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Gesellschaft

An den Haustüren war immer Schluss

Eine Ausstellung am Rohrer Gymnasium zeigt, wie es deutschen Flüchtlingen aus Tschechien in der neuen Heimat erging.
von Roswitha Priller

Die Zeitzeugin Hannelore Erber beantwortet hier neben ihrem Kinderfoto die vielen Fragen der Gymnasiasten.  Foto: Roswitha Priller
Die Zeitzeugin Hannelore Erber beantwortet hier neben ihrem Kinderfoto die vielen Fragen der Gymnasiasten. Foto: Roswitha Priller

Rohr.Dicht gedrängt stehen die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse um Hannelore Erber (79). Gebürtig 1940 in Braunau – heute Broumov (Tschechien) – hat Erber die schicksalhaften Jahre der Vertreibung als kleines Mädchen selbst miterlebt. So wie auch die Braunauer Mönche um Abt Dominik Prokop, die die Benediktiner-Abtei vor über 70 Jahren in Rohr gründeten.

Die Sonderausstellung „(Nicht) gekommen um zu bleiben ...“ zeigt die Geschichte der letzten 70 Jahre der deutschen Braunauer Bevölkerung. Die Ausstellung macht sich mit dem Besucher auf den beschwerlichen Weg von Braunau, zeigt das Leben im Lager, die Ankunft in Franken und die weitere Entwicklung des Zusammenlebens.

All das hat Hannelore Erber als Zeitzeugin miterlebt und schilderte bei der Ausstellungseröffnung in der Aula des Johannes-Nepomuk-Gymnasiums den Schülern ihre Erlebnisse. Fast alle deutschen Bewohner Braunaus kamen ins fränkische Forchheim. „Wir wurden sehr von der Bevölkerung abgelehnt,“ erinnert Erber sich. Trotzdem wurde ihnen auch viel geholfen. Aber an den Haustüren sei immer Schluss gewesen. „Die Kinder haben sich schnell untereinander angefreundet, das war kein Problem.“ Nur die Erwachsenen hätten etwas gegen die Vertriebenen gehabt.

Das sei auch noch einige Jahre nach Kriegsende so gewesen. „Bloß kein Flüchtlingsmädchen“, hieß es auch, wenn es um das Heiraten ging. Zuvor hatte Kuratorin Christina Meinusch in die Ausstellung eingeführt. „Unsere Schüler sollen wissen, wo die Wurzeln von Schule und Kloster sind. Deswegen ist die Ausstellung sehr wichtig für uns“, erklärt Prior Frater Franz Neuhausen, OSB. Abt Dominik spielte auch bald eine wichtige Rolle für die vertriebenen Braunauer. Im Juni 1946 gab er den ersten „Braunauer Rundbrief“ heraus. Besonders die „Suchlisten“ waren in den Anfangsjahren ein zentrales Element jeder Ausgabe.

„Für mich ist es sehr bewegend, mit jemandem reden zu können, der das alles selbst erlebt hat“, sagt Lea (15). Besonders berührt hat ihre Mitschülerin Eva (15), dass die Kinder sich gut verstanden haben, während die Erwachsenen viel größere Schwierigkeiten hatten. Aus ihren eigenen Familien kennen sie Geschichten über Flucht und Vertreibung nicht und auch die umstehenden Schüler schütteln bei der Frage die Köpfe.

Rektorin Carola Reim findet die Ausstellung eine ideale Vorbereitung für den Schüleraustausch mit Braunau. Jährlich abwechselnd finden die gegenseitigen Besuche der Partner-Schulen statt. „Ich fahre jetzt mit einem ganz anderen Gefühl nach Braunau“, meinte ein Schüler.

Die Ausstellung Braunau-Forchheim-Broumov ist noch bis zum 5. Juni von 8 bis 17 Uhr in der Aula des JNG zu sehen. Sie zeigt die letzten 70 Jahre der deutschen Braunauer Bevölkerung.

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