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Literatur

Feckinger Bücher haben ein Zuhause

Innerhalb eines Dreivierteljahres wird aus der Idee der „Rollenden Bücherei“ ein rund um die Uhr zugänglicher Bücherschrank.
von Benjamin Neumaier

Von Ende Mai bis Mitte Juni wurde der Bücherschrank in Eigenregie gebaut –nur das Fundament goß der Bauhof Saal. Seit vergangenem Wochenende ist der Schrank mit etwa 400 Büchern bestückt.
Von Ende Mai bis Mitte Juni wurde der Bücherschrank in Eigenregie gebaut –nur das Fundament goß der Bauhof Saal. Seit vergangenem Wochenende ist der Schrank mit etwa 400 Büchern bestückt. Foto: Ercan

Mitterfecking.Ende September zogen sie zu viert los – Muhittin Ercan, Heinz Russ, Günter Berger und ein Anhänger mit knapp 100 Büchern. Es war schwül an diesem Freitagnachmittag, sie hatten Schweißperlen auf der Stirn, tingelten aber unablässig in Mitterfecking von Haus zu Haus, um ihrer Idee Leben einzuhauchen – eine rollende Bücherei unter dem Motto „Bücher auf Wanderschaft“, die in einem öffentlichen Bücherschrank gipfeln sollte. Der steht jetzt seit kurzem in der Saaler Straße in Mitterfecking und ist seit dem vergangenen Wochenende mit Büchern bestückt.

Etwa 400 Stück finden dort ein Zuhause, mehr als 1000 Stück lagern insgesamt in den Kellern der Mitglieder des SPD-Ortsvereins, deren Idee dem Bücherschrank zugrunde liegt. „Mehrere hundert Bücher kommen in den kommenden Wochen noch dazu – diese Spenden stehen noch aus oder müssen noch abgeholt werden. Die Spendenbereitschaft ist riesig – auch aus Abensberg, Kelheim, Saal oder Ihrlerstein haben wir Bücher bekommen“, sagt Ercan, der von Beginn an von dem Projekt und dessen positiven Ausgangs überzeugt war: „Weil ich ein Optimist bin und weil sehr viele Menschen gerne lesen.“

Muhittin Ercan, Heinz Russ und Günter Berger (v. l.) starteten Ende September 2014 die Aktion „Rollende Bücherei“ in Mitterfecking.
Muhittin Ercan, Heinz Russ und Günter Berger (v. l.) starteten Ende September 2014 die Aktion „Rollende Bücherei“ in Mitterfecking. Foto: Archiv

Für den Erfolg haben die Mitterfeckinger SPDler aber auch geschuftet, schoben bei Wind und Wetter, „außer bei Regen“, sagt Ercan, das Bücherwägelchen durch die Feckinger Ortsteile –immer im Rhythmus von zwei Wochen an Freitagen und Samstagen. 15 bis 20 Personen hätten dann jeweils zwei bis fünf Bücher entliehen –„die rollende Bücherei wurde also schnell angenommen.“

Keinerlei Bürokratie mehr

Damals war noch etwas Bürokratie vonnöten: Entleiher wurden in einer Liste vermerkt, um ihnen einerseits beim nächsten Turnus neue Bücher abzuholen, sowie andererseits die Leihgaben wieder abzuholen. „Das war aber kein Muss“, sagt Ercan. „Bei unserem Leihmodell darf man auch Bücher behalten und uns sogar andere mitgeben.“

So beschwerlich die Fahrten mit dem schweren Anhänger waren, so schön seien sie auch gewesen: „Weil man mit den Menschen in Kontakt kommt“, sagt Ercan. Das entfällt künftig, denn der Schrank im herzen Mitterfeckings ist an 24 Stunden, sieben Tagen die Woche und 365 Tagen im Jahr geöffnet – und nicht abgesperrt. „Bürokratie gibt es aber auch keine mehr “, sagt Ercan. „Auch keinen Büchereiausweis oder ein Leihende. Jeder darf kommen und leihen wann er will – und das Ganze völlig kostenlos.“ Dass das ein gewisses Risiko birgt, ist nicht abzusprechen, doch Ercan glaubt nicht, „dass wir Probleme mit Vandalismus bekommen werden.“ Woher er diese Sicherheit nimmt? „Aus meinem Optimismus und der Tatsache, dass Bücher auch heute respektiert werden.“

Keller werden zu Bücherlagern

Dennoch werde der SPD-Ortsverein den Schrank – der in Eigenregie, mit Unterstützung der Gemeinde und des Bauhofs und zu 90 Prozent aus gespendeten Materialien entstand – auch künftig nicht sich selbst überlassen. Im Ein- oder Zwei-Wochen-Rhythmus wollen die SPDler den Schrank kontrollieren, Bücher austauschen, nachfüllen oder den Schrank säubern.

Ws mit den restlichen Büchern ind en Kellern der Parteigenossen passiert, dafür hat Ercan ebenfalls eine Idee: „In Mitterfecking werden wir den Bücherschrank nicht vergrößern, aber ich könnte mir einen weiteren Schrank in Peterfecking oder Saal vorstellen – aber das ist Zukunftsmusik.“

Bis es soweit ist, dürfe aber jeder, egal ob Mitterfeckinger oder nicht, sich am Angebot im Schrank bedienen. Dass es funktioniert, hat Ercan schon beobachtet: „Als ich am Montag von der Arbeit heimgefahren bin, waren gerade vier Personen am Schrank und haben gestöbert. Das macht dann schon stolz.“

So scheint der nächste Schrank wirklich nur eine Frage der Zeit zu sein. Eines schließt Ercan aber aus: „Auf Wanderschaft gehen wir nicht mehr.“

Eingeweiht wird der Schrank offiziell am 1. August, um 14 Uhr.

Feckinger Bücherschrank

  • Idee:

    Der Bücherschrank ist allen Menschen rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres zugänglich. Ohne Ausweis, ohne Bürokratie, kostenlos.

  • So funktioniert er:

    Bücher an Ort und Stelle lesen oder zu Hause; keine Ausleihfristen; zurückbringen oder behalten; ein anderes Buch einstellen - als das ist möglich.

  • Betreuung:

    Der SPD-Ortsverein Mitterfecking kümmert sich um den Austausch und das Nachfüllen der Bücher und hält den Schrank in Schuss. (nb)

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