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Energie

Nicht jeder Ort bekommt ein Erdkabel

Zum Neubau der Juraleitung in der Region Kelheim/Neumarkt gibt es Fragen: Wer bekommt das Erdkabel? Was kostet es zusätzlich?
Von Jochen Dannenberg

Hochspannungsleitung
Hochspannungsleitung "Juraleitung" im Raum Abensberg: Im Raum Abensberg ist die Wohnbebauung an die Hochspannungsleitung "Juraleitung" herangewachsen. Foto: Neumaier

Kelheim.Der Ersatzneubau für die „Juraleitung“, eine 380 Kilovolt-Wechselstromleitung, beschäftigt die Bürger. Befürchtet werden neue und höhere Strommasten auf der 160 Kilometer langen Strecke zwischen Ludersheim bei Nürnberg und Altheim bei Landshut. Viele Bürger freuten sich deshalb schon, als Kreisrat Peter-Michael Schmalz unlängst verkündete, die „Juraleitung“ könnte als Erdkabel verlegt werden. Bürgermeister, Kreis- und Stadträte aus den Landkreisen Neumarkt und Kelheim, durch die große Teile der Leitung laufen, waren jedoch durch die Nachricht verunsichert.

Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch stellte zu Beginn einer Info-Veranstaltung an diesem Montag in Riedenburg fest, zu der zwei Dutzend Lokalpolitiker aus den Landkreisen Kelheim und Neumarkt gekommen waren: „Die Bevölkerung ist verunsichert.“ Andreas Rumpel, Bürgermeister von Rohr, meinte: „Wir brauchen eine amtliche Mitteilung.“

Wichtig für die Energiewende

Thomas Bareiß, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, klärte die Kommunalpolitiker in der Versammlung auf. Bareiß wies auf die Notwendigkeit des Ersatzneubaus hin. Er betonte, die bestehende 80 Jahre alte Leitung werde nicht mehr den Ansprüchen gerecht, die sich mit der Energiewende und den Ansprüchen von Industrie und Bürgern verbinden würden. „Wenn das Kraftwerk Isar 2 in zwei Jahren abgeschaltet wird, müssen neue Kapazitäten aufgebaut werden und dass der Strom herkommt in die Region. Deswegen brauchen wir Leitungen“, erklärte er. Die „Juraleitung“ solle deshalb dazu beitragen, dass Strom nach Bayern komme.

„Juraleitung“

  • Beginn:

  • Die Juraleitung ist eine rund 160 Kilometer lange, bereits seit den 1940er Jahren bestehende Stromleitung. Sie verläuft von Raitersaich im Landkreis Fürth zunächst südlich im Großraum Nürnberg. Sie endet am Umspannwerk Altheim bei Landshut.

  • Sittling:

  • Ab dem Umspannwerk Ludersheim führt sie weiter in südöstlicher Richtung und damit weiterhin durch dicht besiedeltes Gebiet bis hin zum Umspannwerk Sittling. Beispielsweise in den Ortschaften Ezelsdorf und Postbauer-Heng ist die Wohnbebauung ebenfalls nah an die Bestandstrasse herangewachsen.

  • Abensberg:

  • Vom Umspannwerk in Sittling führt die Bestandsleitung über die Ortschaften Abensberg, Rottenburg a. d. Laaber und Essenbach nach Altheim im Landkreis Landshut.

  • Bebauung:

  • Zwischen Sittling und Altheim verläuft die Bestandsleitung durch die stark zersiedelte und hügelige niederbayerische Landschaft. Bislang ist der Abschnitt durch eine große Nähe zu Gehöften und Weilern geprägt.

Allerdings, sagte der Staatssekretär den Kommunalpolitikern auch, die auf Einladung der MdB Alois Karl und Florian Oßner in den Gasthof „Zur Post“ in Riedenburg gekommen waren, stehe noch nicht fest, welche Bereiche der „Juraleitung“ als Erdkabel, also ohne Strommasten, installiert werden können. Genau das wollten jedoch die anwesenden Lokalpolitiker, darunter auch Kelheims stellvertretender Landrat Wolfgang Gural, wissen. „Wer entscheidet, wo die Erdverkabelung kommt?“, fragte er den Fachmann aus Berlin. Der blieb am Ende die Antwort schuldig.

Erst Beschluss des Bundestages

Verantwortlich ist dafür das Verfahren, das vor dem Projektbeginn steht. Erst muss die „Juraleitung“ zum Pilotprojekt für Erdverkabelung im Rahmen des Bundesbedarfsplangesetzes erklärt werden. Dafür ist ein entsprechender Beschluss des Bundestages erforderlich. Dieser Beschluss könnte Anfang nächsten Jahres vorliegen, erklärte der Staatssekretär. Anschließend folgt das Raumordnungsverfahren, in dem bereits Empfehlungen für Erdverkabelungsstandorte aufgenommen werden können.

Umwelt

Keine neuen Strommasten im Landkreis

Die „Juraleitung“ im Landkreis Kelheim kommt unter die Erde. Die Kosten steigen allerdings um das sechs- bis achtfache.

Danach geht es - voraussichtlich 20120/21 - in das Planfeststellungsverfahren, in dem sich neben den Kommunen auch die Bürger äußern und ihrer Wünsche vorbringen können.

„Ab 2024/25 wird gebaut, 2028 ist die Leitung hoffentlich fertig“, stellte Bareiß fest.

Zwischen Eining und Sittling überqueren Stromleitungen die Donau. Foto: Dannenberg
Zwischen Eining und Sittling überqueren Stromleitungen die Donau. Foto: Dannenberg

Der Staatssekretär wies darauf hin, dass eine komplette Verlegung des Kabels in die Erde nicht möglich sei. Das sei nur bei Gleichstromleitungen möglich, nicht aber bei Wechselstromleitungen. Die Abschnitte, die bei der „Juraleitung“ als Erdkabel eingerichtet werden können, sind unterschiedlich lang. Sie reichen drei bis 20 Kilometern. Für die Übergangsstellen - vom Mast in die Erde (und umgekehrt) - sei jeweils eine Fläche in der Größe eines halben Fußballfeldes erforderlich. Bareiß geht weiter davon aus, dass die Erdverkabelung dort durchgeführt wird, „wo es sinnvoll ist“. Das könne zum Beispiel dort sein, wo bisher Leitungen auf Masten nah oder durch Wohngebiete führen.

Kosten werden umgelegt

Die Kosten für die Erdverkabelung werden voraussichtlich auf den Strompreis aufgeschlagen. Ob die Mehrkosten sechs- bis achtmal so hoch sein werden, wie ein Pressesprecher von Tennet, dem Unternehmen das die neue Leitung baut, vor einigen Monaten gegenüber der Mittelbayerischen gesagt wurde, bestätigte Bareiß nicht. „Es kostet Geld“, sagte er, „Vier-, fünf-, sechsmal mehr.“ Was sich viel anhört, in der Endabrechnung beim Bürger aber sich harmloser darstellt. „Das macht ein paar Zehntel Cent aus“, erklärte der Staatssekretär. Pro Kilowattstunde.

Hochspannungsleitung "Juraleitung" bei Abensberg Foto: Neumaier
Hochspannungsleitung "Juraleitung" bei Abensberg Foto: Neumaier

Einige Lokalpolitiker wollten schließlich noch wissen, welche Auswirkungen die Erdverkabelung auf die Natur haben könnte. Bareiß hielt eine gewisse Erderwärmung im direkten Umfeld der Leitung für möglich. Schäden durch Strahlungen erwartet er nicht. Allerdings, so Bareis weiter, müsse damit gerechnet werden, dass beim Bau der Erdverkabelung unter Umständen Forstflächen gerodet werden müssten.

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