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Treff

Die Seniorenbande vom Saaler Bankerl

In Saal gibt es ein Zusammenkommen der besonderen Art. Einmal im Monat treffen sich Senioren auf dem Kirchplatz.
Von Roland Kugler

Beim Märztreffen strahlten die Saaler Seniorinnen und Senioren mit der Frühlingssonne um die Wette. Foto: Kugler
Beim Märztreffen strahlten die Saaler Seniorinnen und Senioren mit der Frühlingssonne um die Wette. Foto: Kugler

Saal.Auf dem Bankerl, das in Wahrheit eine massive Bank ist, haben nur drei Platz. Wer nicht mehr so gut stehen kann, setzt sich hin. Das kommt im Rentenalter schon mal vor, doch man nimmt Rücksicht aufeinander und wechselt durch. Schließlich kennen sich die meisten, die zum Seniorentreff auf den Saaler Kirchplatz kommen. Manche kennen sich näher, manche nur vom Sehen. Sie reden über Privates und Öffentliches, über Ernstes und Lustiges, über Gott und die Welt und alles Mögliche und Unmögliche.

Ein gutes Dutzend unter Kirtabaum

Ein gutes Dutzend Damen und Herren sind es heute, die sich in der Mitte von Saal unterm Kirtabaum versammeln und die Frühlingssonne genießen. Wer mag, mit einem Bier in der Hand, denn so ratscht es sich gleich noch angenehmer. „Man muss sich auch mal ausbremsen. Es ist eine Erholung, zu sitzen und miteinander zu reden“ sagt Maria Gaßner. So sehen es alle. Es ist ein lockeres Treffen: Manche kommen jedes Mal, manche nur, wenn sie Zeit haben, und als Rentner hat man ja nicht immer Zeit. Siegried und Peter Guhr sind heute zufällig vorbei gekommen, freuen sich aber, dass sie Sebastian Hobmaier treffen. Denn vergangenes Jahr sind sie zusammen mit einer Reisegruppe in Urlaub gefahren, das machen sie gleich für heuer wieder aus.

Einkaufen und ratschen

Nach Schweden soll es gehen, zum Mittsommer. „Da ist es länger hell, das nutzen wir aus und feiern“, sagt Siegried Guhr. „Im Alter braucht man nämlich nicht mehr so viel Schlaf“, ergänzt Sebastian Hobmaier schmunzelnd. Auf die Frage, ob er auch mitfährt, antwortet Peter Guhr, „wenn sie mich mitnimmt“, und sieht in Richtung seiner Frau.

Da haben es Siegfried Maier und Bernhard Reindl einfacher, sie sind ohne ihre besseren Hälften hier. „Frauen schaffen schon zu Hause so viel an“ seufzt Siegfried. „Frauen ratschen, Männer führen Fachgespräche“, stellt Bernhard klar. Schon verschwindet Siegried Guhr, aber nur, um einzukaufen. Denn am Donnerstag ist Wochenmarkt auf dem Kirchplatz, das nutzt Frau natürlich aus. Der emanzipierte Mann ebenso. „Ich kaufe meistens Kartoffeln und Eier“, sagt Alfred Högn. Er kommt aber nicht nur deshalb, sondern auch, „um Bekannte und Freunde zu treffen“. Und um zu reden, „wie es privat so geht, was in Saal so passiert, und in der Politik“.

Der „Seniorentreff“

  • Wo:

    Der Wochenmarkt ist jeden Donnerstag auf dem Kirchplatz mitten im Ort. Die Senioren treffen sich jeden dritten Donnerstag im Monat, manche sind öfter dort.

  • Wer:

    „Jeder der will, kann kommen, aus allen Saaler Gemeindeteilen“, sagt der Seniorenbeauftragte Walter Dietz. Er hilft mit Rat und Tat weiter: sei es ein Problem mit dem Handy oder Unterstützung auf dem Amt.

Da ist Sebastian Hobmaier als Politiker ganz in seinem Element, und prompt politisiert er mit Maria Gaßner. „Aber wir verbessern ihn dann schon, wenn’s sein muss“, sagt Rolf Bach. Man erfahre aber auch viel Nützliches. „Ältere Leute sind viel unterwegs, gehen spazieren, reden noch miteinander“, sagt Sebastian Hobmaier. Natürlich auch über ernste Dinge. Wenn man Glück hat, bekommt man eine Geschichtsstunde von Zeitzeugen, etwas, das vor allem für junge Menschen wichtig wäre. Wie zum Beispiel von Maximilian Punk. Er ist mit 92 Jahren der Älteste im Bunde. Doch das sieht man ihm nicht an. „Nur mit den Beinen geht es nicht mehr so gut. Wenn es eben ist, kann ich noch ein Stück mit dem Rad fahren. Sonst schieb ich halt langsam“, sagt er. Doch er ist froh, dass er überhaupt noch hier ist. Mit 17 Jahren musste er in den Krieg ziehen.

Sprechstunde im Freien

„Aber ich hatte noch Glück“, sagt Punk. Er kam 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. „Ich hab’ bei den Amis in der Küche gearbeitet, da hat es uns an nichts gefehlt.“ Trotzdem sei ihm ein Teil seines Lebens geklaut worden. Erst kurz vor seinem 20. Geburtstag im Dezember 1946 kam er wieder in seine Heimat zurück.

Es werden beim Seniorenbankerl also sowohl die heiteren wie auch die ernsten Dinge des Lebens besprochen, wie es früher war, und wie es heute ist. Ins Leben gerufen hat das Treffen Walter Dietz. Er ist Gemeinderat und Seniorenbeauftragter. „Zu der Sprechstunde ins Rathaus ist keiner gekommen“, sagt er. „Also habe ich mir gedacht, geh’ halt ich zu den Leuten.“ Und da auf dem Kirchplatz eh Markt ist, die Leute zum Einkaufen und Ratschen kommen und auch die Bank hier steht, ist es genau der richtige Ort.

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