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Bilanz

Viele Einsätze – weniger Helfer

Die Zahl der aktiven Feuerwehrler im Kreis sinkt leicht. Der Kreisbrandrat will mit verstärkter Jugendarbeit gegensteuern.
Von Wolfgang Abeltshauser

Wehrmänner bereiten Weltenburg auf Hochwasser vor. Auch in den vergangene Monaten war das nötig. Foto Hutzler
Wehrmänner bereiten Weltenburg auf Hochwasser vor. Auch in den vergangene Monaten war das nötig. Foto Hutzler

Neustadt.Stell Dir vor, es brennt – und niemand kommt. Das ist ein bekannter Satz aus diversen Werbungen für den Dienst bei der Feuerwehr. Diese Situation droht im Landkreis noch nicht. Aber die Aktiven-Zahlen geben Anlass zur Sorge. Zumal die Arbeit für die Floriansjünger nicht einfacher wird. Das schilderet Kreisbrandrat Nikolaus Höfler am Sonntag, bei der Dienstversammlung der Feuerwehrkommandanten des Landkreises, im Convention-Center Bad Gögging.

Die Zahl der Einsätze hat demnach 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. Sie stieg von 2294 auf 3113 – und das über alle Bereiche hinweg. Die Zahl der Aktiven ist dagegen zurückgegangen – wenn auch nur leicht um 19. Allerdings gibt es zudem weniger junge Feuerwehranwärter als noch vor zwölf Monaten. „Im Gesamten betrachtet, ist die Personalstärke unserer Wehren recht stabil“, stellte Höfler fest. Es sei jedoch unglaublich wichtig, junge Menschen – und auch Quereinsteiger – für die Floriansjünger zu begeistern.

Weitere Kinder-FFWs angeregt

„Kinder sind unsere Zukunft“, sagte der Kreisbrandrat – und lobte die noch vergleichsweise junge Einrichtung der Kinderfeuerwehr. Es freue ihn, dass in Rohr und Kelheim schon solche Kinder-Gruppen gegründet wurden. Ihm sei klar, dass die Betreuung weiteren ehrenamtlichen Einsatz verlange. Aber gerade für die Feuerwehr habe die Jugendarbeit einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb animierte Höfler die Ortswehren, noch weitere Kindergruppen aufzubauen. Auch Landrat Martin Neumeyer hob hervor, dass es wichtig sei, Kindern spielerisch näherzubringen, was helfen bedeutet.

Engagement

Start für die Kinderfeuerwehr in Kelheim

Ab jetzt lernen schon die Sechsjährigen, wie sie einen Brand löschen. Die FFW Kelheim macht dies möglich.

Höfler sieht außerdem in der Brandschutzerziehung nicht nur einen Weg, Kindern beizubringen, was im Notfall zu tun ist. Es gehe auch da um Mitgliederwerbung. Deshalb sei es gut, dass im Landkreis gerade an einem Konzept dafür gearbeitet werde.

Höfler lobte den Kreis-Jugendfeuerwehrtag, der 2018 in Sandelzhausen stattfand. Er freue sich, dass mit Abensberg für dieses Jahr und mit Mühlhausen für 2020 bereits die nächsten Ausrichter gefunden sind.

Außergewöhnliche Einsätze

Neustadts Vize-Bürgermeister Bernhard Rieger erinnerte an das Pfingsthochwasser vor 20 Jahren. Und dankte noch einmal den Wehren für ihren damaligen Einsatz. Auch in der jüngeren Vergangenheit habe es außergewöhnliche Einsätze gegeben. Landrat Neumeyer nannte die Starkregen-Ereignisse, die Großbrände bei Bayernoil und Kelheim Fibres sowie die starken Schnellfälle vor wenigen Wochen.

Zuarbeit für Leitstellen

Dies fordert nach den Worten des Kreisbrandrats nicht nur die Kräfte an den Einsatzorten. Auch die Integrierten Leitstellen kommen bei solchen Gefahrenlagen schnell an ihre Grenzen, wie die Erfahrung zeige. Dort laufen in solchen Situationen viele Anrufe auf. Dadurch bestand früher die Gefahr, dass zum Beispiel ein Notruf wegen eines Herzstillstandes in die Warteschleife rutschte – weil es zu viele Anrufe wegen vollgelaufener Keller gab. Dem sei jetzt begegnet: Mittlerweile gebe es zusätzliches Personal und weitere Abfrageplätze für große Schadenslagen.

Die Technik ist top

Auch die Technik stimmt: Zufrieden blickt der Kreisbrandrat auf die fünf neuen Drehleitern, die im Landkreis 2018 in Dienst gestellt wurden: Die Wehren in Bad Abbach, Langquaid, Mainburg und Neustadt verfügen über neue Drehleitern. Das stelle einen enormen Sicherheitsgewinn dar Höfler sprach von modernster Ausstattung. Der Rettungskorb sei ausgelegt für eine Last von 500 Kilogramm. Er könne aber auch abmontiert werden – um ihn durch eine Schwerlasttrage, eine Rollstuhlhalterung oder eine Schuttmulde zu ersetzen.

Abensberg besitzt ferner jetzt ein neues Hub-Rettungsfahrzeug. Durch eine Zusammenarbeit der Kommunen bei der Bestellung konnte zudem ein höherer Zuschuss durch den Freistaat erreicht werden. Landrat Neumeyer steuerte bei, dass auch ein neuer Gerätewagen für Gefahrgut kommt, der in Kelheim stationiert wird.

Weitere Themen aus der Dienstversammlung

  • Funk:

    Der Digitalfunk war ein weiteres Thema von Höfler. Er gehe davon aus, dass die digitalte Alarmierung frühestens in zwölf Monaten eingeführt werde. Denn sowohl Netze als auch Leitstellen müssten ertüchtigt werden.

  • Lernen:

    Positiv sei die neu eingeführte sogenannte Lernbar. Über die Internetseite der Feuerwehr Würzburg sei diese frei zugänglich. Das Portal biete verschiedenste Lehr- und Lernmittel. Es gebe Merkblätter und Videos.

  • Erholung:

    Der Kreisbrandrat animierte seine Kameraden, die Möglichkeiten des Feuerwehrerholungsheimes in Bayerisch Gmain zu nutzen. Dieses günstige Urlaubsziel sei noch zu wenig bekannt. (wo)

Kritisch betrachtet Höfler die Situation an den Feuerwehrschulen. Dort können nach wie vor nicht die Zahl an Lehrgängen organisiert werden, die eigentlich nötig wäre. Es werde zwar bei Personal und Infrastruktur nachgebessert. All das benötige aber Zeit. Die Wehren im Landkreis bräuchten vor allem weitere Ausbildungsplätze für die Drehleiter-Bedienung.

Eigener Lehrgang geplant

Deshalb werde man hier in diesem Jahr einen eigenen Lehrgang mit externen Ausbildern im Kreis auf die Beine stellen, kündigte er an. Das sei aber leider nicht in allen Bereichen zu leisten. Die Bedeutung der Ausbildung hob auch der Landrat in seiner Ansprache vor den Feuerwehr-Führungskräften deutlich hervor.

Einen Bericht über zahlreiche Ehrungen des Kreisfeuerwehrverbandes finden sie hier: Es gab jede Menge Ehrenzeichen

Weitere Berichte über den Landkreis finden Sie hier.

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