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Olympics-Helden machen eine WG auf

Patrick Meier und Michael Eisenblätter sind trotz geistiger Behinderung erfolgreiche Sportfreaks – mit bald eigener Wohnung.
Von Martin Rutrecht

Painten.Wenn sie sich sehen, drücken und herzen sie sich. Über WhatsApp tauschen sie eifrig Nachrichten aus. Es ist eine tiefe Freundschaft, die zwei Jungs verbindet, deren Leben doch etwas anders verläuft als das Erwachsenwerden anderer junger Männer. Patrick Meier (21) aus Painten und Michael Eisenblätter (17) aus Dünzling bei Bad Abbach haben das Down-Syndrom. Ihre Entwicklung ist verzögert und doch sind sie vor allem eines: Sportskanonen. Bei den deutschen Special Olympics gewannen beide nun Medaillen, in nicht allzu ferner Zukunft werden sie in einem einzigartigen Wohnprojekt zusammen leben.

Gold und Bronze bei Winter-Games

Patrick Meier – der niederbayerische Behinderten-Sportler von 2009 – ist bereits ein alter Hase im Metier des Behindertensports. „Ich hab’ schon viele Medaillen und Pokale“, erzählt er. Seine Zimmerwände sind dekoriert mit Urkunden, das Regal, das ihm sein Opa schreinerte, ächzt unter der Last der Trophäen. „Das wird ein Spaß, wenn er das alles in seine neue WG in Regensburg mitnehmen möchte“, lächelt seine Mutter Angelika Meier. Erst im März kamen einige Auszeichnungen hinzu: Gold im Slalom bei den Nationalen Special Olympics-Winterspielen in Willingen, Silber und Bronze bei einem Schwimmfest in Nürnberg.

Die Olympics-Sportler aus der Region freuten sich mit ihren Betreuern über ihren Start.
Die Olympics-Sportler aus der Region freuten sich mit ihren Betreuern über ihren Start.

Stolz wie Oskar war auch Michael Eisenblätter über sein Bronze-Stück bei den Winter-Games. „Vielleicht gewinne ich mal Gold“, hofft der 17-Jährige. Dass er im Vorjahr krankheitsbedingt passen musste, hat ihn schwer enttäuscht. Umso größer ist nun die Freude für den Schüler am Staatlichen Berufsschulzentrum Regensburger Land. Vor sechs Jahren bestritt er seine ersten Special Olympics und in der Folge immer wieder gemeinsam mit seinem Freund Patrick.

Der Paintner ist mittlerweile der Schule entwachsen. Er arbeitet seit Herbst in den Regensburger Werkstätten der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung in Lappersdorf. „In der Schreinerei gefällt’s mir sehr gut“, sagt er. Mit großer Eigenverantwortung steht der 21-Jährige jeden Tag pünktlich um 5.45 Uhr auf und macht sich um halb sieben Uhr auf zum Bus, der ihn von Painten nach Lappersdorf bringt. Nach seinem Arbeitstag kommt er gegen 17 Uhr nach Hause. „Ich dachte zuerst, dass wird ein bisschen Bastelei, was die machen. Doch dort wird richtig an Werkstücken gearbeitet, mit Kontrolle der Ausführungen“, berichtet seine Mutter, die stolz darauf ist, dass Patrick immer selbstständiger wird.

„Ich bin ein Fan von FC Bayern und SSV Jahn.“

Michael Eisenblätter

Freilich, ohne Betreuung werden er und sein Kumpel Michael nie auskommen. In diesem Sinn ist auch das Wohnprojekt ausgerichtet, das gerade in Regensburg entsteht. In Einheiten für sechs Personen mit Einzelzimmern und Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsraum werden Menschen mit Behinderung dort ab Sommer leben. Gemeinsam mit Betreuern wird das Frühstück gerichtet und am Abend Essen gekocht. Einkauf gehen oder Wäsche machen gehören zu den Haushaltsaufgaben, die auch immer begleitet werden. Patrick wird einer der Ersten sein, die eine solche WG beziehen. Sein Freund Michael, der in Dünzling mit Eltern und seiner drei Jahre jüngeren Schwester Anna lebt, stößt im nächsten Jahr dazu.

Michael liebt das Rudergerät

„Es ist eine wunderbare Sache, dass sie dort unter Ihresgleichen leben können“, sagen die Mütter der beiden Jungs. Vor allem können sie dann auch gemeinsam ihre sportlichen Aktivitäten planen. Der 17-jährige Dünzlinger geht gerne ins Fitnessstudio, „besonders mag ich das Rudergerät“, und er läuft gerne. Wie Patrick schwimmt er auch und spielt mit ihm für das Fußball-Team Bananenflanke.

Patrick Meier wurde 2009 zum Behinderten-Sportler des Jahres in Niederbayern gewählt.
Patrick Meier wurde 2009 zum Behinderten-Sportler des Jahres in Niederbayern gewählt.

„Ich bin ein Fan des FC Bayern und vom SSV Jahn Regensburg, wo ich auch zum Zuschauen hingehe“, sagt Michael. Die beiden Burschen eint auch die Freude am Skifahren, Michael begann bereits mit sechs Jahren damit und hatte im SCSC Teugn stets Förderer, die ihm Skilehrer an die Seite stellten. „Der Skisport lässt ihn nicht mehr los“, schmunzelt seine Mama.

Für Patrick wäre die Teilnahme an Special Olympics und damit der Start unter 700 Athleten wie in diesem Winter nach dem Ende der Schule eigentlich vorbei gewesen. Doch die Werkstätten in Lappersdorf hängten sich rein, um den 21-Jährigen nach Willingen schicken zu können.

Patrick sucht schon Möbel aus

Erstmals überhaupt gelang es der Einrichtung durch die Zusammenarbeit mit der Bischof-Wittmann-Schule Schützlinge zu den Winterspielen zu entsenden. Der TSV Kareth-Lappersdorf richtete im Januar gar eine Trainingswoche für die Athleten am Arber aus. „Für ihn ist es natürlich eine super Sache, dass er weitermachen darf“, freut sich Angelika Meier. Die Specials Olympics bieten mit tollen Eröffnungs- und Abschlussfeiern bewegende Momente für Sportler, Betreuer und Zuschauer. Mit Kicken und Tischtennis nutzt Patrick auch Sportangebote der Werkstätten.

Glänzende Momente

  • Weltmeister-Ehrung:

    Den ersten sportlichen Erfolg feierte Patrick Meier als damals 13-Jähriger bei den Winter-Special Olympics 2009 in Inzell. Der Schüler der Bischof-Wittmann-Schule gewann die Bronzemedaille im Riesentorlauf. Wenige Tage davor war er im Slalom ausgeschieden und zerknirscht. Der Snowboard-Weltmeister Markus Ebner überreichte ihm das Bronzestück.

  • Sportler-Ehrung:

    Sein Strahlen nahm keine Ende, seine Mutter hatte Freudentränen in den Augen – nach seinem Erfolg wurde Patrick Meier zum „Behinderten-Sportler des Jahres 2009“ in Niederbayern gekürt. MZ-Leser hatten den Paintner an die Spitze von drei Kandidaten gewählt. Patricks Patin bei der Gala war die bekannte Paralympics-Athletin Anna Schaffelhuber.

Aktuell kümmert sich der Paintner schon mit Feuereifer um seine erste eigene Wohnung. „Ich suche Möbel aus“, erzählt er stolz. Ein Proberaum – Patrick spielt Schlagzeug – soll auch irgendwo Platz finden. Der 21-Jährige ist ein großer Musikfan und fährt am Samstag mit seiner Schwester zu einem Konzert von Christina Stürmer in Nürnberg. Er und Michael Eisenblätter haben wie andere junge Menschen ihre Leidenschaften und Träume.

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