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Panzerknacker machten „Boin“ unsicher

Ein buntes Treiben erfüllte Painten. Nach alter Tradition derbleckte der Koarl Graab wieder die Bürger der Marktgemeinde.
Von Philipp Froschhammer

  • Von der Bankangestellten zum Bankräuber: Die Damen aus der Sparkasse wechselten am Faschingsdienstag die Seiten. Foto: Froschhammer
  • Auch Araber waren unterwegs. Foto: Froschhammer
  • Bier gab’s beim Schneider-Wagen. Foto: Froschhammer
  • Die Engelchen verteilten Süßes. Foto: Froschhammer
  • Die KLJB Painten war „blau am Bau“. Foto: Froschhammer
  • Die jungen Polizisten vom Kindergarten St. Georg führten einen Tanz auf. Foto: Froschhammer

Painten.Minusgrade und Nebel sind in der Regel nicht die Witterungsbedingungen, die die Menschenmassen auf die Straßen treiben. Doch den Maschkerern aus Painten war das Wetter egal – schließlich ist Faschingsdienstag. So versammelten sich mehrere hundert Maskierte, um gemeinsam auf der Hemauer Straße in Richtung Marktplatz zu ziehen und dort einer riesen Party zu feiern. Insgesamt zehn Faschingswägen und ebenso viele Fußgruppen beteiligten sich am bunten Treiben in der Marktgemeinde. Getragen vom Schlachtruf „Auf Boin!“, der aus allen Ecken Paintens ertönte, bewegte sich der Zug in Richtung Zentrum. Angeführt wurde die fröhliche Gesellschaft von Christoph Weininger alias Nachtwächter Koarl Graab, der im Anschluss auf dem Marktplatz gemeinsam mit dem Niebler Nandl (Martha Stiegler) die Bürger derbleckte.

Von Beginn an eine gute Stimmung

Schon der erste Wagen sollte die Stimmung bei den Faschingsbegeisterten anheben. Die Maschkerer auf der Fahrradbar von Schneider Weisse schenkten Bier an das gut gelaunte Feiervolk aus. Und dann ging das bunte Treiben richtig los: Bauarbeiter, Engel, Mistkäfer, Spinnen, Teufel, Panzerknacker, Araber und vieles mehr – der Einfallsreichtum der Paintner kannte keine Grenzen. So waren die Kinder des Kindergartens Sankt Georg einheitlich als Polizisten verkleidet. Gnädig, wie die Kleinen sind, gewährten sie ihren Leiterinnen im Gefangenenkostüm einen Freigang für die Dauer des Umzugs. Mit regelmäßig gezündeten Konfetti-Krachern sorgte die Gruppe für die richtige Stimmung und ein buntes Ambiente. Unter dem Slogan „Blau am Bau“ präsentierten sich die Jungen und Mädchen der Katholischen Landjugendbewegung. Sie machten diesem Motto alle Ehre, da sie mit Becher in der Hand und einem Bollerwagen voll mit Bier durch die Straßen zogen.

Rund eine dreiviertel Stunde dauerte es, bis das fröhliche Treiben das Zentrum erreichte. Auf dem Marktplatz versammelten sich die Maschkerer, um der Ansprache vom Koarl Graab zu lauschen. Weininger, der wieder in die Rolle des Nachtwächters schlüpfte, feierte in diesem Jahr sein persönliches Jubiläum. „Zum 40. Mal bin ich in diesem Jahr dabei“, verkündete der schwarz gekleidete Weininger mit seiner authentischen Hellebarde, einer Nachtwächteraxt, in der Hand.

Die Feuerwehrler wurden derbleckt

Der Koarl Graab und das Nieber Nandl nahmen bei Rede jeden Paintner hart ran, der sich im vergangenen Jahr einen Fauxpas erlaubt hat. Allen voran die jungen Feuerwehrler wurden ordentlich derbleckt. Als sich eine Fledermaus in das Paintner Feuerwehrhaus verirrt hatte, hätte es der Nachwuchs der Floriansjünger nicht zustande gebracht, das Tier aus dem Gebäude zu jagen. So musste die alte Garde herhalten. „Den alten 2. Kommandanten – den Mane – ham‘s o‘grufa und der hat des Viech packt und der Freiheit wieder überlassen“, berichtet das Nieber Nandl. Doch wie dankt die Feuerwehrjugend ihrem Retter für diese heldenhafte Aktion: Als auf der Weihnachtsfeier keine Kerzen übrig sind, hätten sie den alten Feuerwehrlern Grablichter auf den Tisch gestellt. Als Kommentar hätten die Jungen dazu nur gemeint, dass sich die Alten schon einmal daran gewöhnen könnten, da sie sowieso die ersten sind, die solch eine Beleuchtung brauchen.

Mit diesem Hintergedanken haben die Floriansjünger auch ihren diesjährigen Faschingswagen gestaltet. Auf einer Bierbank mit Grablichtern saßen die Jungfeuerwehrler verkleidet als ihre älteren Kollegen. Gemeinsam sangen sie „Stille Nacht“ und „Oh du Fröhliche“ – ein Kontrast zu „Malle ist nur einmal im Jahr“, „Wir machen eine Polonaise“ und „Dicke Titten, Kartoffelsalat“, was aus den Lautsprechern der anderen Wägen ertönte.

Im Gegensatz zu den letzten Jahren kam beim Paintner Derblecken die Politik glimpflich davon. Der Grund war, dass der neue Bürgermeister Michael Raßhofer noch nichts verbockt hätte. Doch das Nieber Nandl entgegnete kritisch: „Wia soll er sich na woas zu Schulden kumma lassen, wenn er bis jetzt no nix z‘rissn hoad?“

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