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Schauspiel

„Lieber Burg Prunn als Hollywood“

Lisa Zeitter ist eine der „Nibelungen“-Darstellerinnen auf Burg Prunn, dreht als FCB-Fan 1860-Werbespots und träumt von GZSZ.
Von Benjamin Neumaier

Lisa Zeitter spielt im Ein-Personen-Stück auf Burg Prunn die Kriemhild, König Gunther und Hagen von Tronje – die „Nibelungen“-Saison startet an diesem Sonntag.
Lisa Zeitter spielt im Ein-Personen-Stück auf Burg Prunn die Kriemhild, König Gunther und Hagen von Tronje – die „Nibelungen“-Saison startet an diesem Sonntag. Foto: Pürner

Prunn.In einem Schauspiel um Liebe, Rache und Verrat erwachen die Nibelungen auf Burg Prunn zu neuem Leben. Die Königstochter Kriemhild steigt persönlich aus dem Nibelungenlied und zeigt ihre abenteuerliche Geschichte. Der Kampf des Drachentöters Siegfried gegen die zauberische Königin Brünhild, der Raub des sagenhaften Nibelungenschatzes – all diese Abenteuer werden wieder lebendig. In verblüffenden Wechseln schlüpft die Darstellerin der Kriemhild in die Rollen der Helden des Nibelungenlieds – vom liebeskranken König Gunther bis zum Mordpläne schmiedenden Ritter Hagen von Tronje.

Seit vergangenem Jahr steht neben Victoria Lewowsky auch Lisa Zeitter auf der Bühne in Burg Prunn. Im Interview verrät sie MZ-Redakteur Benjamin Neumaier vom Gefühl, drei Rollen zu spielen, ihren beruflichen Träumen oder warum sie als Bayern-Fan in einem Werbespot für 1860 München auftrat.

Frau Zeitter, wie viele Morde haben Sie in Ihrem Leben schon begangen?

(lacht) Was das echte Leben betrifft, sage ich dazu lieber nichts, aber auf der Bühne waren es dann doch einige mehr. Vor allem seit ich auf Burg Prunn ,Die Nibelungen‘ spiele.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen oder besser gefragt, träumen Sie denn auch davon?

Es ist nicht so, dass mich meine Bühnenmorde im Schlaf verfolgen. Aber ich träume von Situationen auf der Bühne – das geht jetzt, da am Sonntag die Nibelungen-Saison startet, wohl langsam wieder los.

Wie sind Sie eigentlich zu diesem Engagement gekommen?

Die Nibelungen laufen auf Burg Prunn seit vier Jahren. Vergangenes Jahr hat mich meine Kollegin, Victoria Lewowsky, empfohlen. Sie hatte damals ein anderes Engagement und wenig Zeit.

Victoria Lewowsky ist die andere Nibelungen-Darstellerin auf Burg Prunn.
Victoria Lewowsky ist die andere Nibelungen-Darstellerin auf Burg Prunn. Foto: Archiv

Wir kennen uns und sie sagte mir, dass sie sich mich gut in den Rollen vorstellen könnte, da wir die gleiche Energie hätten. Ich wurde zum Vorsprechen eingeladen und Regisseur Alexander Etzel-Ragusa fand mich wohl auch gut.

Nun teilen Sie sich die Auftritte mit Victoria Lewowsky.

Jede von uns spielt in etwa zwei Monate. Das hat auch für die Zuschauer Charme, da sie sich ein Stück in zwei Interpretationen anschauen können.

Victoria Lewowsky spielt laut Theaterleiter Andreas Pürner „eher klassisch, während Lisa Zeitter temperamentvoll und sehr unterhaltsam an die Sache heran geht. Mit Showcharakter“. Sind Sie kraftvoller?

Ich lege es nicht darauf an, das ist meine Art. Ich habe mir auch Victorias Auftritt angesehen, kenne und schätze ihre Arbeit. Gerade bei Hagen von Tronje brauche ich aber viel Kraft – alles andere halte ich bei dieser Figur für Verschwendung. Victoria und ich interpretieren die drei Rollen eben unterschiedlich – das hat doch seinen Reiz.

Und welche der drei Rollen hat für Sie den größten Reiz?

Ich mag alle. Kriemhild liegt mir als Frau am Nächsten, möchte man denken – aber so ist es nicht. Auch der liebestolle König Gunther ist toll. Die Figur ist komödiantisch angelegt – das passt zu mir, macht mir das Hineinschlüpfen leichter. Schwierig ist dagegen Hagen von Tronje: Er ist böse, ihn kennzeichnen Kraft und Energie. Doch die Unterschiede machen den Reiz des Stücks und die Herausforderung an mich aus.

Apropos Unterschiede: Schauspieler leben in ihren Rollen, heißt es – leben Sie dann ab Sonntag in drei Rollen? Das geht doch nicht.

Doch, in dem Fall schon. Es ist kein Method-Acting gefragt, wo ich lange in einer Rolle leben muss, denn auch auf der Bühne muss ich ständig wechseln – das schafft Abstand.

Dieses schnelle Umschalten zwischen den Rollen stelle ich mir schwierig vor.

Die Figuren sind sehr klar getrennt, auch textlich. Außerdem habe ich ja zumindest ein paar Sekunden, in denen ich in ein anderes Kostüm schlüpfe. Aber ehrlich gesagt, hatte ich anfangs schon etwas Angst – gerade weil die Figuren ja auch untereinander kommunizieren. Aber das macht das Flair des Stücks aus und deswegen habe ich es so liebgewonnen.

Zum Flair des Stücks trägt auch der Schauplatz bei – für Sie auf der Bühne auch relevant?

In dem Moment, in dem ich spiele, nicht. Da bin ich dort, wo die Szene spielt – die Bühne könnte so gesehen überall spielen.

Die Burg Prunn
Die Burg Prunn Foto: dpa

Aber in die Burg zu gehen, zum Rittersaal hochzusteigen, die Geschichte hinter dem Stück und dem Prunner Kodex zu wissen, das hat schon was.

Auch Schauspieler zu sein hat was – Ihr Traumberuf?

Der Wunsch war relativ früh da. In unserem Dorf am Ammersee habe ich Theater gespielt, dann in der Schule weitergemacht. Damals wollte ich unbedingt zu GZSZ.

Sind sie familiär schauspielerisch vorbelastet?

Nein. Das ist einerseits schön, weil mir meine Eltern nicht dreingeredet haben, aber andererseits schaden Beziehungen natürlich auch nicht.

Damit fallen die Eltern als Vorbilder aus –gibt es dennoch Idole?

Nicht dieses eine große Vorbild aber der Berliner Theater-Schauspieler Lars Eidinger kommt dem am Nähesten.

Keiner von GZSZ?

Nein, aber ich hatte mich dort selbst schon beworben. Es war damals meine erste Bewerbung und ich wurde sogar zum Casting eingeladen. Allerdings für ,Alles was zählt‘, das macht dieselbe Produktionsfirma. Ich habe es aber damals zu leicht genommen, dachte, solche Chancen kämen noch zuhauf –das war nicht so.

GZSZ als Jugendtraum – gibt es aktuelle Träume?

Nicht speziell die, wo ich unbedingt hinmuss, aber viele kleine. Ein Stück mit Lars Eidinger spielen, mal einen schönen Kurzfilm drehen oder immer noch: ein Jahr bei GZSZ spielen. Mich machen viele kleine Dinge auch glücklich, damit fahre ich ganz gut.

Hollywood wäre nichts für Sie?

Ganz ehrlich?

Ja.

Nicht wirklich. Klar würde ich eine Rolle annehmen, da wäre ich schön blöd, aber leben möchte ich dort nicht. Ich lege Wert auf meine Familie und Freunde.

Also lieber Burg Prunn als Hollywood?

Das würde ich so stehen lassen.

Würden Sie auch stehen lassen, dass sie 60er-Fan sind?

Nein, auf keinen Fall. Wieso?

Weil Sie mal einen Werbefilm für 1860 München gedreht haben.

Das war Arbeit. Im wahren Leben bin ich Bayern-Fan.

Da ich das jetzt weiß, gehe ich auch davon aus, dass Sie nicht zwingend ein Mathegenie sind?

Im Gegenteil, ich hatte im Mathe-Abi null Punkte, musste als Einzige in die Nachprüfung. Aber wieso fragen Sie mich das?

Weil sie als Schauspielerin beim Telekolleg Mathematik aufgetreten sind.

Auch das war nur Arbeit.

Aber die Nibelungen sind mehr als nur Arbeit?

Auf jeden Fall. Ich liebe es, nah am Publikum zu sein, das direkte Feedback zu bekommen. Es sitzen ja auch oft Schulklassen im Publikum – wenn ich dann merke, dass die mich wahrnehmen und aufpassen, dann weiß ich, dass es nicht so falsch sein kann, was ich gerade auf der Bühne anstelle. Auf dieses Publikums-Feedback freue ich mich ab Sonntag schon am meisten.

Nibelungen und Lisa Zeitter

  • Aufführungstermine

    der Nibelungen auf Burg Prunn: 24. Mai bis 4. Oktober 2015, sonntags sowie an Feiertagen um 14 Uhr (bis etwa 15 Uhr). Die Aufführungen finden in den Räumen der Burg statt und sind daher witterungsunabhängig.

  • Tickets:

    Der Eintrittspreis für das Schauspiel beträgt 10 Euro für Erwachsene (ermäßigt 9 Euro) und 5 Euro für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

  • Es wird empfohlen

    , Tickets für das Schauspiel vorab zu reservieren: Tel. (0 94 42) 33 23 oder (0179) 7788105 oder per Mail unter burg-prunn@gmx.de. Informationen auch unter www.burg-prunn.de.

  • Lisa Zeitter

    ist 30 Jahre alt und lebt im München. Ab 2006 machte sie neben ihrer Schauspielausbildung auch Sprecherziehung, Camera-Acting, Acoustic-Acting und eine Gesangsausbildung.

  • Als Schauspielerin

    war sie unter anderem schon bei Sat.1 – zuletzt in „Gigolo“ und in „Reines Glück“ – oder dem BR zu sehen drehte Werbespots für Skoda, Malteser oder 1860 München, spielte in zahlreichen Kurzfilmen und an mehreren Theatern.

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