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Holzschädling

250 Bäume fallen im Kampf gegen Käfer

Mit Kettensäge und strengen Regeln für Gartler und Waldbesitzer wollen Behörden den „Asia-Laubholzbock“ in Kelheim stoppen.
Von Martina Hutzler

Nach der Fällung der befallenen Bäume im Mai müssen nun diese Woche alle potenziellen Wirtsbäume im Hafengebiet weichen.
Nach der Fällung der befallenen Bäume im Mai müssen nun diese Woche alle potenziellen Wirtsbäume im Hafengebiet weichen. Foto: Archiv/ Hutzler

Saal. Voraussichtlich ab Dienstag, 21. Juni, röhren wieder die Kettensägen im Kelheimer Hafen: Im Kampf gegen den dort festgestellten Asiatischen Laubholz-Bockkäfer (ALB) lassen die Behörden all diejenigen Laubbäume fällen, in denen sich der gefährliche Holzschädling einnisten könnte – oder es schlimmstenfalls schon getan hat. Um dies zu prüfen, werden die gefällten Bäume wieder von Forstexperten und Spürhunden untersucht, schildert Ambros Köppl.

Ambros Köppl ist seitens der LfL für die Bekämpfung des Asia-Käfers in Kelheim zuständig.
Ambros Köppl ist seitens der LfL für die Bekämpfung des Asia-Käfers in Kelheim zuständig. Foto: Archiv/ Hutzler

Er ist seitens Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für die Umsetzung der Bekämpfungsvorschriften zuständig, mit denen die EU ein Vordringen des Käfers stoppen will. Denn in seiner Heimat China hat er bereits 120 000 Hektar Wald, vor allem neue Plantagen, vernichtet. Die Larven fressen sich so lange durch Äste und Stamm eines Baumes, bis der abstirbt.

Deshalb hat der erstmalige Nachweis des Käfers im April in der Ahorn-Allee der Kelheimer Hafenstraße höchsten Alarm ausgelöst bei der LfL und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (AELF) in Abensberg. Alle befallenen Bäume wurden bereits gefällt, untersucht und vernichtet. „ In 19 Bäumen steckten insgesamt 46 lebende ALB-Larven sowie 5 Puppen des Käfers und es wurden mehrere hundert Eiablagestellen gefunden. Ein Bergahorn wies allein 83 Ausbohrlöcher des Käfers auf. Mit dieser ersten Maßnahme wurde eine Verbreitung aus diesen befallenen Gehölzen gestoppt“, bilanziert die LfL diese erste Fällaktion.

Nach Abschluss und Auswertung der zweiten Fällaktion plant die LfL eine Infoveranstaltung für die betroffenen Bürger über die bisherigen Ergebnisse und das weitere Vorgehen gegen den gefährlichen Laubholzschädling. Die Experten der LfL erklären dazu ausführlich alle Regelungen der Allgemeinverfügung und deren Auswirkungen für die betroffenen Grundstücksbesitzer.

Jetzt müssen, vorbeugend, weitere rund 250 Bäume und Sträucher weichen: Sie alle liegen in der sogenannten Befallszone, also in einem Radius von 100 Metern um die rund 20 tatsächlich betroffenen Ahornbäume; betroffen ist somit nach wie vor ausschließlich das Gewerbegebiet im Hafen, teilt die LfL mit. Es handelt sich wiederum vor allem um Ahorn und Pappel. Die Gehölze werden ebenfalls untersucht, gehäckselt, verbrannt.

Auch diesmal werden die gefällten Bäume unter anderem von speziell ausgebildeten Spürhunden auf Käferbefall kontrolliert.
Auch diesmal werden die gefällten Bäume unter anderem von speziell ausgebildeten Spürhunden auf Käferbefall kontrolliert. Foto: Archiv/ Hutzler

Außerdem haben LfL und AELF mittlerweile so genannte „Allgemeinverfügungen“ erlassen. Das sind verbindliche Vorschriften für alle öffentlichen und privaten Wald-, Garten- und Grünflächen-Besitzer. Sie gelten mindestens vier Jahre lang.

Die Befallszone selbst betrifft zwar nur Grundstücke des Hafen-Zweckverbands. Doch rings um die Befallszone ist eine weitere, die „Pufferzone“ ausgewiesen, mit weiteren zwei Kilometern Radius: Sie reicht bis nach Affecking, Saal, Herrnsaal und Kelheimwinzer. Beide zusammen bilden die Quarantänezone, in denen die Allgemeinverfügung das Pflanzen, Schneiden, Fällen, Transportieren und Verwerten aller ALB-Wirtspflanzen stark einschränkt.

Was der Käfer (nicht) mag

  • Wirtspflanzen

    EU-weit sind 16 verschiedene Gattungen von Bäume und Sträuchern bekannt, in denen sich der Asiatische Laubholz-Bockkäfer (ALB) vom Ei bis zum fertigen Käfer entwickeln kann. Sie dürfen in Quarantänezonen nicht mehr gepflanzt werden. Betroffen sind jeweils alle Arten von Ahorn (z.B. Feld-, Spitzahorn), Rosskastanie, Erle, Birke, Hainbuche, Hasel, Buche, Esche, Platane, Pappel, Weide, Eberesche, Linde, Ulme, Kuchenbaum (Cercidiphyllum) und Blaschenesche (Koelreuteria).

  • Mögliche Wirtspflanzen

    Zumindest unter Laborbedingungen befällt der ALB auch noch weitere Pflanzen, die er in der Natur bisher verschont hat. In Quarantänezone wird davon abgeraten, sie neu zu pflanzen. Betroffen sind alle Arten von Apfel, Birne sowie Zwetschge, Kirsche, Aprikose und Verwandte (Gattung Prunus), Sommerflieder (Buddleja), Hibiskus (Eibisch), Robinie, Maulbeere, Zürgelbaum, Ölweide und einige weitere Arten. In China hat der ALB sogar an Rosen schon Eier abgelegt.

  • Keine Gefahr

    Wie der Name schon nahe legt, verschmäht der ALB alle Nadelgehölze (Koniferen), außerdem den Ginkgo.

  • Empfehlungen

    Wer in der Quarantänezone Laubgehölze neu anpflanzen will, kann sich bei der Landesanstalt für Landwirtschaft einen Infoflyer bestellen oder online als PDF herunterladen , der Arten vorstellt, die der ALB ignoriert.

Den Mitarbeitern von LfL und AELF werden weitreichende Kontrollrechte bis in Gärten hinein eingeräumt; sie werden gemäß ALB-Bekämpfungsplan mindestens ein Mal jährlich potenzielle Wirtsbäume und -sträucher auf Spuren von ALB-Befall kontrollieren.

Doch auch Garten- wie Waldbesitzer sind verpflichtet, ihre Laubgehölze im Auge zu haben. Dass nicht jeder zum ALB-Experten wird, ist Ambros Köppl klar – „wir wollen nur, dass die Leute die Augen offen halten und uns bei Verdacht informieren“; dann würden Experten die Pflanze überprüfen.

Sobald die zweite Fällaktion im Hafen abgeschlossen und ausgewertet ist, will die LfL Infoveranstaltungen für die Bevölkerung organisieren. Darin werde man die Vorschriften der Allgemeinverfügung und deren praktische Umsetzung vorstellen. Denn wie sich schon bei Sitzungen des Kelheimer Stadtrats und des Saaler Gemeinderats zeigten, tun sich in der Praxis viele Fragen auf. Bis zum Beginn der Infoveranstaltungen soll auch feststehen, wo innerhalb der Quarantänezone Gartler und gewerbliche Dienstleister Laubbaum-Schnittgut anliefern können.

Das für die Waldflächen zuständige AELF hat bereits eine solche Infoveranstaltung anberaumt: am Mittwoch, 29. Juni, um 19 Uhr im Gasthaus Zeller in Mitterfecking.

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