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Ein kleiner Fisch zeigt große Wirkung

Wenige Zentimeter groß sind Moderlieschen. Sie ernähren sich auch von Insekten und sind natürliche Feinde der Stechmücken.
Von Jochen Dannenberg

  • Klaus Gumpp Fotos: Garbe
  • Nur wenige Zentimeter groß sind die Moderlieschen. Sie ernähren sich von Zooplankton und Insekten und sind damit natürliche Feinde der Stechmücken. Fotos: Garbe, Dannenberg

Neustadt.Die Natur erfreut die Menschen. Gerade jetzt im Frühjahr, wo überall Bäume, Sträucher und Blumen blühen, ist die Freude besonders groß. Doch wie es um die Natur im Boden oder den zahlreichen Gewässern der Region bestellt ist, sieht man nicht und deshalb wird diesem Thema oft nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Anders verhält es sich bei den Neustädter Fischerfreunden. Sie kümmern sich seit vielen Jahren um die Gewässer in der Großgemeinde, sammeln nicht nur Müll an den Ufern ein, sondern versuchen auch durch die Ansiedlung von Fischarten gezielt die Tierwelt zu bereichern.

„Die Unterwasserwelt wird im Allgemeinen nicht besonders wahrgenommen“, stellt Erhard Garbe, Vorsitzender der Neustädter Fischerfreunde und Umweltreferent des Stadtrats fest. Die Gründe für dieses Verhalten seien mannigfaltig. „Vielleicht liegt es an der Wassertrübung, die einen klaren Blick auf die Bewohner verhindert. Und selbst im klaren Wasser wird ein Fisch nicht so possierlich wahrgenommen wie Bambi oder Vögel“, meint Erhard Garbe.

Diese andere Wahrnehmung der Natur habe zur Folge, dass der Naturschutz oft an der Wasseroberfläche aufhöre. „Was man nicht sieht, braucht nicht geschützt werden“. Durch diese „getrübte Wahrnehmung“ wird der Lebensraum Wasser oft nur zweckbestimmt wahrgenommen. Sei es als Vorfluter, als Reservoir zur Bewässerung oder gar zur Entsorgung unliebsamer Stoffe.

Sauerstoff wichtig

Die Folgen reichen weiter. „Wenn das Ökosystem Wasser nicht mehr funktioniert, fällt dies den Menschen erst auf, wenn Nachteile entstehen“, mahnt der Vorsitzende der Fischerfreunde. „In verschlammten, sauerstofflosen Gewässern können eben keine Fische existieren. Wenn die Gräben wegen zu hoher Wasserentnahme oder verstärkt auftretender Hitzewellen trockenfallen, gehen ganze Ökosysteme zugrunde.“

Fazit: Solange es nicht stinkt, ist es den meisten Menschen egal, wie es im – oder besser: unter – Wasser aussieht. Wenn aber im Frühjahr die ersten Mückenschwärme über die Menschen herfallen, werden Maßnahmen zur Steckmückenbekämpfung gefordert, worüber vorige Woche im Neustädter Bürgersaal informiert wurde. Hier schließt sich der Kreis.

Natürlicher Feind

Weil aber Mittel gegen die Staunzen nur eine Möglichkeit sind, um den nervenden Plagegeistern beizukommen und die Neustädter Fischerfreunde umweltbewusst sind, haben sie in diesem Frühjahr 100000 Moderlieschen in die Gräben und Gewässer von Neustadt eingesetzt. Dieser Kleinfisch wird zwischen sechs und neun Zentimeter lang und ernährt sich überwiegend von Zooplankton und Insekten. „Hierzu gehören auch und gerade die Larven der Stechmücke, die sich ausschließlich im Wasser entwickeln“, erläutert Erhard Garbe.

Er freut sich: „Durch den Besatz mit Moderlieschen wird mit natürlichen Mitteln die Entwicklung der Stechmücke gehemmt.“ Wegen der Bedeutung wurde der Fischbesatz von der Stadt Neustadt unterstützt. „Diese Art der Stechmückenbekämpfung hat garantiert keine Nebenwirkungen, ist nachhaltig und die Kosten sind gering“, ist der Chef der Fischerfreunde überzeugt.

Das Moderlieschen ist nicht nur ein Fressfeind der Stechmücken. Es ist auch Teil der Nahrungskette und damit Nahrungsgrundlage für viele Tiere im Ökosystem Wasser. „Hierzu zählt auch der Eisvogel, der als einer der schönsten und farbenprächtigsten Vögel an unseren Gewässern für sich und seine Brut diese Fische benötigt.“

Wiederholt neuer Besatz

Mit dem Aussetzen der Moderlieschen setzen die Neustädter Fischerfreunde ihre Besatzaktionen der vergangenen Jahre fort. So wurde die Donau im vorigen Jahr wieder zur Heimat für den Huchen, Fisch des Jahres 2015. Der Huchen steht an der Spitze der Nahrungskette der heimischen Fische. In Deutschland kommt er nur in Bayern vor, und wird auch „Donau-Lachs“ genannt, weil er ein „lachsartiger Fisch“ ist, wie Prof. Dr.-Ing. Albert Göttle, Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern, anlässlich der Auswilderung von 200 dreijährigen Huchen in der Donau nahe der Flussmeisterstelle Neustadt erklärte. Heute ist er in der Donau sehr selten, der Bestand ist durch die Zerstörung seines Lebensraums stark gefährdet.

Ebenfalls vor einem Jahr hatten die Fischerfreunde die Donau zur Heimat für Bachforellen gemacht. Dabei setzte der Verein auf die Wasserqualität des Flusses und darauf, dass man die Kormorane am Fluss austricksen kann. „Es ist ein Experiment“, erklärte Rüdiger Schemm, Vorstandsmitglied der Fischerfreunde. „Aber wir sind optimistisch.“ Die Wasserqualität der Donau sei gut, sagt er. „Wir setzen die Bachforelle in einem sehr frühen Lebensstadium als Ei und als junge Brut aus“, erläutert er. Wie der Lachs kehre sie an den Laichort zurück.

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Gemeinsamkeit

  • Lebensräume:

    Die Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände im Alpenraum ARGEFA betont: Nur intakte Fischlebensräume ermöglichen eine nachhaltige und traditionsbewusste Fischerei.

  • Naturnah:

    Daher müsse es im ureigensten Interesse der Fischerei liegen, die Wiederherstellung naturnaher Gewässer voranzubringen. Dabei gilt es, wo immer möglich selbst Hand anzulegen. „Spaß bei der Fischerei und Wiederherstellung funktionsfähiger Fischlebensräume gehören zusammen“, so Samuel Gründler vom Schweizer Fischereiverband.

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