MyMz
Anzeige

Patenschaftsaktion

Die Blühwiese startet bei Wüstenwetter

Mit rekordverdächtigen 73 Blumenpaten starten die Sedlmayers ihre Ursbacher Blühwiese. Und hoffen auf mehr Hilfe von oben.
Von Martina Hutzler

Fast wie in der Sahara: Bei Ausbringen der Saat war die wochenlange Trockenheit deutlich zu spüren. Foto: Hutzler
Fast wie in der Sahara: Bei Ausbringen der Saat war die wochenlange Trockenheit deutlich zu spüren. Foto: Hutzler

Rohr.Es wirkt wie Sahara, aber es ist Ursbach: Eine braune Staubwolke weht hinter dem Traktor von Andreas Sedlmayer her, an dem die Sämaschine angehängt ist. Zum Start der landkreis-weit größten Blühpatenschafts-Aktion bei Rohr hätte das Wetter besser sein können, sprich: feuchter. Aber Bauer Sedlmayer ist trotzdem optimistisch, dass die Saat im wahrsten Wortsinn aufgeht.

Die Saat, das ist: Rotklee, Hornklee, Esparsette, Wiesenknopf, Rainfarn, Thymian, Dill Nachtkerze, Majoran, Wegwarte, Mariendistel, und, und...  50 Pflanzenarten listet der Zettel auf dem Säckchen „Bienenweide Veitshöchheim“ auf: eine Mischung von heimischen Blütenpflanzen, an denen sich längst nicht nur Bienen laben können, sondern allerlei weitere Insekten. Der Acker in der Flur zwischen Ursbach und Sallingberg wird ihnen einen großen Tisch bieten, dank etlicher Naturfreunde im Landkreis.

Säen für die Bienen

Denn das Projekt Blühflächen-Patenschaft, das Petra und Andreas Sedlmayer im Februar in der Mittelbayerischen vorgestellt hatten, schlug voll ein: Mittlerweile 73 Paten haben sich bei dem Landwirts-Paar gemeldet – aus dem gesamten Landkreis Kelheim, dem Raum Regensburg und sogar bis aus Berlin. Sie alle haben ein oder gleich mehrere 100 Quadratmeter große Acker-Stücke gesponsert, für je 50 Euro pro Jahr. So kamen insgesamt 9000 Quadratmeter für eine Blumenwiese zusammen. Die Sedlmayers haben dann von sich aus auf 10 000 qm, also einen Hektar, aufgestockt.

Auf die zur Patenschafts-Aktion kamen die Sedlmayers auch durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, das sie mit sehr gemischten Gefühlen verfolgt haben:

Aktion

Ackerbauer sucht Blumenwiesen-Paten

Bienen-Volksbegehren unterzeichnen, und das war’s? Da geht mehr, findet ein Ursbacher Bauer. Und startet eine Aktion.

Von der Riesen-Resonanz auf die Aktion ist die Familie freudig überrascht: „Schee ist’!“ Allen Paten, die das wollten, haben sie bereits eine Urkunde geschickt. Auch eine Methode zum Ausbringen der Saat hat Andreas Sedlmayer aufgetan. Denn so dünn, wie die Blumenmischung ausgesät werden muss, hätte sich seine Sämaschine gar nicht einstellen lassen. „Deshalb habe ich sie mit Sojaschrot gemischt“, erklärt er.

Andreas Sedlmayer füllt den Blütenpflanzen-Samen, gemischt mit Sojaschrot, in die Sämaschine. Foto: Hutzler
Andreas Sedlmayer füllt den Blütenpflanzen-Samen, gemischt mit Sojaschrot, in die Sämaschine. Foto: Hutzler

Sorgenvoller Blick nach oben

Mit dem Säen selbst hatte er lange gewartet – doch wie alle Landwirte wartete er wochenlang vergebens, dass ein schöner Regen den Acker anfeuchtet. Die Saat zum Start bewässern? „Davon hat mir ein Biobauer abgeraten. Denn wenn man einmal mit dem Gießen anfängt, muss man immer weiter bewässern“.

Immerhin Restfeuchte ist im Acker vorhanden, dank der Mulchsaat, die den Boden im Winter über bedeckt hatte. Jetzt hofft er, dass der jüngste Regen kein einmaliges Intermezzo bleibt, sondern der Himmel in den nächsten Wochen ausreichend Wassernachschub schickt.

Fast wie in der Sahara: Bei Ausbringen der Saat war die wochenlange Trockenheit deutlich zu spüren. Foto: Hutzler
Fast wie in der Sahara: Bei Ausbringen der Saat war die wochenlange Trockenheit deutlich zu spüren. Foto: Hutzler

Damit die Saat bis zum Aufgehen nicht vollends „vom Winde verweht“ wird, rückte gleich nach dem Sohn auch Vater Sedlmayer auf einem weiteren Traktor aus. Daran im Schlepptau: eine Walze, die das Saatgut fester in den Boden presste.

Noch bevor die ersten Sonnenblumen, Wegwarten, Luzerne und sonstigen Blümchen aus dem Boden lugen, steht die künftige Blühwiese schon unter vielfacher Beobachtung: Zwei Kästen mit je einem Bienenvolk stehen am Ackerrand.

Zwei Völker hat Imker Richter bei der neuen Blühwiese in Ursbach aufgestellt. Jedes hat einen zweiteiligen Kasten: Unten wächst der Nachwuchs heran, oben lagern die Bienen den Honig ein. Foto: Richter
Zwei Völker hat Imker Richter bei der neuen Blühwiese in Ursbach aufgestellt. Jedes hat einen zweiteiligen Kasten: Unten wächst der Nachwuchs heran, oben lagern die Bienen den Honig ein. Foto: Richter

Imker Michael Richter aus Offenstetten las in der Mittelbayerischen vom Projekt „Paten-Wiese“ und dass ein Imker gesucht sei – und meldete sich bei den Sedlmayers. Denn die Aktion findet er gut. „Es wäre schön, wenn es noch mehr davon gäbe!“ Vor allem im Hinblick auf die Artenvielfalt in der Flur.

Die Familie-„Imkerei Resch-Richter“ selbst hat bislang noch keine Probleme, ihren zehn honig-produzierenden Bienenvölkern „Arbeitsplätze“ anzubieten. Rund um Offenstetten gebe es schon noch gute Bienenweiden, schildert der Hobbyimker, der mit seiner Frau Petra die Imkerei des verstorbenen Schwiegervaters weiterführt.

Biogas-Anlagen sind spürbar

„Aber die Biogas-Anlagen merkt man schon“: Dafür wird viel Mais angebaut – aus Bienensicht eine Wüste. „Die Silphie wäre eine gute Alternative“, hofft Richter auf innovationsfreudige Landwirte. Die sonnenblumen-ähnlichen Pflanze „nährt“ nicht nur Biogas-Anlagen, sondern bietet Pollen und Nektar für Insekten. Erste Anbauflächen im Landkreis gibt es bereits.

Richters Ursbacher Völker müssen bald nicht mehr groß Ausschau halten, womit sie ihre Brut füttern und ihren Wintervorrat befüllen sollen: Dann bietet die Ursbacher Patenschafts-Wiese einen bis zum Herbst vielfältig und reich gedeckten Tisch– so das Wetter mitspielt. Bis sich die ersten Blüten zeigen, versorgen sich die Bienen an Sträuchern und Bäumen sowie Rapsfeldern in der Umgebung, erklärt Michael Richter.

Am Einflugloch der Bienenkästen geht es schon munter zu. Aber im Sommer wird die Zahl der Bienen in einem Volk etwa doppelt so hoch sein! Foto: Hutzler
Am Einflugloch der Bienenkästen geht es schon munter zu. Aber im Sommer wird die Zahl der Bienen in einem Volk etwa doppelt so hoch sein! Foto: Hutzler

Noch sind es ja kleine Staaten: Im Frühjahr besteht ein Volk „nur“ aus etwa 20 000 Bienen – im Sommer kann es gut auf die doppelte Menge anwachsen, schildert der Hobbyimker. Wenn sich die beiden Ursbacher Arbeitsbrigaden gut entwickeln, könnten sie jeweils etwa 20 Kilo Honig produzieren.

Für Richter heißt das: noch viel Arbeit. Kontrollbesuche alle paar Tage; Ende Mai und nochmals im Juli wird der Honig geschleudert; Zudem muss er zwei Mal im Jahr die vorgeschriebene Varroamilben-Behandlung durchführen. Und im Spätsommer seine Völker wieder für den Winter vorbereiten.

Michael Richter zeigt eines der Rähmchen, mit denen der Bienenkasten bestückt ist. Die Bienen nehmen den Rahmen als „Muster“ und bauen ihre eigenen Waben dran. Foto: Hutzler
Michael Richter zeigt eines der Rähmchen, mit denen der Bienenkasten bestückt ist. Die Bienen nehmen den Rahmen als „Muster“ und bauen ihre eigenen Waben dran. Foto: Hutzler

Patenschafts-Ehrgeiz ist erwacht

Welches Blütenmeer sich dann im Frühjahr 2020 für die Richterschen Bienen und alle anderen Insekten auftut, bleibt abzuwarten: Angesichts der guten Resonanz ist bei den Sedlmayers der Ehrgeiz erwacht, weitere Paten zu finden und die Blühwiese so noch zu vergrößern. In Niederbayern zumindest ist der Ursbacher Acker jetzt schon rekordverdächtig groß. „Wer weiß, vielleicht wird es ja noch die größte Paten-Blühwiese in Bayern?!“

Die „Veitshöchheimer Bienenweide“ ist von der dortigen Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau zusammengestellt worden. Foto: Sedlmayer
Die „Veitshöchheimer Bienenweide“ ist von der dortigen Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau zusammengestellt worden. Foto: Sedlmayer

Weitere Themen rund um die „Natur vor der Haustür“ lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht