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Eierlikör finanziert Tierliebe

Die Tierfreunde Abensberg/Siegenburg engagieren sich ehrenamtlich fürs Tierwohl – die Vorsitzende zahlt privat dabei drauf.
Von Benjamin Neumaier

Alexandra Böhmer (l.) und Eva Bürger von den Tierfreunden Abensberg/Siegenburg. Foto: Neumaier
Alexandra Böhmer (l.) und Eva Bürger von den Tierfreunden Abensberg/Siegenburg. Foto: Neumaier

Siegenburg.Michi springt auf den Tisch, Done niest oben auf dem Schrank und Tascha erbittet lautstark von der Terrassentüre her Einlass. In der Wohnküche von Alexandra Böhmer herrscht immer rege Betriebsamkeit. Mitmehr als 40 Katzen und zwei Hunden teilt sich die Siegenburgerin ihren Haushalt. Das Haus der Vorsitzenden der Tierfreunde Abensberg/Siegenburg ist die aktuell einzige offizielle Pflegestelle des Tierschutzvereins.

Verein hat 20 Mitglieder

„Mehr können wir aktuell nicht leisten“, sagt Böhmer. „Wir haben zwar noch eine Pflegestelle für Vögel und Wildtiere in Ihrlerstein und eine für Meerschweinchen und Hamster in Saal, aber die gibt es auch nur wegen der Gutherzigkeit unserer Mitglieder.“ 20 Mitglieder sind es im noch jungen Verein, der im November 2017 ins leben gerufen wurde – Auslöser waren Unstimmigkeiten innerhalb der Tierhilfe Kelheim. Denn dort war Böhmer als auch viele andere Mitglieder der Tierfreunde vorher schon aktiv. „Es hat nicht mehr gepasst“, sagt Böhmer knapp, will nicht weiter auf das Thema eingehen. Im Oktober 2017 kam es zur Scheidung der Tierhilfe und einiger Mitglieder, die sich innerhalb nur eines Monats in den Tierfreunden selbst neu organisierten.

Ein Stand am Niklasmarkt

Zweite Vorsitzende Eva Bürger erinnert sich: „Zwei Gründe waren ausschlaggebend. Alexandra hatte noch rund 30 Pflegekatzen von der Tierhilfe, die sie aber nicht abgeben wollte. Die Pflege privat zu finanzieren, war aber nicht möglich. Zudem hatte die Tierhilfe den Stand mit Eierlikör-Verkauf am Niklasmarkt aufgegeben – die Nachfrage war aber da. Wir sind eingesprungen.“

Vorher musste aber eben ein e. V. gegründet werden. „Damals haben und einige Bekannte unter die Arme gegriffen, ohne die die Vereinsgründung so schnell nicht möglich gewesen wäre“, sagt Böhmer. Eine Bekannte schrieb die Satzung für den Verein, eine Nachbarin beute eine Homepage und „Matthias Rieger, der uns Mitglied ist, hat uns beim Vereinsrecht und notariellen Dingen geholfen“, sagt Bürger. Am 27. November 2017 wurde der verein Wirklichkeit. Seitdem hat sich viel getan.

Der Verein

  • Verein:

    Tierfreunde Abensberg und Umgebung e. V. ist ein Verein in Siegenburg, der sich für den Tierschutz einsetzt. Der Verein unterhält mehrere Pflegeplätze, für Hunde und Katzen, Klein- und Wildtiere. Der Verein übernimmt Tiere aus tierschutzwidrigen Haltungen.

  • Internet:

    www.tierfreunde-abensberg.de

„Wir sind voller Elan gestartet, wurden aber relativ schnell ausgebremst“, sagt Böhmer. Mit nur einer Pflegestelle und der Tatsache, dass beinahe alle Mitglieder noch voll im Arbeitsleben stehen, war schnell das Ende der Fahnenstange erreicht. „Wir haben uns dann selbst auferlegt, in kleinen Schritten zu denken“, sagt Böhmer. So ist es bis heute geblieben. Deswegen sind die Tierfreunde auch keine offizielle Auffangstation für hilfsbedürftige Tiere, wie etwa die Tierhilfe, die Verträge mit Kommunen im Landkreis hat. „Denn eigentlich sind ja die Kommunen für hilfsbedürftige Tiere zuständig. Das wird aber eigentlich überall in Deutschland über solche Kooperationsverträge gelöst“, sagt Bürger. Soweit sind die Tierfreunde noch nicht – wenn sie es überhaupt einmal so weit bringen wollen. „Wir fahren gut damit, so wie es jetzt läuft“, sagt Böhmer und schiebt hinterher: „Wir nehmen gerne Tiere auf, jeder kann sich melden – wir müssen aber aktuell oft absagen. Unser Kontingent ist mehr als voll.

10 000 Euro privat investiert

Zum einen vom Platz her und auch finanziell. 10 000 bis 15 000 Euro erwirtschaften die Tierfreunde durch Spenden, Mitgliedsbeiträge oder eben dem Verkauf von Eierlikör beim Niklasmarkt, Abensberger Bürgerfest oder Kunstnachtmarkt. Doch das reicht nicht. „Im vergangenen Jahr habe ich etwa 10 000 Euro selbst reingesteckt“, sagt Böhmer. Der Grund: Viele der Pflegetiere sind krank, verbringen teils ihren Lebensabend bei Alexandra Böhmer. „Die sind nicht mehr zu vermitteln - aber sie sollen es gut haben“, sagt Böhmer.

40 Katzen pflegt Alexandra Böhmer zu Hause:

Vermittelt hat sie bisher drei Hunde und 15 Katzen – „eine gute Quote für unseren kleinen Verein“, wie sie findet. Um diese zu steigern, bräuchte es mehr Mitglieder und vor allem Pflegestellen. „Aber dazu müssen wir auch unsere Einnahmequellen steigern und das ist sehr schwierig“, sagt Bürger. „Deshalb machen wir genau so weiter, wie bisher. Und was kommt, das kommt.“

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