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Präsentation

Die alten Römer machen per App mobil

„Limes mobil“ erweckt die Römerwelt rund um Neustadt zum Leben. Das begeistert internationale Experten – und Touristiker.
Von Martina Hutzler

Eine Tafel und ein nahe dran gehaltenes Smartphone genügen, um zum Beispiel am Eininger Weinberg den römischen Tempelbezirk wiederauferstehen zu lassen. Zwei Tagungsteilnehmer probierten die App aus.  Foto: Hutzler
Eine Tafel und ein nahe dran gehaltenes Smartphone genügen, um zum Beispiel am Eininger Weinberg den römischen Tempelbezirk wiederauferstehen zu lassen. Zwei Tagungsteilnehmer probierten die App aus. Foto: Hutzler

Kelheim. Hübsche Aussicht, hier auf dem Weinberg bei Neustadt – und seltsame Buckel in der Landschaft: Was die wohl bedeuten? Das können sich Touristen und Einheimische künftig von ihrem Smartphone erzählen lassen. Seit Freitag ist eine neue Limes-App verfügbar. Wer mit ihr unterwegs ist, der steht auf einmal nicht mehr im Grünen, sondern zum Beispiel mitten im Tempel, den die Römer hier am Weinberg vor fast 2000 Jahren erbaut und den Archäologen virtuell rekonstruiert haben.

Die alte Grenze verbindet

Der Limes ist Europas längstes Bodendenkmal. Mit Wällen und Flüssen schotteten die Römer einst ihr Reich ab – heute verbindet die Forschung daran die Nationen: 50 Archäologen, Denkmalpfleger und Museumsexperten aus neun Ländern – von Großbritannien bis zum Schwarzen Meer – waren diese Woche in Eining und Kelheim zu Gast, um die „Limes mobil“-App zu testen.

Lebendige Geschichte

Wer sich die kostenlose Anwendung herunterlädt, den weist sein Smartphone darauf hin, wenn man sich einem von (bisher) 16 „points of interest“ im Raum Neustadt nähert – etwa dem einstigen Tempelbezirk am Weinberg bei Eining. Dessen Grundmauern wurden Anfang des 20. Jahrhunderts freigelegt; heute sieht man nur „Buckel“ im Gelände. Die Limes-App hält dazu nicht nur Karten, Bilder, Infotexte und Kurzvideos parat. Mittels 360-Grad-Animationen kann man zum Beispiel den kleinen Tempel von innen und außen betrachten; man kann die Figuren von Mars und Victoria virtuell „in die Hand nehmen“, die einst hier gefunden wurden.

Am Smartphone kann man Bau- und Kunstwerke der Römerzeit virtuell rekonstruieren. Foto: Dobat / edufilm und medien GmbH
Am Smartphone kann man Bau- und Kunstwerke der Römerzeit virtuell rekonstruieren. Foto: Dobat / edufilm und medien GmbH

Bayern, Schottland – und zurück

Die Entwicklung dieser Anwendung (für Android- und iOS-Geräte) ist ein internationales Projekt. Es basiert auf einer älteren App für den fränkischen Limes, entwickelt von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern und die Bayerischen Sparkassenstiftung. Sie gefiel dem schottischen Denkmalschutz so gut, dass er die App importierte und für den dortigen Antoninuswall weiterentwickelte.

Vor drei Jahren „re-importierten“ Sparkasse, Landesstelle und Landesamt für Denkmalpflege (LfD) die schottische Weiterentwicklung, um nun das Römische Reich in Bayern auf neuesten digitalen Stand zu bringen: mit „virtual“ und „augmented reality“ von der österreichischen „edufilm und medien GmbH“.

Im  Kelheimer Sparkassen-Saal präsentierten die Entwickler die neue Limes-App unter anderem Landrat Martin Neumeyer (re.) und Sparkassen-Vorstandsvorsitzendem Dieter Scholz (3.v. li.). Foto: Hutzler
Im Kelheimer Sparkassen-Saal präsentierten die Entwickler die neue Limes-App unter anderem Landrat Martin Neumeyer (re.) und Sparkassen-Vorstandsvorsitzendem Dieter Scholz (3.v. li.). Foto: Hutzler

Eining ist aus gutem Grund dafür Schauplatz. Hier, wo der „trockene“ Limes übergeht in den „nassen“, die Donau, hier „lässt sich bestens die Präsenz der Römer vom ersten bis zum fünften Jahrhundert erklären“, sagte Dr. Markus Gschwind (LfD) beim Abschlusstreff der 50 europäischen Limes-Fachleute, zu dem Direktor Dieter Scholz in der Kelheimer Kreissparkasse begrüßte.

Historische Stätten allen erlebbar zu machen, hält Archäologe Gschwind für unabdingbar: Nur wer das kulturelle Welterbe kenne, der bewahre es. Die Sparkassenstiftung, so Geschäftsführer Dr. Ingo Krüger, habe dies gefördert, denn „Wissenstransfer ist unsere Aufgabe“.

„Welterbe“ in der heißen Phase

  • Anfänge:

    1987 wurde mit dem britischen Hadrianswall das erste Teilstück der römischen Grenze zum Welterbe erklärt. 2005 und 2008 nahm das Welterbe-Komitee der Unesco weitere Limes-Abschnitte in die Liste auf.

  • Ziel:

    Das „transnationale Welterbe“ namens „Grenzen des Römischen Reiches“ soll sich über zwei Dutzend Staaten erstrecken, entlang der über 5000 km langen Außengrenzen des ehemaligen Imperium Romanum.

  • Aktuell:

    Bayern, Österreich, Slowakei und Ungarn haben Anfang 2018 miteinander den „Welterbe“-Titel für ihren Donau-Limes beantragt. Eine Entscheidung wird Anfang Juli erwartet, wenn das Unesco-Komitee tagt.

Und die sei mit „Limes mobil“ bestens erfüllt, befand Landrat Martin Neumeyer: „Mit Ihrer App gestalten Sie Zukunft!“, gratulierte er den Projektpartnern, nachdem Archäologe und Multimedia-Entwickler Erik Dobart („edufilm“) in der Sparkasse die App präsentiert hatte.

Wie die internationalen Experten am Freitag, können ab sofort alle Interessierten die neue Limes-App testen: zum Beispiel am Weinberg bei Eining. Foto: Hutzler
Wie die internationalen Experten am Freitag, können ab sofort alle Interessierten die neue Limes-App testen: zum Beispiel am Weinberg bei Eining. Foto: Hutzler

Visualisieren, ohne zu stören

„Live“ vor Ort getestet wurde sie zuvor von den Tagungsgästen – und von Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer und Tourismusmanagerin Astrid Rundler. Auch sie drehten sich mit dem Smartphone begeistert im Kreis, um den virtuellen Marstempel am Weinberg anzuschauen. „Eine tolle Möglichkeit, Geschichte zu visualisieren, ohne in die Landschaft einzugreifen“, war Reimer begeistert: Am „point of interest“ ist nur eine kleine Tafel nötig, um die App zu aktivieren.

Eine Tafel und ein nahe dran gehaltenes Smartphone genügen, um zum Beispiel am Eininger Weinberg den römischen Tempelbezirk wiederauferstehen zu lassen. Zwei Tagungsteilnehmer probierten die App aus.  Foto: Hutzler
Eine Tafel und ein nahe dran gehaltenes Smartphone genügen, um zum Beispiel am Eininger Weinberg den römischen Tempelbezirk wiederauferstehen zu lassen. Zwei Tagungsteilnehmer probierten die App aus. Foto: Hutzler

Technik auch für andere Epochen

Reimer, Vorsitzender des Kreis-Tourismusverbands, und Astrid Rundler wollen nun kräftig die Werbetrommel rühren bei Tourist-Infos, Gastgebern und anderen Touristikern, um die App bekannt zu machen.

Zug um Zug sollen in „Limes mobil“ weitere Römer-Standorte in ganz Bayern eingepflegt werden, so Hauptkonservator Dr. Christof Flügel von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen. Auch andere Limes-Staaten dürfen „Limes mobil“ bei sich nutzen. Und mit der Technik der App könnte man weitere Epochen und Kulturen erklärt. So kann sich Dr. Bernd Sorcan vom Archäologischen Museum Kelheim vorstellen, sie im Archäologiepark Altmühltal zu nutzen.

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