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Ausbildung schafft Sicherheit

Bayern kocht bei der Schulung seiner Feuerwehrleute seit diesem Jahr sein eigenes Süppchen: Die „MTA“ soll Probleme lösen.
Von Heiner Stöcker

  • Die Feuerwehrfrau in spe geht mutig auf die Flammen los. Foto: Stöcker
  • Löschen einer brennenden Person Foto: Stöcker
  • Auch Leitern haben ihre Tücken. Foto: Stöcker

Saal.Mit dem Feuerlöscher in der Hand geht die Feuerwehrfrau in spe auf das Gasfeuer zu. „Und jetzt spritzen“ kommt es vom Ausbilder. Der steht am Steuerungsmodul des „Fire-Trainers“ und überwacht die Anstrengungen der Schüler. Mit kontrollierten Stößen spritzt sie das Löschmittel auf den Brandherd. Nach wenigen Sekunden sind die Flammen erstickt.

Samstagabend bei der Feuerwehr in in Saal. Seit März absolvieren 16 Feuerwehrmänner- und -Frauen die neue Ausbildung. Sie heißt MTA – Modulare Truppmann Ausbildung.

Die Kursteilnehmer sind Sanitäter, Ehefrauen, Handwerker und vor allem Schüler.

Redakteur Heiner Stöcker absolviert die Ausbildung in Saal
Redakteur Heiner Stöcker absolviert die Ausbildung in Saal Foto: Wachter

Der MZ-Reporter in der Klasse ist ein Sonderfall in mehrerlei Hinsicht: „Na, dann hebst’ halt unseren Altersdurchschnitt a bisserl“, hatte Saals Kommandant Holger Czech bei der ersten Begegnung gefrotzelt. Mit seinen 38 Jahren ist er der Älteste in der Klasse. Gerade mal fünf der Kursteilnehmer sind alt genug, dass sie wählen dürfen.

Und diese neue Ausbildung ist bundesweit wirklich etwas Besonderes: „Die Bayern kochen schon wieder ihr eigenes Süppchen“ – so oder so ähnlich lautete vor zwei, drei Jahren die Kritik am Sonderweg, den der Bayerische Landesfeuerwehrverband mit seiner MTA einschlug.

Einheitliche Basis

Die MTA ist die „Grundausbildung“, die jeder angehende Feuerwehrmann im Freistaat seit 2015 absolvieren muss. „Wir wollten für jede Feuerwehr im Land eine einheitliche Basis schaffen. Einen Wissensstand, von dem aus alles Weitere folgen kann“, sagt Jürgen Weiß. Er ist Referent für Facharbeit beim Landesfeuerwehrverband Bayern.

Früher genügte es Mitglied einer Wehr zu sein und mit den Kameraden zu üben oder, um im Ernstfall mit auszurücken. Aber diese Zeiten sind endgültig vorbei. Das Ehrenamt als Feuerwehrmitglied professionalisiert sich. Grund: Die fortschreitende Technisierung der Feuerwehraufgaben, ein immer größer werdendes Verkehrsaufkommen zu Land, zu Wasser und in der Luft, die Häufung von Gefahrenpotenzialen in den Produktionsstätten und Großlagern sowie eine zunehmende Anzahl von Naturkatastrophen erfordern geeignete Geräte, moderne Fahrzeuge und viel Know-how am Einsatzort. „Gleichzeitig werden höhere Anforderungen an Mannschaften und Führungskräfte der Feuerwehr gestellt, da die Einsatzarbeit bei Bränden gefährlicher wird und die Zahl und Vielfalt von technischen Einsätzen sowie Gefahrguteinsätzen steigt“. So steht es in der Einführung der Feuerwehrdienstvorschrift 2 (FwDV 2). Sie regelte bisher bundesweit die Ausbildung der Feuerwehrleute. Sie sieht in der aktuellen Auflage von 2012 vor, dass sich die Truppausbildung in die Stufen Truppmann 1 (Grundausbildung) mit 70 Stunden, Truppmann 2 mit 80 Stunden und den Truppführer-Lehrgang mit 35 Stunden gliedert. Aber – und das ist das vielleicht gravierendere Problem – die Ausbildungsniveaus der einzelnen Feuerwehren variierten untereinander stark.

Theorieunterricht gehört dazu.
Theorieunterricht gehört dazu. Foto: Stöcker

185 Unterrichtseinheiten, die die Feuerwehrleute in spe „absitzen“ müssen. „Das ist Zeit, die die Leute heute nicht mehr ohne Weiteres haben“, sagt Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband. Immer weniger Jugendliche und Erwachsene würden ihren Weg zu den Wehren finden. Und noch ein Grund für Bayern, aus der bisherigen Ausbildung auszuscheren: Mit der MTA habe der Landesverband eine verbindliche Basis geschaffen. Mit Erfolg: „Inzwischen haben – allen anfänglichen Unkenrufen zum Trotz – auch schon andere Landesfeuerwehrverbände Geschmack am Bayerischen Sonderweg gefunden.“

Verlässliches Grundwissen

„Für mich als Einsatzleiter schafft die MTA Sicherheit“, sagt Holger Czech. Der Kommandant der Saaler Feuerwehr steht dem Konzept sehr positiv gegenüber. „Seine“ Wehr und die in Bad Abbach sind die ersten im Landkreis Kelheim, die das neue MTA-Konzept umsetzen. Bad Abbach ist mit seinem Basismodul bereits fertig – in Saal ist am 17. Juli Zwischenprüfung. „Aber ich kann mir sicher sein, dass alle Absolventen am Ende über dieselben Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen“, sagt Czech. Als Einsatzleiter wisse er dann also genau, wem er was zutrauen könne. „Und das unabhängig davon, ob er von einer kleinen Ortsteilfeuerwehr oder einer großen Stützpunktfeuerwehr kommt.“

Die Retter: MTA bei der FF Saal

Der Bayerische Landesfeuerwehrverband hat den Bedarf erkannt. Das neue Basismodul – die Grundausbildung – umfasst nur noch 110 Stunden, beinhaltet aber auch die früher eigenständigen Erstehilfe- und Funk-Lehrgänge. Es folgt der ein- bis zweijährige Ausbildungs- und Übungsdienst bei der Heimfeuerwehr – quasi die praktische Umsetzung des Gelernten. Und abschließend der Leistungsnachweis zum Truppführer.

Die Schüler lernen den Aufbau eines Feuerlöschers kennen.
Die Schüler lernen den Aufbau eines Feuerlöschers kennen. Foto: Stöcker

Die Klasse in Saal löscht derweil fleißig ihren Gasbrand am Fire-Trainer. Der Reihe nach darf jeder den Feuerlöscher austesten. Ein altgedienter Feuerwehrler zwinkert derweil dem Reporter zu. „Kleiner Tipp: Die effektivste Methode den Fire-Trainer zu löschen, ist den Ausbilder abzuspritzen. Wenn der am Fire-Trainer den Finger vom Knopf nimmt – dann ist das Feuer aus.“

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