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Geschichte

Marsch des Lebens machte Halt in Saal

Überall machten sich Menschen zum Gedenken an den Holocaust auf den Weg nach Dachau. Auch in Saal wurde den Opfern gedacht.

Kniend bitten Günter und Wolfgang König (v.li.) Jakob Haiblum um Vergebung für die Taten ihres Vaters
Kniend bitten Günter und Wolfgang König (v.li.) Jakob Haiblum um Vergebung für die Taten ihres Vaters Foto: Schmidl

Saal.Neben der evangelischen Kirche, dort wo nach dem Krieg die Menschen aus dem örtlichen Lager begraben wurden, traf der „Marsch des Lebens“ mit Einheimischen zusammen. Von Hersbruck über Saal nach Dachau sollte symbolisch der Todesmarsch der KZ-Häftlinge nachempfunden werden, sagte Klaus-Dieter Dreyer vom Organisationsteam. Die Begegnungen mit weltlichen und kirchlichen Gemeinden auf dem Weg „wollen wir als Brückenschlag der Versöhnung“ verstanden wissen. „Ein klares Zeichen sollen möglichst viele Menschen für Frieden und gegenseitigem Respekt setzen“, so Dreyer.

Aufseher hetzten ihre Hunde auf sie

Sylvia Kühnl vom Arbeitskreis Heimatgeschichte Saal hatte sich mit dem Geschehen in der KZ-Außenstelle am Saaler Ringberg befasst und erzählte die bewegende Geschichte. Am 20. April 1944 seien die Menschen entweder zu Fuß weitergetrieben oder in offene Züge verfrachtet worden. Kranke seien zurückgelassen, die Erdbunker einfach angezündet worden. „Viele sind dort bei lebendigem Leibe verbrannt“. Dies habe sich erwiesen, bei der Lagerauflösung. Auf die 150 zu Fuß getriebenen Menschen hätten Aufseher immer wieder ihre Hunde gehetzt. Die 350 Personen in den Zügen hätten tagelang so gut wie ohne Nahrung und Wasser auf die Abfahrt geharrt. Am 28. April 1945 seien die Amerikaner einmarschiert. Dann habe es noch 14 Tage gedauert, bis Pfarrer Alois Weber die Menschenleiber aus dem KZ auf dem Gelände gegenüber des Bahnhofes beerdigen konnte. Nach dem gemeinsamen Marsch zur Gedenkstätte im Friedhof, auf dem die Inhaftierten ihre letzte Ruhestätte fanden, mahnte Bürgermeister Christian Nerb jenes Grauen, „dass Begreifen übersteigt“, nicht zu vergessen. Nur wer die Erinnerung wach halte, könne dafür sorgen das in Zukunft „Rassenwahn und Massenmord nicht mehr passieren“. Überlebende wie Jakob Haiblum, der auch an diesem Tag in Saal war, seien ein Leben lang gezeichnet.

„Das der Abgrund des Bösen zum Alltag werden kann, ist unbegreiflich.“ Wie verhalten wir alle uns heute, in einer Gesellschaft in der Rassismus, bis hin zum tätlichen Angriff auf Asylsuchende, bedenkliche Formen annimmt? „Nie wieder darf der Mensch dem Menschen das Leben streitig machen“, schloss Nerb und hielt einige Minuten stilles Gedenken.

Öffentliche Entschuldigung

Günter und Wolfgang König bekundeten öffentlich „unser Vater ist bei der SS gewesen. Unsere Familie hat Mitschuld am Unglück so Vieler“. Auf Knien baten sie Haiblum, stellvertretend für alle Ermordeten, unter Tränen um Verzeihung. „Das Leid kann niemand mildern, vielleicht gelingt es aber die Herzen zusammen zu führen“, war ihre Bitte. Haiblum wünschte den Brüdern alles Gute.

Nach dem Pfarrer Andres Weiß ein Gebet gesprochen hatte, legt Haiblum, wie es im Jüdischen Glauben Brauch, einen Stein auf die Gedenkstätte, umarmte diese im Andenken an jene Toten, die er gekannt hatte. Im Rathaus konnte das Modell des Lagers, von Peter Schmoll nach einer Luftaufnahme erstellt, angeschaut werden. Vor der Verköstigung erinnerte Birgit Eisenmann an ihre Diplomarbeit über das KZ in Saal und an gemeinsame Stunden mit der Familie Haiblum. (xes)

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