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Politik

Mahnende Worte zum Auftakt

Hubert Aiwanger kam als stellvertretender Ministerpräsident zum Neujahrsempfang nach Saal. Er riet, alle Seiten zu hören.
Von Roland Kugler

Regiert seit der vergangenen Landtagswahl mit: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger trägt sich in das Goldene Buch der Gemeinde Saal ein. Foto: Kugler
Regiert seit der vergangenen Landtagswahl mit: Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger trägt sich in das Goldene Buch der Gemeinde Saal ein. Foto: Kugler

Saal.Der Neujahrsempfang in der Schulturnhalle war mit Mitte Februar zwar etwas spät, aber von vielen Bürgern, Gewerbetreibenden, ehrenamtlich Engagierten und Politikern besucht. Hubert Aiwanger kam nach Jahren in der Opposition erstmals als stellvertretender bayerischer Ministerpräsident. In seiner Rede ließ er auch mit parteiübergreifenden und selbstkritischen Tönen aufhorchen.

Ein Stelldichein der Politikvertreter

Groß war der Aufgalopp an Politprominenz, die auf Einladung von Bürgermeister Christian Nerb in die Donaugemeinde gekommen war. Gemeinderäte, Bürgermeister und Stellvertreter aus Nachbargemeinden, Landrat und Stellvertreterin, Mitglieder des bayerischen Landtages und des Bundestages. Auch der frisch gebackene Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und stellvertretende Landesvater Hubert Aiwanger war nach Saal gekommen. Er hatte extra einen Flug früher aus Berlin genommen, um eine Festrede zu halten. Doch zuerst gab Bürgermeister Nerb seinen alljährlichen Rückblick auf die wichtigsten Geschehnisse in der Gemeinde, sowie einen Ausblick auf die Pläne für das laufende Jahr.

Licht und Schatten

Saal hat 5495 Einwohner, und dank der Bundesstraße 16, der nahen Autobahn, des Bahnhofs und des Hafens eine gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur, eine hohe Wirtschaftskraft und entsprechend gute Steuereinnahmen. „Wir haben 2018 viel erreicht, und wir wollen auch dieses Jahr wichtige Vorhaben umsetzen oder auf den Weg bringen“ sagte Nerb. Dabei betonte er das „wir“, und dankte den Gemeinderäten und der Verwaltung für ihre Unterstützung.

Auch 2019 gibt es viel Arbeit in Saal, wie den Anbau des Kindergartens, den Umbau des Bahnhofs und die Schaffung neuer Baugebiete.

Bevölkerung meldet sich zu Wort

Nerb gab aber auch zu, dass es bei einigen Vorhaben Ablehnung aus der Bevölkerung gibt. So wird die zukünftige Wasserversorgung der Gemeinde kontrovers diskutiert, und gegen ein geplantes Gewerbegebiet in Mitterfecking hat sich eine Bürgerinitiative gegründet.

Bürgerprotest

Mitterfeckinger sind gegen Gewerbegebiet

In der Waldsiedlung Mitterfecking soll ein Gewerbegebiet für zwei Unternehmen entstehen. Die Anwohner sind dagegen.

Darauf ging auch Hubert Aiwanger in seiner Rede „Erfolgreiche Politik mit den Bürgern“ ein. Aiwanger war ja bis zum Ende des Wahlkampfes im vergangenen Jahr durchaus einer, der markige und harte Töne anschlug. Vor allem an der CSU ließ er immer wieder kein gutes Haar. Dann ging er mit ihr eine Koalition ein und regiert jetzt als einer der Minister mit.

„Wir werden auch heute Fehler machen, die wir erst in der Zukunft erkennen. Doch dann ist es besser zu sagen hoppla, fahren wir zurück, bevor wir an die Wand fahren.“

Hubert Aiwanger, stellvertretender Ministerpräsident

Doch Aiwanger trat nicht als erfolgs- und machtbewusster Parteipolitiker auf, der jetzt endlich am Ziel ist. Er ließ in seiner Rede mit nachdenklichen und selbstkritischen Aussagen aufhorchen. „Politik soll nicht hinter verschlossenen Türen gemacht werden, sondern mit Beteiligung der Bürger. Und Politik muss sich auch korrigieren und umsteuern können“, sagte Aiwanger. Als Beispiele nannte er die Kehrtwenden zum Ausstieg aus der Atomenergie nach Fukushima oder die Rückkehr zum G 9. „Wir werden auch heute Fehler machen, die wir erst in der Zukunft erkennen. Doch dann ist es besser zu sagen hoppla, fahren wir zurück, bevor wir an die Wand fahren.“

Politik und Gesellschaft zum Nachdenken aufgefordert

Aiwanger will, wie er sagte, bei politischen Entscheidungen alle Seiten hören, und so gut es geht berücksichtigen. In der Kommunalpolitik ebenso wie in der Landes- und Bundespolitik.

Er forderte, mehr parteiübergreifenden Konsens zu suchen. Und mahnte die Verantwortlichen in der Politik ebenso wie die Gesellschaft zum Nachdenken, wenn es die nachfolgenden Generationen noch so gut haben sollen wie wir: „Die Kluft zwischen reich und arm wird größer. Noch mehr Wohlstand wird schwierig.“

Ernste und heitere Töne

Dass zu einem Neujahrsempfang auch heitere Töne passen, bewies die musikalische Begleitung durch die Damen der „Dur-Moll-Singers“ aus Oberfecking. Sie hatten bekannte Lieder auf Bairisch und mit Bezug auf Saal umgetextet. Da griff auch Christian Nerb, selbst begeisterter Musikant, gern zum Saxofon.

Schwarz bis zu den Dessous

  • Grußworte:

    Beim Saaler Empfang sprachen Grußworte: MdL Petra Högl (CSU), MdL Dr. Hubert Faltermeier (FW), Landrat Martin Neumeyer, MdB Nicole Bauer (FDP) und MdB Florian Oßner (CSU).

  • Humor:

    Herausragend war die Ansprache von Bezirksrätin Hannelore Langwieser (CSU). Sie betonte trotz desroten Sakkos, das sie beim Empfang trug, schwarz bis zum Dessous zu sein ...

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