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Profis machen Leidenschaft zum Beruf

Bisher haben wir bei „Die Retter“ Ehrenamtliche vorgestellt. In dieser Folge dreht sich alles um den Beruf Werkfeuerwehrmann.
Von Heiner Stöcker

  • Auf dem Trainingsgelände können die Feuerwehrleute viele Szenarien simulieren. Hier zum Beispiel das Löschen mit Schaum. Fotos: Stöcker
  • Das Abzeichen der Wehr mit stilisierten Elementen der Raffinerie vor einer aufgehenden Sonne. Foto: Stöcker

Neustadt.„Wir wollen keine Rambos“, sagt Armin Kappen. Er ist Kommandant der Werkfeuerwehr der Bayernoil-Standorte in Neustadt und Vohburg. Um die 100 Bewerbungen hatte er vergangenes Jahr auf dem Schreibtisch. Alle wollten bei ihm den Beruf Werkfeuerwehrmann/-Frau lernen. Geschafft haben es am Ende zwei Kandidaten. „Denn es geht nicht nur um Fitness. Die Kandidaten müssen auch was im Kopf haben. Das macht unsere Suche so schwierig.“

Kappen feiert im kommenden Jahr seine 25-jährige Betriebszugehörigkeit bei der Bayernoil. Seine Berufsausbildung als Feuerwehrmann hat er nach der Bundeswehr in München absolviert, hat bei der heutigen Firma Airbus in Manching gearbeitet, und musste, als dessen Zukunft ungewiss war, eine Entscheidung treffen: „Damals hat Ingolstadt eine Berufsfeuerwehr gegründet. Gleichzeitig hatte die heutige Bayernoil inseriert. Naja, man ist jung, man schaut, dass der Tarif einigermaßen passt.“ Das habe den Ausschlag gegeben. „Aber ich habe das nie bereut.“

Stellvertretender Kommandant Peter Drauschke gibt bei einer Übung auf dem Trainingsgelände Anweisungen.
Stellvertretender Kommandant Peter Drauschke gibt bei einer Übung auf dem Trainingsgelände Anweisungen. Foto: Stöcker

Und sein neuer Arbeitgeber brachte ihm viel Vertrauen entgegen. Kappen arbeitete sich vom einfachen Feuerwehrmann hoch. Und er musste mit 30 noch mal richtig büffeln. Mit 15, 16 Jahren ging er mit Qualifiziertem Hauptschulabschluss von der Schule ab. Jetzt holte er Mittlere Reife sowie Fachabitur nach und legte die Prüfung zum gehobenen Dienst ab. Dann zwei Jahre Brandinspektoren-Laufbahn. „So ab 30 Jahren bin ich nur noch auf der Schule gewesen. Die Bayernoil ist da ein toller Arbeitgeber gewesen. Einen Mitarbeiter einfach so zwei Jahre auf eine Schule wegschicken – das ist natürlich ein Kostenfaktor und ein gewaltiges Vertrauen, das die in einen setzen.“

Neue Ausbildungswege

Heute haben Jugendliche es leichter. Sie können den Beruf Werkfeuerwehrmann lernen. Und der Job ist reizvoll.

Als Berufsfeuerwehrler in München sei Kappen täglich 14 mal ausgerückt. Das sei bei der Werkfeuerwehr anders. Dafür übernehmen die Mitarbeiter andere Pflichten – sie prüfen und warten zum Beispiel die Gasmessgeräte im Werk oder die 2500 Feuerlöscher und Brandmeldeanlagen im Betrieb. „Das kann man eine Firma machen lassen – aber da reden wir von Wartungsverträgen, die Unsummen verschlingen“, sagt Kappen.

Hinzu kommt, dass die Werkfeuerwehr top ausgestattet ist. Spezial-Tanklöschfahrzeuge zum Beispiel, die sich von zwei Mann oder alleine bedienen lassen, aber ein vielfaches der Wurfmengen an Wasser und Schaum bringen, als jedes TLF einer Freiwilligen Feuerwehr. „Wenn wir eine Freiwillige Feuerwehr zu Besuch haben, bekommen die Mitglieder schon mal feuchte Augen, was unsere Gerätschaften, Wurfweiten und Wassermengen angeht.“ Und an den Dank nach der Führung schließe sich dann regelmäßig der Wunschzettel der Feuerwehrler an.

Menschen und Maschinen

  • Personal:

    Die Werkfeuerwehr beschäftigt an ihren Standorten Neustadt und Vohburg 50 hauptberufliche Mitarbeiter, die sich wie folgt aufteilen: Führungsgruppe mit Leiter, stellv. Leiter und Wachleiter im Tagdienst; 40 Mann im 24 Stunden-Dienst; 4 Mann für Sonderaufgaben im Feuerwehrdienst abgestellt.

  • Hytranssystem:

    Das Hytranssystem zur Wasserförderung ist ein Wechsellader-System: Der Behälter mit der Tauch-Pumpe wird an der Entnahmestelle abgesetzt, fördert 1000 bis 8000 Liter Wasser pro Minute und schafft eine Förderstrecke von bis zu sechs Kilometern ohne Verstärkung. Das Auslegen der 6-Zoll-Schläuche erfolgt direkt vom Lkw mit einer maximalen Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern.

  • Mobile Schaumwasserwerfer:

    Die Feuerwehr hat mehrere Schaumwasserwerfer im Einsatz mit Leistungen von 2400 bis 6000 Litern pro Minute und zwei Six Gun-Monitore mit einer Leistung von 22 500 Litern pro Minute bei 7 Bar.

  • Sonderlöschzug Schaummittel:

    Sonderlöschzug Schaummittel besteht aus Schaumlöschfahrzeug mit 10 000 Litern Schaummittel und Schaummittelanhänger mit 16 500 Litern Schaummittel. Er verfügt über eine eingebaute Schaummittelpumpe 1080 Liter/Min. Diese Versorgungseinheit ist im Innenministerium gemeldet und kommt landesweit zum Einsatz.

  • Übersicht

    Eine pdf-Datei mit allen Fahrzeugen der Werkfeuerwehr gibt es hier .

Das Üben auf dem werkseigenen Trainingsgelände ist ein Abenteuer für jeden Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau. Auf dem Areal finden sich unter anderem Brandcontainer, in denen Innenangriffe simuliert werden können, ein Gerüst für Höhenrettung, Schrottautos zum Nachstellen von Szenarien und sogar ein ausrangierter und modifizierter Eisenbahn-Kesselwagen. „Da trainieren wir verschiedene Leckagen und den Umgang mit diversen Gefahrgut-Stoffen“, sagt Kappen. Herzstück ist aber der Aufbau aus Rohren, Ventilen und Druckbehältern in der Mitte der Anlage. „Da können wir Jet-Fire simulieren.“ Jet-Fire – das ist der Austritt einer brennbaren Flüssigkeit unter 12 Bar Druck, die sich an der Luft entzündet. Das Ergebnis sind meterhohe Flammenlanzen und eine Feuerwand, gegen die die Feuerwehrleute vorrücken.

Mit Schaum gehen die Feuerwehrleute im Zangenangriff gegen die Flammenlanze vor.
Mit Schaum gehen die Feuerwehrleute im Zangenangriff gegen die Flammenlanze vor. Foto: Stöcker

Zwei Rohre links und rechts auf Sprühstrahl. In der Mitte der Gruppenführer. Wie beim Gartenschlauch bilden die Strahlrohre zwei überlappende Wasserschirme, die die Feuerwehrleute vor sich hertragen und die Flammen so zurück drängen. Ziel ist, dass der Gruppenführer an den Schieber kommt, den schließt und den Flammen so die Nahrung nimmt.

Aber die Werkfeuerwehr kapselt sich nicht ab. Zum einen kann sie genauso, wie jede andere Feuerwehr im Landkreis, über die Integrierte Leitstelle Landshut alarmiert werden und rückt aus. Zum anderen kommen einmal im Jahr vier Feuerwehren von „Draußen“ auf das Areal und üben einen kompletten Tag bei der Bayernoil. Der letzte Tag im September war ein großer Erfolg. Vier Lagen mit Höhenrettung, Technischer Hilfeleistung – eingeklemmte Person unter Gabelstapler – und Großübung mit Verpuffung, Person im Brandcontainer unter Einsatz aller beteiligten Wehren. „Unser Planer hat da immer ganz schön zu tun. Aber das macht Spaß und hinterher gibt’s dann immer ein gemeinsames Essen und der Kreisbrandrat Nikolaus Höfler sagt was. „Mir macht so ein Tag Spaß ohne Ende“, lacht Kappen. Außerdem kommen natürlich regelmäßig Gruppen für Führungen vorbei.

Redakteur Heiner Stöcker war zu Gast bei der Werkfeuerwehr der Bayernoil in Neustadt. Kommandant Armin Kappen nahm sich Zeit, führte ihn durchs Gebäude und gab jede Menge Infos über das Leben als Berufsfeuerwehrmann.

Grundvoraussetzungen

Jeder Mitarbeiter der Werkfeuerwehr hat die Berufs-Feuerwehrausbildung. Da gibt es in Bayern als eines der wenigen Bundesländer in Deutschland drei Möglichkeiten: „Entweder wir haben unsere Leute bei einer Berufsfeuerwehr im ganz normalen Grundlehrgang ausgebildet. Oder es gibt die Möglichkeit, des selben Lehrgangs mit dem Abschluss IHK – das heißt dann Brandschutz-Fachkraft und ist gleichgestellt mit der Berufsfeuerwehr-Ausbildung.“ Bei der dritten Möglichkeit glänzen Kappens Augen. Denn seit drei Jahren ist die Bayernoil die Firma, die mit dem Flughafen München und Audi, in Kooperation mit dem Bayerischen Kultusministerium und der Industrie- und Handelskammer den Lehrberuf Werkfeuerwehrmann in Bayern ins Laufen gebracht hat. Ein Projekt, das inklusive Planung seit fünf Jahren Kommandant Kappen und sein Team beschäftigt.

„Seit drei Jahren haben wir jetzt Azubis – die ersten beiden werden jetzt im Juli fertig.“ Und es war ein Kampf, versichert Kappen. Eine ganze Reihe Berufsschulen hatte sich zunächst gemeldet, dass sie den Ausbildungsweg anbieten wollen. „Als wir denen dann gesagt haben, was wir für Anforderungen stellen, haben sie sich zurück gezogen. Alle bis auf Freising.“

Die schulische Voraussetzung für die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann/-Frau bei Bayernoil ist der Qualifizierende Hauptschulabschluss, ein mittlerer Schulabschluss an Hauptschulen (MAHS) oder an Realschulen (MARS). „Der Bewerber muss Spaß an der Arbeit im Team haben. und die Bereitschaft zum 24-Stunden-Dienst setzen wir voraus.“

Nach der Übung – beziehungsweise dem Löschschaum-Schaumbad.
Nach der Übung – beziehungsweise dem Löschschaum-Schaumbad. Foto: Stöcker

Während der ersten 18 Monate findet eine handwerkliche Kompaktausbildung statt. Die beinhaltet zum Beispiel Holz und Metallkunde, technisches Zeichnen, Werkzeuge und Betriebsmittel sowie Elektro- und Sanitärtechnik. „Das ist für einen jungen, feuerwehrbegeisterten Menschen erstmal eine lange Durststrecke. Aber danach folgen weitere 18 Monate mit spezifischen Inhalten.“ Das theoretische Rüstzeug erhalten die Azubis in der Berufsschule Freising, die praktische Ausbildung bei den Werkfeuerwehren der Bayernoil, der Audi Ingolstadt, des Flughafens München und der Berufsfeuerwehr München.

Die Abschlussprüfung ist in zwei Teile gegliedert. Teil I geht mit 30 Prozent und die Abschlussprüfung Teil II mit 70 Prozent in die Endnote ein. Zusätzlich werden noch der Führerschein der Klasse CE, die Prüfung zum Rettungssanitäter, das Sportabzeichen und den Rettungsschwimmer absolviert.

Bewerbungsschluss für das Ausbildungsjahr ist der 15. November. Kontakt: Leiter betriebliche Ausbildung Gerhard Mosauer, gerhard.mosauer@bayernoil.de, Telefon (0 84 57) 8 26 84.

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