie ein Sandwich, mit einer Außen- und Innen-Haut aus leichtem, isolierendem PU-Schaum verkleidet werden. Je nach Anwendungszweck können Fenster, Heiz- und Kühlsysteme und anderes Zubehör mit verbaut werden.

Energie und Chemie als Kunden

Vor allem Unternehmen der Energie- und Chemiebranchen brauchen solche Hightech-Verpackungen: zum Beispiel Raffinerien, wo an tausenden Stellen in der Produktion Messstellen nötig sind. Firmengründer und Senior-Chef Dr.-Ing. Joachim Hess selbst war Raffinerie-Direktor, ehe er 1965 Intertec gründete.

Vom ursprünglichen Firmensitz in Ingolstadt ist das Familienunternehmen mit den beiden Geschäftsführern Joachim Hess und seinem Sohn, Diplom-Ingenieur Martin Hess, mittlerweile komplett nach Neustadt übersiedelt; 2009 und 2014 gingen die neuesten Produktionshallen in Betrieb. Allein in Neustadt arbeiten 200 Menschen, davon 50 in der Verwaltung und 150 in der Produktion. Weitere 100 kommen weltweit hinzu, vor allem in Kanada. „Ein Drittel unseres Umsatzes erzielen wir am nordamerikanischen Markt“, berichtet Martin Hess. Global zu agieren, ist gerade für einen Spezialhersteller wie ihn unerlässlich: Nur so lässt sich zum Beispiel an einer anderen Stelle in der Welt kompensieren, wenn an einer Stelle der Welt ein Markt wegbricht.

International auch beim Personal

International denkt die Firma daher auch in Bezug auf die Mitarbeiter-Gewinnung. So hat man die relativ große Gruppe der Spätaussiedler aus der einstigen Sowjetunion als Standort-Vorteil erkannt, schildert Martin Hess: Ihnen als Mitarbeiter fällt es gerade auch sprachlich leichter, Kontakte zu Geschäftspartnern im Osten zu knüpfen. Generell sei das Unternehmen im Mitarbeiter-Bereich noch gut aufgestellt, „weil wir einen recht guten Ruf genießen“. Aber vor allem im Bereich der Abiturienten und Uni-Absolventen werde es zunehmend schwierig, fündig zu werden. Martin Hess führt dies auch darauf zurück, dass im Großraum Neustadt eben kein Gymnasium und schon gar keine Hochschule angesiedelt ist.

Ein weiteres Problem, das gerade international agierende Firmen wie die seine zunehmend hemmt, sieht er in der wuchernden Bürokratisierung. Groß im Kommen sei da zum Beispiel „der Audit- Tourismus und Zertifizierungswahn“. Dass gerade sicherheits-relevante Produkte wie Schutzgehäuse zertifiziert sein müssen, verstehe sich von selbst. Aber warum dann beispielsweise das Luftfahrtrecht auf einem komplett anderen Zertifizierungssystem besteht als das eigens international abgestimmte ISO-System – das verstehe wer will, kritisiert Martin Hess. Und das sei nur ein Beispiel: „Wir bemerken eine verhängnisvolle Tendenz zu nationalen Alleingängen“, warnt er in Richtung Politik.

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