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Baum-Alarm

Gefürchteter Holzschädling entdeckt

Im Kelheimer Hafen ist der „Asiatische Laubholz-Bockkäfer“ gefunden worden. Jetzt wird dort großräumig weitergesucht.
Von Martina Hutzler

Eine Försterin zeigt ein  präpariertes Exemplar des Asiatischen Laubholz-Bockkäfers (ALB) und ein Stück Holz mit dem charakteristischen Ausbohr-Loch dieser Tiere.
Eine Försterin zeigt ein präpariertes Exemplar des Asiatischen Laubholz-Bockkäfers (ALB) und ein Stück Holz mit dem charakteristischen Ausbohr-Loch dieser Tiere. Foto: dpa

Kelheim.Im Hafen Kelheim-Saal ist der „Asiatische Laubholz-Bockkäfer“ (ALB) festgestellt worden, einer der weltweit meist-gefürchteten Holzschädlinge. Entsprechende Informationen unserer Zeitung hat die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bestätigt. Es handelt sich um den aktuell vierten Fall in Bayern. Eingeschleppt wurde das Tier vermutlich mit Verpackungsholz aus Asien.

Derzeit hoffen Forstexperten, dass die isolierte Lage des Fundorts – umgeben von Wasser sowie Industrie- und Gewerbeflächen – den eher trägen Käfer an der weiteren Ausbreitung bislang gehindert hat. Unabsehbar wären die Folgen, falls er sich auch schon in benachbarte Siedlungs- und Waldgebiete eingenistet hätte. Im Gemeindebereich Feldkirchen bei München zum Beispiel, wo der ALB 2012 entdeckt wurde, fanden großflächige Fällaktionen statt.

Bei Routine-Kontrolle entdeckt

Weil ALB und weitere Schädlinge als „blinde Passagiere“ unter anderem in Schiffscontainern durch die Welt reisen, finden auch im Kelheimer Hafen regelmäßig „phytosanitäre Kontrollen“ statt, um solche Schädlinge zu entdecken. Bei einer dieser Kontrollen, die eigentlich der Verpackung von Granit-Importware galt, warf der zuständige Förster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten (AELF), Alexander Hönig, vorige Woche vorschriftsgemäß auch einen Blick auf die Laubbäume neben dem Umschlag-Platz. Und entdeckte an einem Ahorn Hinweise auf den Käfer, der ausgewachsen fast bis vier Zentimeter groß wird.

Zu sehen war indes nicht der Käfer, sondern dessen verräterisch typische Bohrlöcher. Hönig informierte umgehend die LfL. Sie rückte tags darauf zur Probenahme an, schildert Frank Nüßer. Er leitet die Arbeitsgruppe ALB-Bekämpfung am LfL-Institut für Pflanzenschutz. In einem Ast des Ahorns fanden die LfL-Experten dann tatsächlich eine Larve; deren DNA wurde im Labor untersucht. Seit dieser Woche ist es amtlich: Es war die Larve eines Asiatischen Laubholz-Bockkäfers. Der Größe nach zu urteilen, wäre sie heuer wohl geschlüpft, erklärt Nüßer. In unserem Klima dauert es rund zwei Jahre von der Eiablage bis zum „fertigen“ Käfer; so lange also hat sich das Tier vermutlich im Baum großgefressen. In den ersten Jahren eines Befalls ist dem Baum wenig anzumerken; allenfalls fallen mal abgestorbene Äste herunter. Später stirbt der Baum ganz ab; meist erst dann suchen sich die Tiere einen neuen Wirtsbaum.

Rund um den Erstfund im Kelheimer Hafen wurden laut Nüßer weitere Ahornbäume mit Bohrlöchern entdeckt. Nun muss das genaue Ausmaß des Befalls ermittelt und die Bekämpfungsstrategie festgelegt werden, schildert der Forstwissenschaftler. In den nächsten Tagen und Wochen suchen Menschen und speziell ausgebildete Hunde alle Laubbäume und -gehölze ab, in einem Radius von 100 Metern rund um den Fundort.

Dies ist die so genannte „Befallszone“. In ihr müssen alle Bäume gefällt, gehäckselt und verbrannt werden, in denen sich der ALB potenziell entwickeln könnte. In Bayern sind das alle Gehölze (ab einem Zentimeter Stammdurchmesser) aus 16 Baumgattungen. Dazu zählen etliche weit verbreitete und wirtschaftlich bedeutsame wie Ahorn, Buche, Esche, Birke, Weide, Linde, Ulme.

Über die Befallszone hinaus wird noch eine Pufferzone mit weiteren 2000 Metern Radius ausgewiesen, schildert Dr. Peter Nawroth vom LfL die Vorgehensweise, wie sie an früheren Fundorten etwa im Landkreis München schon praktiziert wurde. Auch in der Pufferzone wird in den nächsten Monaten intensiv auf etwaigen Befall untersucht.

Quarantäne-Zone wird eingerichtet

Befalls- und Pufferzone zusammen bilden die Quarantäne-Zone. Unter anderem dürfen dorthin oder dort heraus die genannten Laubbäume und ihr Holz nur unter strengen Auflagen transportiert werden. All dies wird noch in einer „Allgemeinverfügung“ festgelegt, die das LfL erlassen wird.

Grundlagen dafür sind das bundesweite Pflanzenschutzgesetz und EU-weite Festlegungen zur Bekämpfung des ALB. Die Behörden wollen eine Ausbreitung des Käfers in jedem Fall verhindern und ihn dort, wo er entdeckt wird, wieder ausrotten. Nicht zuletzt wegen der großen wirtschaftlichen Schäden, die ansonsten drohen würden. Dabei, so Nüßer, arbeite man eng mit den beteiligten Behörden und Fachstellen zusammen, wie AELF, Landratsamt, Gemeinden und Hafenverwaltung.

Forstleute verfolgen gespannt die Nachrichten aus dem Kelheimer Hafen. „So lange der Befall nur den Hafen betrifft, dürfte das keine allzu große Aktion werden“, wagt Ottmar Kürzl, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Kelheim-Thaldorf eine erste vorsichtige Einschätzung. Anders würde es aussehen, wenn sich das betroffene Gebiet ausweitet. In jedem Fall werde man dann die Waldbesitzer unterstützen, verspricht er.

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Weltweit gefürchtet

  • Wirtsbäume

    Der Asiatische Laubholz-Bockkäfer (ALB) ist nicht wählerisch bei der Wahl seiner Wirte. Weltweit wurde er an Laubbäumen aus fast 30 verschiedenen Gattungen nachgewiesen. Viele davon gibt es auch in Deutschland, z.B. Ahorn, Birke, Hasel, Buche, Esche, Pappel, Birne und Apfel, Linde, Ulme, Vogelbeere.

  • Entwicklung

    Das erwachsene Käfer-Weibchen legt von Sommer bis Spätherbst Eier unter die Rinde von Laubbäumen. Die Larven, die daraus schlüpfen, bohren sich fressend ins Holz ein. Das Larvenstadium dauert in unserem Klima etwa zwei Jahre; danach verpuppen sich die Larven und wandeln ihren Körper zum erwachsenen Käfer um. Als solcher frisst er sich wieder aus dem Holz heraus und erzeugt dabei ein charakteristisch kreisrundes Ausbohrloch.

  • Vorkommen

    Der Käfer stammt ursprünglich aus Ostasien. Durch den globalen Warenverkehr ist er aber mittlerweile sowohl nach Europa wie auch nach Amerika eingeschleppt worden; meist durch Verpackungsholz.

  • Gefahr

  • Gefahr

    Weil er alle möglichen Laubbäume befällt und bei stärkerem Befall zum Absterben bringt, gilt der ALB als besonders gefährlich. EU-weit gelten strikte Bekämpfungs-Vorschriften, sobald ein Befall festgestellt wurde.

  • Suche

    Der ALB gehört zu den Schädlingen, nach denen bei „Phytosanitären Kontrollen“ gefahndet wird: Forstbeamte überprüfen stichprobenartig Holzlieferungen und Importe mit hölzernem Verpackungsmaterial. Für letzteres gelten seit einigen Jahren eigentlich strenge Einfuhrvorschriften: Es muss zuvor entweder begast oder erhitzt worden sein, um Schädlinge abzutöten.

  • Bayern

    Im Freistaat wurde der ALB bisher an vier Stellen nachgewiesen. An zwei Stellen im Kreis München (Feldkirchen und Neubiberg) sowie einer im Kreis Günzburg (Ziemetshausen) läuft derzeit noch die Beobachtung und Bekämpfung. An der vierten Stelle bei Neukirchen am Inn gilt der ALB bereits wieder als ausgerottet. (hu)

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