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Projekt

Der Toni entzaubert die Welt

Kunst soll zum Nachdenken anregen. Bei Toni Schaller wird das in Hienheim ein philosophisches Abenteuer.
Von Jochen Dannenberg

Toni Schaller arbeitet vorzugsweise in seinem Garten an seinen Objekten. Foto: Dannenberg
Toni Schaller arbeitet vorzugsweise in seinem Garten an seinen Objekten. Foto: Dannenberg

Neustadt.Italien, Dänemark, Südkorea und jetzt wieder Neustadt. zum ersten Mal seit fünf Jahren stellt Toni Schaller wieder in seiner Heimat aus. Am Samstag, 18. Mai, wird er sein Kunstprojekt „NSA-nature“ auf dem Stieberberg in Hienheim vorstellen.

Der Titel des Projekts ist Programm. „NSA“ steht für die National Security Agency, den größten Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten, wobei Toni Schaller sich insofern vor allem einer Eigenschaft der Spionage bedient – dem Ausspähen von Geheimnissen. Bei Schaller geht es jedoch nicht um Geheimnisse fremder Mächte, sondern um die Grundlage des Lebens – die Natur. „Bei ’NSA-nature‘“, erklärt Schaller, „geht es um die Natur ohne Geheimnisse. Die Natur wird bis ins Letzte ausgespäht.“ Und das ist bei dem Künstler aus Eining wörtlich zu nehmen.

Kunst zum Anfassen

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„NSA-nature“ ist kein Kunstobjekt, das ehrfurchtsvoll betrachtet werden kann. Im Gegenteil. Die Betrachter sollen es in Besitz nehmen. Sie dürfen hineinklettern und die Welt durch die kleinen Löcher betrachten, die Schaller in das Objekt eingefügt hat. Mehrere Leute haben in dem Objekt Platz, das sechs Meter lang, 2,50 Meter breit und 3,80 Meter hoch ist und je nach Standpunkt des Betrachters ein Walfisch oder ein Raumschiff sein kann. Schaller erläutert: „Das Schönste und Tiefste, was ein Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen, das ihn umgibt. Eine Welt ohne Geheimnisse wäre nicht nur eine Welt ohne Liebe, Spannung und Neugier, sondern auch eine Wüste der Langeweile mit dem Verlust von Spontanität und Überraschung.“

Für den Eininger geht es um noch mehr. Er stellt philosophische Grundfragen des Seins. „Die Trennung des denkenden Menschen von den natürlichen Voraussetzungen seiner Existenz, von allem, woran er unreflektiert und selbstverständlich seinen Anteil hat, birgt die Gefahr der Entfremdung in sich“, stellt Schaller fest. Zugleich sieht er, dass die Welt als Gegenstand der Wissenschaften immer mehr entschlüsselt wird „und zu einer anderen Welt mutiert, als die, in der wir als Menschen zu Hause sind“. Darum folgert er: „Wissenschaftler und Forscher leben in zwei Welten: einer alltäglichen und einer sezierten, katalogisierten und vorherbestimmbaren Welt.“

Liebe, Spannung, Neugier

Dies zeigt „NSA-nature“ auf. Das Objekt ist ein Vehikel um die Natur auszuspähen und in ihre Geheimnisse vorzudringen. Ob man die Geheimnisse tatsächlich herausfindet, ist etwas anderes. Möglicherweise steht am Ende eine Erkenntnis, die so gar nicht auf das letzte Detail zielt, nicht auf Wissen im Sinne von Wissenschaft, sondern auf Erkenntnis, wozu auch Wissen gehört, aber eben nicht im Sinne von Fakten: Liebe, Spannung, Neugier – die Geheimnisse des Lebens, die sich nicht in Tabellen und Zahlen messen lassen. „NSA-nature“ wird so zu einem Schutzprojekt für die Natur und lässt sich als Aufforderung verstehen, nicht jedes Geheimnis lüften zu müssen.

Toni Schaller setzt mit diesem Projekt seine früheren Arbeiten fort. Nicht nur optisch. So verwendet er wieder hunderte, wenn nicht tausende Bretter aus Lärchenholz, die er erst mit der Kettensäge klein schneidet und dann zu einem vorher sorgfältig geplanten Werk zusammenfügt. Man kennt diese Arbeitsweise von zahlreichen Arbeiten Schallers, sie haben ihm auch international Lob und Anerkennung eingebracht. Daran hält er fest. Insofern ist „NSA-nature“ etwas vertrautes.

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Toni Schaller hat ein neues Kunst-Projekt

Geblieben ist auch die Idee, mit Kunst den Betrachter zum Nachdenken anzuregen oder vielleicht sogar Diskussionen anzustoßen. Schaller knüpft mit dem aktuellen Projekt inhaltlich an frühere Arbeiten an. Immer wieder hatte er in den vergangenen Jahren die Bedeutung der Natur und ihre Schutzbedürftigkeit betont und zugleich einen Bezug zur menschlichen Existenz hergestellt.

In die Objekte hinein

Wobei es ihm nie um platte Slogans ging, sondern er mit seinen Werken immer auch zur Betrachtung über das Leben einlud. Deshalb war es dann auch von Bedeutung, dass die Betrachter in die Objekte hineinklettern konnten, um mit dem Blick nach draußen die Umwelt und sich selbst neu zu erfahren.

Programm

  • Ausstellung:

    Samstag, 18. Mai, um 18 Uhr Begrüßung auf dem Stieberberg durch Bürgermeister Reimer.

  • Vortrag:

    Karl Sperk, Architekt und Städteplaner, führt in das Werk Toni Schallers und „NSA-nature“ ein.

  • Unterhaltung:

    19 Uhr Vogelstimmen-Imitator und Buchautor Dr. Uwe Westphal, 20 Uhr Musik von Scala Tympani.

Der Ort, an dem dies in diesem Jahr geschieht, ist nicht zufällig gewählt. Der Stieberberg liegt gegenüber dem Weinberg und dem Kastell Abusina in Eining, wo Toni Schaller schon mehrfach ausgestellt hat. Der Stieberberg ist zugleich der Ort, an dem die Mitglieder des Flugsportvereins Kelheim zu ihren Flügen abheben.

Eine Idee, um die Welt wahrzunehmen

Ganz in der Nähe befinden sich auch der Limes und der Limes-Wachturm. Sie standen einst für eine Grenze, die die Welt teilte – in die des zivilisierten Roms mit seiner Hochkultur und die der vermeintlich unzivilisierten Germanen.

Wer den Limes überquerte, erlebte eine andere Welt. Das gehörte zur Beobachtung und zum Nachdenken. Ob es zu mehr Erkenntnis verhalf, ist damit nicht überliefert. Ab Samstag können wir alle mit „NSA-nature“ einen neuen Anlauf unternehmen, unsere Welt wahrzunehmen.

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