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Gesellschaft

Second-Hand-Laden gibt in Neustadt auf

Mit ihrem Laden in Neustadt wollte Johanna Werner-Muggendorfer Familien mit Kindern erreichen. Doch die kaufen anderswo.
Von Jochen Dannenberg

Johanna Werner-Muggendorfer in ihrem Gebrauchtwarenladen in Neustadt: Am Monatsende ist Schluss. Foto: Dannenberg
Johanna Werner-Muggendorfer in ihrem Gebrauchtwarenladen in Neustadt: Am Monatsende ist Schluss. Foto: Dannenberg

Neustadt.Johanna Werner-Muggendorfer, langjährige Landtagsabgeordnete der SPD aus Neustadt, wollte etwas Gutes tun. Nach fast drei Jahrzehnten als Mitglied des Bayerischen Landtages wollte sie in ihrer Heimatstadt einen Second-Hand-Laden für Kleidung betreiben. Den hatte sie vor allem als Hilfe für Familien mit Kindern gedacht. Doch jetzt macht sie den Laden dicht.

Die Ankündigung des Aus für das kleine Geschäft in der Herzog-Ludwig-Straße kam überraschend. „Diesen Monat ist der Laden noch geöffnet. Dann ist Schluss“, teilte die ehemalige Landtagsabgeordnete der Mittelbayerischen Zeitung mit. Letzter Öffnungstag soll der 28. März sein.

„Mir tut es furchtbar leid um das Projekt“, sagt Johanna Werner-Muggendorfer. „Auch weil es ein schöner Treffpunkt in der Altstadt war.“ Genau darum ging es der Sozialdemokratin – der kleine Laden sollte immer mehr als ein Geschäft für gebrauchte Kleidung sein. Er sollte auch Menschen zusammen bringen. Johanna Werner-Muggendorfer wollte nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag weiter an der Gesellschaft mitgestalten, sie wollte sich einbringen. Dabei ging es ihr nicht um Theorie und endlose Diskussionen, sondern um bodenständige Arbeit – mit den Leuten reden, zupacken.

Zeiten haben sich geändert

Letzteres ist gelungen, sagt sie. Doch der Laden selbst war nicht der Erfolg. Er lief anders als geplant, räumt Johanna Werner-Muggendorfer ein. Sie hatte gedacht, vor allem junge Familien mit Kindern würden sich über das Angebot freuen. Tatsächlich kam vor allem eine sehr erwachsene Kundschaft, deren Kinder längst aus dem Haus waren.

Der Laden

  • Eröffnung:

    Die frühere Neustädter SPD-Landtagsabgeordnete eröffnete im März 2018 einen Gebrauchtwarenladen im Attenberger-Anwesen in der Herzog-Ludwig-Straße in Neustadt.

  • Ziel:

    Mit dem Laden wollte sie insbesondere jungen Familien mit Kindern eine günstige Einkaufsmöglichkeit verschaffen. Statt Kinderkleidung wurde vor allem Kleidung für Erwachsene verkauft. (jd)

Diese ältere Klientel repräsentierte auch eine andere Generation. Sie stammt aus einer Zeit, als Second Hand noch ein Hit in Neustadt war. „Wir hatten in den siebziger Jahren den Gebrauchtwarenladen der ’Neustädter Eltern‘“, erinnert die vormalige Abgeordnete. „Der war für viele junge Familien sehr wichtig.“ Aber, musste Werner-Muggendorfer erkennen, die siebziger Jahre sind längst vorbei. Man kann nicht nahtlos an jene Zeit anknüpfen. In den kleinen Laden an der Herzog-Ludwig-Straße kamen zwar die Eltern jener Jahre, aber nicht deren Kinder, um für die Enkel einzukaufen. So beobachtete Johanna Werner-Muggendorfer: „Es wurde mehr Kleidung für Erwachsene als für Kinder verkauft.“

Niedrige Preise beim Discounter

Das, lernte die spätberufene Nachwuchsunternehmerin, hat auch mit einem veränderten Markt zu tun. „Kleidungsstücke, die es bei im Laden für vielleicht ein oder zwei Euro gibt, kann man bei Ketten wie ’Kik‘ nagelneu schon für drei Euro kaufen“, sagt sie. „Das ist die Krux. Die Niedrigpreise der Ketten sind der Tod für kleine Second-Hand-Geschäfte.“ Früher hatte es derartige Kleidungsdiscounter nicht gegeben, Kleidung war teuerer als heute.

Das schlug sich auch in den Kosten des kleinen Ladens in der Herzog-Ludwig-Straße nieder. Die Unkosten, die er verursachte, wurden nicht erwirtschaftet. „An so ’nem Kleidungsstück ist vielleicht ein Fuffzgerl oder ein Euro verdient. Mehr nicht“, erklärt die Neustädterin.

Einmal pro Woche geöffnet

Deshalb hatte sie auch überlegt, die Öffnungszeiten ihres Geschäftes zu verlängern. Statt einmal pro Woche an einem Nachmittag wollte sie öfter die Ladentür aufsperren. Doch diese Idee hat Johanna Werner-Muggendorfer wieder verworfen. „Ich glaube nicht, dass sich der Umsatz durch längere Öffnungszeiten deutlich erhöhen würde“, sagt sie. Unter Umständen würde sich die Kundschaft nur anders verteilen – das hat sich auch in anderen Geschäftsbereichen gezeigt.

„Der Laden wird halt nicht so angenommen, wie ich gedacht habe“, stellt Werner-Muggendorfer fest. Es ist keine Bitterkeit in ihrer Stimme, als sie das sagt. Da gibt es in diesen Zeiten noch mehr, was sie beschäftigt – zum Beispiel der Zustand der SPD. Außerdem hatte Johanna Werner-Muggendorfer gehofft, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Neustadt, deren Vorsitzende sie ist, zu größerer Bekanntheit verhelfen zu können. „Die AWO kümmert sich in Neustadt beispielsweise auch um die Mittags- und Nachmittagsbetreuung an den Schulen. Dazu kam dann der Second-Hand-Laden.“ Ist die frühere Abgeordnete damit gescheitert? Sie lacht. „Nein, da gibt‘s Schlimmeres.“

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