MyMz
Anzeige

Zigeunerfasching

Riedenburgs „Rauch-Domäne“ ist dahin

Die Zigeuner regierten am Faschingsdienstag die Dreiburgenstadt. Nur ein Alleinstellungsmerkmal sind sie nun wohl los.
Von Beate Weigert

Der Zigeunerbaron rollt an! Bernhard Schmid gab ihn heuer.
Der Zigeunerbaron rollt an! Bernhard Schmid gab ihn heuer. Foto: Weigert

Riedenburg.Hemden, Strumpfhosen, Kleider und allerlei anderes Gewand hängt an der Wäscheleine rund um den Marktplatz, die Feuerstellen rauchen. Der Zeiger der Uhr nähert sich 13.30 Uhr. Doch von den Zigeunern noch keine Spur in Riedenburg. Kleine Zauberer und Zombies, große Hühner und Hexen warten gespannt auf den Umzug beim Zigeunerfasching. Sogar das FBI ist da. Einer, der schon öfter dabei war beruhigt die Zappler und die Nervösen, vor allem die Buben und Mädchen, die ungeduldig ihre leeren Jutebeutel schwingen: „Die brauchen noch ein bisserl, die haben bis jetzt immer noch a bisserl gebraucht.“

Zwei Autofahrer geben ihr Bestes

Ein schwarzer Kleinwagen mit Regensburger Kennzeichen fährt entgegen der Faschingszug-Fahrtrichtung durch die Straße „An der Altmühl“, wo die besten Plätze, etwas erhöht direkt am Café Scheck schon dicht umlagert sind. Auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind die vordersten Plätze bereits weg. Fahrer und Beifahrer geben schon mal alles. Sie winken mit einem dicken Grinsen auf den Lippen huldvoll in die Menge. Eine Belgierin im VW Golf und ein Audi TT mit Kelheimer Kennzeichen tun’s ihnen gleich.

Gulaschsuppe to go ist ja quasi Pflichtprogramm.
Gulaschsuppe to go ist ja quasi Pflichtprogramm.

Ist aber halt nicht dasselbe, wie die Zigeuner mit ihren bunten Wagen, den liebevollen, detailreichen Kostümen, den rauchenden Kesseln mit der Gulaschsupp’n und den großen und kleinen Baronen in ihren prächtigen Gefährten.

„Chefin, ein Schnaperl? Ein Abzeichen?“, fragt da ein Zigeuner mit Bauchladen des Wegs. Ja, er hat Erfolg. Ist ja, so scheint’s, noch Zeit.

Video: Weigert

Um 13.45 Uhr werden die Trommeln dann endlich lauter. Die Tänzerinnen der Silbania aus Altmannstein und das Prinzenpaar im Cabrio führen den Zug heuer an. Dahinter ertönt das erste „Heinerle, Zigeinerle“, der Schlachtruf der Dreiburgenstädter.

Die Riedenburger Kinderbaronin hatte erstmals ihren großen Auftritt. Lena Moor verkörperte die Rolle bei der Premiere.
Die Riedenburger Kinderbaronin hatte erstmals ihren großen Auftritt. Lena Moor verkörperte die Rolle bei der Premiere. Foto: Weigert

Großer Auftritt für Lena, die I.

Baron Bernhard Schmid hat als Erster seinen großen Auftritt. Trommler kündigten ihn schon von Ferne an. Sein Volk huldigt ihm ausgiebig. Später im Zug folgte erstmals die Kinderbaronin, Lena Moor.

Panzerknacker, Mexikaner und allerlei andere verkleidete Musiker marschieren zwischen den Zigeunern durch die Zuschauermenge. Sie sorgen für Stimmung. Von den Wagen schallt es aus den Lautsprechern. Die großen und kleinen Marschierenden werfen, worauf die Menge gewartet hat. Popcorn, Goldtaler und allerlei andere Süßigkeiten wechseln die Besitzer.

Das gefällt auch den zwölf Senioren im Rolli, die sich ebenfalls in der „Front Row“ positioniert haben. Ein kleiner Zauberer unterstützt sie.

Die Knusper-Knacker-Zigeiner aus Hexenagger oder die Streikhansa aus Essing haben sich unter die Wagen und Fußgruppen gemischt.

Den rauchigsten Wagen hatten in diesem Jahr aber andere, die Essinger!
Den rauchigsten Wagen hatten in diesem Jahr aber andere, die Essinger!

Letztere machen den Hausherren und -damen in einer wichtigen Sache Konkurrenz, die mal, sagen wir Alleinstellungsmerkmal war. Dem Rauch aus den fahrenden Kesseln. Hoch oben lassen die Flugkapitäne und Stewardessen ordentlich Dampf ab. Der ist so undurchsichtig, dass da die Zigeuner glatt neidisch werden könnten.

Nach 15 Minuten ist die Parade vorbeigezogen. Wer sie noch einmal sehen möchte, muss ein wenig warten. Solang bis der Zug über die Riedenburger Stadtbrücke wieder zurück ist. „Habt’s ihr auch einen Schlachtruf?“, feixt einer die Truppe von der Silbania an. Die Antwort folgt prompt: „Silbania, heeeeeeeeeelau!“

Noch mehr Bilder vom Zigeunerfasching gibt es hier!

Riedenburger Zigeunerfasching 2016

Akrobatik und pralle Tüten

Es gibt Akrobatik von der Garde und viel Zigeuner-Charme. Die Tüten der Kinder sind schon prall gefüllt. Ein junger Mann ist heuer das dritte Mal dabei, verrät die Mama. Heuer ist er aber mit größerer Tüte angerückt. Wie sich zeigt, eine weise Entscheidung.

Die Büchsen der kleinen Zigeunerwagen scheppern übers Pflaster. Sogar die Allerkleinsten vom Kindergarten sind dabei, als Zigeinerl-Käfer. Wenn man in die Gesichter schaut, ist manch’ einem der Trubel (noch) nicht so geheuer. Nach dem „Nachschlag“ bleiben viele Zuschauer noch stehen und ratschen.

Andere ziehen um vor die Wagenburg vor dem Alten Rathaus und dem Zigeunerbrunnen, der Bar. Steffi und Nadine etwa. Beide haben sich stilecht zum Riedenburger Motto kostümiert. Als fesche Zigeunerinnen. Schön, ist’s so lang es nicht regnet. Nur weniger Leute als sonst waren’s beim Umzug, findet Nadine, die extra für den Zigeunerfasching mit der Freundin zurück in die Heimatstadt gekommen ist. Kaum sind die beiden in Richtung Marktplatz abgebogen, fängt’s zu tröpfeln an. Der Stimmung tat’s hoffentlich keinen Abbruch!

Noch mehr zum Faschingsendspurt im Landkreis Kelheim gibt’s hier!

Video: Weigert

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht