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Wirtschaft

Ehemalige Brauerei hat neue Besitzer

Vier junge Unternehmer haben das Neumeyer-Anwesen in Neustadt erworben. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten haben begonnen.
Von Jochen Dannenberg

  • Das „Bräustüberl“ der früheren Brauerei Neumeyer an der Herzog-Ludwig-Straße ist seit längerem geschlossen. Jetzt sind hier die Handwerker eingezogen. Fotos: Dannenberg
  • Vor zwei Jahren hatten Harald Eberl, Andreas Treffer und Werner Reichl den Gasthof Keim erworben und zu einem „Boardinghouse“ umgebaut.
  • Die neuen Besitzer: Christian Roßbauer, Andreas Treffer, Werner Reichl und Harald Eberl

Neustadt. Die Neustädter Unternehmer Werner Reichl, Harald Eberl und Andreas Treffer haben ein weiteres bekanntes Anwesen in der Altstadt erworben. Gemeinsam mit dem Abensberger Architekten Christian Roßbauer als vierten im Bunde haben sie das Anwesen der ehemaligen Brauerei Neumeyer an der Herzog-Ludwig-Straße gekauft. Der Erwerb wurde vor wenigen Tagen verbrieft.

Über die Ziele, die das Quartett mit dem Kauf verbindet, wollten sich die vier Unternehmer nicht im Detail äußern. „Wir wollen zunächst einmal das Gaststättengebäude renovieren“, verriet Andreas Treffer auf Nachfrage. Die Bauarbeiten im ehemaligen Bräustüberl sind voll im Gange. Die Einrichtung der vor wenigen Jahren renovierten Gaststätte ist inzwischen abgebaut worden. Der Jahrzehnte lang bestehende Eingang zum Lokal ist zugemauert. Im Erdgeschoss sind die Handwerker im Einsatz.

Kleinod für Neustadt

Karlheinz Neumeyer, bisheriger Eigentümer des Anwesens, ist unterdessen mit der Auflösung seiner Büros im Hof der Brauerei beschäftigt. Voraussichtlich bis Ende April wird er den angestammten Besitz seiner Familie an der Herzog-Ludwig-Straße verlassen haben. Das gilt auch für seinen Sohn, der in dem weitläufigen Gebäudekomplex eine Werkstatt betreibt.

Was die jetzt begonnenen Baumaßnahmen betrifft, sagt Andreas Treffer: „Es soll was wertiges werden.“ Christian Roßbauer ergänzt: „Das Anwesen soll ein Kleinod werden, ein besonderes Eck für Neustadt, so dass Leute in die Altstadt ziehen wollen.“

Roßbauer hatte in Abensberg zuletzt u.a. dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass er direkt an der alten Stadtmauer und an der Ulrichstraße 11 das Anwesen der alten Metzgerei erworben hatte, um dort Häuser zu bauen. Für die Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro entstanden mehrere Wohnungen, die zwischen 70 und 110 Quadratmeter groß sind. Das Projekt an der Ulrichstraße ist nicht das einzige des Architekten in Abensberg. Dazu zählten in den vergangenen Jahren auch der Bau von Reihenhäusern und Doppelhäuser in der Kagrastraße sowie der Ausbau einer alten Lagerhalle zu Loftwohnungen.

Werner Reichl, Harald Eberl und Andreas Treffer hatten vor zwei Jahren den damaligen Gasthof Keim in der Herzog-Ludwig-Straße in Neustadt gekauft. Das Anwesen wurde anschließend zu einem „Boardinghouse“ umgebaut. „Wir bieten Zimmer für Langzeitgäste an, die für mehrere Monate oder länger in Neustadt oder der Region zu tun haben“, sagt Werner Reichl. Bisher war diese Personengruppe, die vor allem aus beruflichen Gründen vorübergehend eine andere Bleibe als die angestammte Heimat sucht, auf Hotels und Pensionen angewiesen. Im Unterschied zu diesen bietet das Boardinghaus zwar weniger Service, aber dafür mehr Privatsphäre.

Erfahrungen mit Sanierungen

Trotz des Umbaus blieb das ehemalige Wirtshausgebäude in seiner äußeren Form erhalten. Abgerissen wurde jedoch der Stadl, in dem auch Stallungen untergebracht waren. Durch den Abriss wurde Platz frei für den Wiederaufbau des ehemaligen Stadtwalls und die Anlage des Kastanienwalls an der Herrnstraße. Dabei handelte es sich um ein Projekt, dass der Stadt Neustadt im Rahmen der Altstadtsanierung wichtig war.

Harald Eberl hatte vor rund zehn Jahren das 150 Jahre alte „Kutscher-Anwesen“ in Irnsing, ein ehemaliger Gasthof mit Brauerei und eines der markantesten Gebäude des Neustädter Ortsteils erworben und in jahrelanger Arbeit wieder hergerichtet. Das meiste erledigte Eberl in Eigenleistung. „Dieses Haus hat mir schon damals gefallen. Es hat mich einfach fasziniert und ich wollte es schon immer einmal haben“, gestand Eberl damals dem Reporter seine Leidenschaft.Ende 1999 hatte die Brauerei Neumeyer ihre Produktion eingestellt. Schrumpfender Biermarkt, Überkapazitäten, sinkender Pro-Kopf-Verbrauch, die 0,5-Promille-Grenze und Trendgetränke zählte Karlheinz Neumeyer damals in einem Schreiben an die Kunden als einige der Faktoren auf, die ihn „nach langer reiflicher Überlegung“ dazu bewogen hatten, die Produktion einzustellen. Neumeyer sprach zudem von einer „unsicheren Zukunft“ und einem „mörderischen Konkurrenzkampf“. Um hier langfristig zu überleben, müssten Millionenbeträge investiert werden. Zu viel für die kleine Brauerei, deren Wachstumsmöglichkeit in der Neustädter Innenstadt stark beschränkt ist.

Auf der Suche nach einer „in die Zukunft gerichteten und guten Lösung“ war Neumeyer auf den „idealen Partner“, die Herrnbräu AG in Ingolstadt, gestoßen. Dort wird seither auch das einst aus Neustadt kommende Export-Bier „Römergold“ gebraut.

Zu den Kunden gehörte seinerzeit auch die „Fellner Resl“, Theresia Schlittenbauer. Bei ihr gab es immer schon auch Bier anderer Brauereien, aber Neumeyer war das Hausbier, und das hatte gute Gründe: „Das ist gerne getrunken worden, ein gutes Bier war das, da kann man nichts sagen“, meinte die Wirtin. Vor allem das Standardbier, „Export“, sei gerne getrunken worden, das „Dunkel“ sei gar eine Art Geheimtipp bei Bierkennern gewesen.

„Römer Gold“

  • Die Hausmarke

    der Brauerei Neumeyer, „Römer Gold“, gibt es trotz des Produktionsendes 1999 in Neustadt noch heute.

  • Das Bier

    wird nach dem Originalrezept bei Herrnbräu in Ingolstadt produziert. Auf dem Etikett vermerkt ist die neue Herkunft: Herrnbräu Ingolstadt.

  • Zuletzt hatte

    die Brauerei in Neustadt noch mehrere Mitarbeiter beschäftigt: Zwei Fahrer und der Braumeister wurden von Herrnbräu übernommen.

  • Zwei weitere

    Fahrer hatten schon vor Bekanntgabe des Produktionsstopps aus privaten Gründen gekündigt. Entlassen wurden dagegen ein Arbeiter und zwei Bürokräfte (davon eine in Teilzeitstellung).

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