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Geschichte

Einst brauten 14 Betriebe in Riedenburg

Im Juni findet in der Dreiburgenstadt ein Bierfest statt. Auch eine Ausstellung zu Brauereien und Wirtshäusern ist geboten.
Von Petra Kolbinger

Braun- und Weizenbierbrauerei und Gasthof „Zu den drei Rosen“ (l.) am Marktplatz um 1895, heute erinnert noch ein Schild an das einstige Traditionshaus.
Braun- und Weizenbierbrauerei und Gasthof „Zu den drei Rosen“ (l.) am Marktplatz um 1895, heute erinnert noch ein Schild an das einstige Traditionshaus. Fotos: Maximilian Halbritter „Alte Häuser in Riedenburg“

Riedenburg.500 Jahre Reinheitsgebot - das ist auch in der Dreiburgenstadt ein guter Grund zu feiern. Und so werden beim großen Bierfest am 4. und 5. Juni 2016 der Gerstensaft und die Braustätten heutiger und früherer Zeiten im Mittelpunkt des Interesses stehen. Die Besucher dürfen sich auf eine sehenswerte Ausstellung mit über 400 Exponaten rund um Riedenburgs Brauereien und Wirtshäuser freuen, die Stadtarchivar Maximilian Halbritter im Haus des Gastes präsentiert.

 Stadtarchivar Maximilian Halbritterr
Stadtarchivar Maximilian Halbritterr Foto: Kolbinge

An die Ausstellungseröffnung schließt sich ein rund einstündiger Stadtrundgang an, bei dem das wandelnde Geschichtslexikon Riedenburgs mit Interessierten auf den Spuren und Plätzen vormaliger Braustätten und Wirtshäuser wandeln und auf die teils wechselvolle Geschichte der alten Häuser im Herzen der Altstadt eingehen wird. Für die Presse hat sich Maximilian Halbritter schon mal Zeit genommen und einen kleinen Vorgeschmack auf den Blick zurück auf Riedenburgs einstige Brauereienlandschaft gegeben. Und die war durchaus bunt.

Viele Bürger brauten einst selbst

Ursprünglich, so erklärte der Archivar, hätten viele Bürger ihr Bier in den eigenen vier Wänden gebraut und im hauseigenen Keller gelagert, respektive sich ein Plätzchen für das Fass in einem der großen Lagerkeller gewerblicher Braustätten gesichert. Über die Qualität des Gebräus lassen sich nur Vermutungen anstellen.

„Mit der Gründung des Communbrauhauses im Jahr 1555 dürfte das Bier deutlich besser geworden sein“, vermutet Maximilian Halbritter, denn „die Kommune hat gegen einen bestimmten Obolus die nötigen Gerätschaften und einen gelernten Brauer gestellt“. 1805 wurde das Communbräuhaus an die fünf ortsansässige Bierbräuer Joseph Schmer, Joseph Streitberger, Xaver Hofmann, Joseph Halbritter und Anton Krieger verkauft. Allerdings kam es im Laufe der Zeit nach gehäufter Klagen wegen schlechten Brunnenwassers im Communbräuhaus zu Streitigkeiten unter den fünf Brauern, die dann nach und nach eigene Sud- und Braustätten errichteten.

Der Gasthof Unterkrieger in den 1930er Jahren.
Der Gasthof Unterkrieger in den 1930er Jahren.

Bis zu vierzehn Brauereien gleichzeitig sorgten in Lauf der Zeit dafür, dass reichlich süffiger Gerstensaft die Krüge der Riedenburger füllte. Erhalten sind das Riedenburger Brauhaus der Familie Krieger und die Brauerei Riemhofer. Das Riedenburger Brauhaus feiert heuer sein 150-jähriges Bestehen. Den Grundstein legte Michael Krieger, Sohn der Eselbräu-Eheleute Josef und Walburga Krieger, der 1866 den Mäuslbräu am Marktplatz ersteigerte und fortan den Hausnamen „Unterkrieger“ führte, in Unterscheidung zu seinen Eltern, den „Oberkriegers“.

Noch länger währt die Tradition der Brauerei Riemhofer in Riedenburg, bei der heuer das 175-jährige Firmenjubiläum ansteht. Nach dem Ableben des „Schmerbräu“ heiratete 1841 der Frontenhausener Gütlerssohn Simon Riemhofer in die Braugaststätte „Zum Hechten“ ein, die später mit der Nachbarwirtschaft zum noch heute existierenden Gasthof „Schwan“ vereint wurde. Während die beiden Riedenburger Braustätten immer noch Biergenießer weit über die Stadtgrenzen hinaus mit ihren Spitzenerzeugnissen begeistern, verliert sich die Spur anderer im Staub der Geschichte.

Über 400 Relikte zu sehen

  • Bierfest

    Riedenburg - seine Brauereien & Wirtshäuser: Im Zuge des Bierfestes vom 4. bis 5. Juni präsentiert die Stadt Riedenburg im Alten Rathaus (Obergeschoss Tourist-Info am Marktplatz) eine Ausstellung mit über 400 sehenswerten Sammler-Relikten der Riedenburger Bierlandschaft mit über 260 historischen Postkarten, alten Fotos, Bierfilzln und Etiketten, Bierkrügen und Gläsern, Weizenstutzen und Originalurkunden aus dem Stadtarchiv.

  • Ausstellung

    Bei der Ausstellungseröffnung am 4. Juni um 14 Uhr erzählt Stadtarchivar Maximilian Halbritter über die Riedenburger Brauereigeschichte und zeigt bei einem anschließenden Stadtrundgang Spuren und Plätze vormaliger Braustätten und Wirtshäuser. Ein kleines Antiquariat mit Papierraritäten aus der Umgebung und das Heimatbuch „Alte Häuser in Riedenburg, das auch bei der Recherche zu diesem Artikel gute Dienste leistete, werden angeboten. Der Reinerlös aus dem Buchverkauf kommt gemeinnützigen Zwecken zu Gute. Öffnungszeiten: 4. Juni, 14 bis 20 Uhr; 5. Juni, 11 bis 18 Uhr; 6. bis 9. Juni 14 bis 18 Uhr.

Dieses Schicksal ereilte beispielsweise den „Schwarzen Mohren“ am Marktplatz, dessen imposanter Bau später dem Königlichen Landgericht und das in neuerer Zeit der Raiffeisenbank weichen musste. Die Braustätte und Wirtschaft erscheint schon 1620 in den Annalen anlässlich des Ablebens der Pierpräuin Maria Wolfsmüller und gehörte später der Familie Strizl, die Riedenburg nicht nur durch den Bau des Rathauses, heute Haus des Gastes, nachhaltig prägte. Der Seyholzerbräu existierte bis 1737. An seinem Standort in der Mühlstraße befindet sich heute ein Parkplatz. Von anderen sind zumindest die Gebäude geblieben.

Den Eselbräu Oberkrieger gab es bis 1919. Der Bauernbräu-Posthalter, heute Gasthof „Zur Post“, braute von 1720 bis 1924; der Kröpflbräu in der Hans-Wolf-Gasse widmete sich dem Bierbrauen bis 1843; der Schamberger-Bräu schloss die Tore Anfang des 18. Jahrhunderts.

Es gab einen „Bayerischen Löwen“

Und auch der „Bayerische Löwen“, der „Köynböck“ und die St.-Anna-Brauerei sind Vergangenheit. So wirklich spurlos untergegangen sind sie aber nicht, wie der Rundgang mit Max Halbritter zeigt. Und von einigen Braustätten müssten große Lagerkeller geblieben sein - vielleicht führen sie den einen oder anderen Heimatforscher demnächst in den Riedenburger Untergrund?

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