MyMz
Anzeige

Firmen setzen auf Trumps Dompteure

In international tätigen Kelheimer Unternehmen hofft man, dass Berater, Volksvertreter und die Realität den Polterer bremsen.
Von Martina Hutzler

An den Börsen – im Bild: Frankfurt – gingen nach dem Sieg von Donald Trump die Kurse kurzzeitig auf Talfahrt. Was er langfristig für die Wirtschaft bedeutet, wagt noch kaum jemand zu prognostizieren.
An den Börsen – im Bild: Frankfurt – gingen nach dem Sieg von Donald Trump die Kurse kurzzeitig auf Talfahrt. Was er langfristig für die Wirtschaft bedeutet, wagt noch kaum jemand zu prognostizieren. Foto: dpa

Neustadt. Die USA sind auch für Firmen im Kreis Kelheim ein wichtiger Absatzmarkt. Kein Wunder, dass in den Chefetagen Wahlkampf und -ergebnis aufmerksam, teils auch besorgt verfolgt wurden. Wir haben bei drei Unternehmen nachgefragt, was sie von der Wahl von Donald Trump halten. Tenor ist das Prinzip Hoffnung, sprich: das Motto „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“.

Martin Hess, Intertec-Hess GmbH

Auch ein US-Präsident, der ja gerne als mächtigster Mensch der Welt bezeichnet wird, kann nicht schalten und walten, wie er will, sondern wird zum Beispiel von Senat und Repräsentantenhaus kontrolliert. Das gibt Martin Hess zu bedenken, Geschäftsführer der Neustädter Intertec-Hess GmbH, die unter anderem auch in den USA eine Niederlassung betreibt. „Man muss deshalb abwarten, wie viel von den markigen Wahlkampf-Sprüchen von Herrn Trump tatsächlich umgesetzt werden“. Für sein Unternehmen, das weltweit seine Hightech-Schutzgehäuse für Mess- und Regeltechnik vertreibt, erwartet Hess keine sofortigen Auswirkungen der Wahl. Ob sich langfristig etwas ändert, sei derzeit einfach noch nicht abschätzbar.

„Der amerikanische Protektionismus ist unter Obama eh schon fast am Anschlag.“

Martin Hess, Intertec-Hess

Dass Trump die USA wirtschaftlich noch viel stärker abschotten kann, ohne gegen internationale Abkommen zu verstoßen, mag der Neustädter Ingenieur nicht glauben – „der amerikanische Protektionismus ist unter Obama eh schon fast am Anschlag“: Der Noch-Präsident habe die Handelsbeschränkungen via Zollbestimmungen und Grenzen deutlich verschärft im Vergleich zu seinen Vorgängern, beobachtet Hess, nicht zuletzt aus dem Blickwinkel seiner Unternehmensniederlassung Kanada. Das US-EU-Freihandelsabkommen TTIP zu realisieren, werde nach dieser Wahl aber sicher noch schwieriger.

Stephan Butz, Schneider Weisse

Abwarten und – nein: nicht Tee, sondern dann schon lieber ein Bier trinken; mit diesem Motto hält man es auch bei Schneider Weisse. Weißbier aus Kelheim geht zu 20 bis 30 Prozent in den Export, freilich vorrangig nach Österreich und in die Schweiz, berichtet Unternehmenssprecher Stephan Butz: Nur rund fünf Prozent vom exportierten Hopfensaft werden in den USA getrunken. Er erwartet daher keine unmittelbaren Wahl-Folgen für Schneider Weisse.

„Hinter Trump stehen ja noch viele andere und reden mit.“

Stephan Butz, Schneider Weisse

„Hinter Trump stehen ja noch viele andere und reden mit. Im Wahlkampf hat er schon laut schreien müssen, um Beachtung zu finden“ – aber eins zu eins umsetzen könne er deshalb seine markigen Sprüche, etwa zur Wirtschaftspolitik, sicher nicht. „Ich glaube deshalb nicht, dass sich für die Exportchancen unseres Lebensmittels gleich etwas ändern wird.“ Ans Freihandelsabkommen TTIP freilich glaubt Butz nicht mehr recht – „aber das war ja in hierzulande auch nicht unumstritten.“

Helmut Pirthauer, Heidrive GmbH

Nicht viele US-Kunden hat die Kelheimer Firma Heidrive GmbH – dafür aber sitzt mit Allied Motion Technologies Inc. der Eigentümer des Kelheimer Antriebstechnik-Spezialisten im US-Bundesstaat New York. Entsprechend reist Heidrive-Geschäftsführer Helmut Pirthauer des Öfteren nach Amerika – auch wenn die US-Mutter ihren heuer im Januar erworbenen Kelheimer Firmenneuzugang autonom agieren lässt, ergänzt Pirthauer.

Für ihn waren die Geschäftsreisen in die USA so aufschlussreich auch in Bezug auf Land und Leute, dass er auf den Trump-Sieg gewettet und also gewonnen hat. Nach Pirthauers Überzeugung hat die große Mehrheit der Trump-Wähler nicht für die Person dieses Polterers mit den oft beleidigenden, abwertenden und rassistischen Sprüchen gestimmt. „Das finden viele Wähler genauso schlimm wie wir hierzulande. Aber die Unzufriedenheit und der Wunsch nach Aufbruch, Bewegung waren so groß, dass völlig egal war, was er gesagt hat: Hauptsache, endlich Veränderung; etwas anderes als wieder nur Verwalten und Bewahren“, so beurteilt Pirthauer die Motivation der Trump-Wähler, gerade aus der Mittelschicht. Und ergänzt, das sollte durchaus auch deutschen und europäischen Politikern zu denken geben.

„Trumps Beleidigungen finden viele Wähler genauso schlimm wie wir hierzulande. Aber die Unzufriedenheit und der Wunsch nach Aufbruch, Bewegung waren so groß, dass völlig egal war, was er gesagt hat.“

Helmut Pirthauer, Heidrive

Mit dem Wahlausgang mag Helmut Pirthauer nicht hadern: „Gut find’ ich ihn nicht – nicht für die USA und nicht für die Welt. Aber ändern kann man das Ergebnis eh nicht. Und ich sehe auch nicht allzu schwarz“ – er vertraut darauf, dass auch ein Donald Trump nicht an Verträgen, Handelsabkommen und wirtschaftspolitischen Realitäten vorbeikommt. Denn: „Auch die USA haben was zu verlieren!“

Heidrive selbst, ergänzt der Geschäftsführer, habe sowohl seinen Wareneinkauf wie auch den Verkauf seiner Produkte – Motoren, Getriebe und elektronische Regelungen, „vom Hendlgrill bis zur komplexen Robotik“ – auf Europa ausgerichtet. Die Heidrive- Kunden agieren zwar schon international, also auch in den USA. Aber ein stärkeres Abschotten der US-Wirtschaft wäre „für uns wenig folgenreich“, sagt Pirthauer. Außerdem seien Know-how und Technologie made in Germany in den USA „positiv bewertet und benötigt“.

Alle Berichte rund um die US-Wahl lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht