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Geburtstag

Auch mit 75 kein bisschen leise

Wildenbergs Altbürgermeister Erwin Filser feierte seinen 75. In seinem Unruhestand widmet er sich der Heimatgeschichte.
von Roswitha Priller

An seinem Schreibtisch verfasst Filser seine umfangreichen heimatgeschichtlichen Dokumentationen. Mit dem PC ist er bestens vertraut. Foto: Priller
An seinem Schreibtisch verfasst Filser seine umfangreichen heimatgeschichtlichen Dokumentationen. Mit dem PC ist er bestens vertraut. Foto: Priller

Wildenberg.Kürzlich feierte Erwin Filser, der Altbürgermeister von Wildenberg, seinen 75 Geburtstag. Unter den zahlreichen Gratulanten waren neben Freunden, Verwandten und Nachbarn auch Ortspfarrer Dr. Benjamin Kasole Ka-Mungu, Landrat Martin Neumeyer (CSU) sowie zweiter Bürgermeister Winfried Roßbauer (CSU). Dass er einmal über 28 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Wildenberg lenken würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. „Ich wurde im Kriegsjahr 1943 am 21. August morgens um 3 Uhr im Siegenburger Krankenhaus geboren“, erzählte Filser. Er hat noch einen acht Jahre älteren Bruder Markus. Sein Vater kehrte erst 1947 aus russischer Gefangenschaft zurück. Der Wohnort der Familie war damals schon „Am Siegbach“ in Pürkwang. Filser lebt mit seiner Frau Marianne nach wie vor in seinem Elternhaus.

Bürgermeister

Von 1972 an war der stets an der Geschichte seiner Heimat interessierte Filser im Wildenberger Gemeinderat. Von 1984 bis Juli 2012 wurde er für die Freien Wähler erster Bürgermeister der Gemeinde. Filser musste aus gesundheitlichen Gründen im Sommer 2012 sein Amt aufgeben. „Der Vorteil war, dass ich von da an Zeit hatte, meinem Hobby der Heimatgeschichte intensiv nachzugehen“, sagte er. Wehgetan habe es schon am Anfang, nicht mehr die Geschicke von Wildenberg zu leiten. „Glücklicherweise war ich gleich drei Monate zur Reha in Murnau. Da konnte ich ein bisschen Abstand gewinnen“, meinte der Jubilar rückblickend. Am meisten Freude habe er während seiner Amtszeit an den Trauungen gehabt. „Es dürften in den 28 Jahren so an die 200 gewesen sein.“, meinte er schmunzelnd.

Der Gedenkstein wurde am 1. Mai 2016 auf Initiative von Filser und Georg Mühlbauer gesetzt und feierlich geweiht. Foto: Priller
Der Gedenkstein wurde am 1. Mai 2016 auf Initiative von Filser und Georg Mühlbauer gesetzt und feierlich geweiht. Foto: Priller

Schon immer war die Fotografie seine Leidenschaft. Das kommt ihm jetzt bei seinen aufwendigen Dokumentationen zu Gute. „Bereits mit 20 Jahren habe ich eine Spiegelreflexkamera von Voigtländer gehabt“, sagte er. So hat er auch viele, viele Fotos angesammelt.

Einige Tage im Staatsarchiv

Im Staatsarchiv von Landshut hat er schon einige Tage zugebracht, um wichtige Informationen über die Wildenberger Ortsgeschichte herauszufinden. „Man muss sich anmelden und genau sagen, was man sucht. Dann werden einem die entsprechenden Ordner bereitgestellt“, so Filser. Über die Boden- und Baudenkmäler der Gemeinde hat er nachgeforscht, die genaue Geschichte der Schule, aber auch über die Jungsteinzeit im Dorfbereich. „Ich habe Zeit, mich damit zu beschäftigen. Es soll nicht in den Archiven in Vergessenheit geraten. Außerdem macht es mir viel Spaß“, so Filser zu seiner Motivation.

Der Heimatforscher Erwin Filser

  • Wildi:

    Des jungsteinzeitliche Skelett wurde während der Amtszeit Filsers bei der Erschließung eines Baugebietes entdeckt und geborgen. Der Fund war 1991 eine Sensation. Auf Beantragung Filsers wurde das Skelett 2016 aus München nach Wildenberg zurückgebracht.

  • Gedenkstein:

    Der Gedenkstein erinnert an die erste urkundliche Erwähnung von Pürkwang im Jahre 730, damals noch mit dem Namen „Pirchinwanch“. Der Gedenkstein wurde am 1. Mai 2016 auf Initiative von Filser und Georg Mühlbauer gesetzt und feierlich geweiht.

  • Feuerwehr:

    Anlässlich des 140. Gründungsjubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Wildenberg 2015 stellte Filser eine umfassende Fotoausstellung und Dokumentation im Keller der Gemeindekanzlei zusammen. Auf dem Bild sind die Kommandanten und ihre Stellvertreter seit 1875.

  • Schulhaus:

    Die Geschichte des Pürkwanger Schulhauses von 1880 liegt Filser ebenfalls sehr am Herzen. Hier im Bild ist das Gebäude der jetzigen Grundschule ungefähr im Jahr 1955. 1946 wurde auch das heutige Pfarrheim zum Schulhaus für die evangelischen Flüchtlingskinder.

Neben dem Aufspüren von historischen Details hat er aber auch einen ausgeprägten Sinn für Sagen, Legenden und Geschichten.

Hier kommt ihm auch sein Gedächtnis zugute. „Ich wußte, dass die ,Heimatlichen Blätter‘ aus Rottenburg Legenden abgedruckt haben und habe von Pia Herzog Exemplare davon erhalten“, so Filser. Sobald er genügend Material gesammelt hat, setzt er sich an seinen Computer und verfasst ein neues Heft zum Thema.

Die Liste ist schon lang. Neueste Projekte sind „80 Jahre Kindergarten Wildenberg“, „Die Kesling: Vom Schloss zum Altersheim“ oder eben „Sagen, Legenden, Erzählungen und andere Geschichten aus dem alten Landkreis Rottenburg“. Wenn man ein solches Heft in die Hand bekommt, kann man es so schnell nicht mehr weglegen. So interessant, spannend und auch oft unterhaltsam ist das zusammengetragene Wissen.

Dem „Wildi“ auf der Spur

„Ich möchte, dass auch unsere Kinder die alten Geschichten noch kennen und einen Zugang zur Ortsgeschichte bekommen.“ Deswegen hat der Altbürgermeister eigens ein Heft über die Jungsteinzeit und das in Wildenberg gefundenen Skelett „Wildi“ auch für die Grundschüler verfasst und kostenlos verteilt. „Die Zusammenarbeit der Schüler mit Herrn Filser während unserer Projektwoche Steinzeit war enorm bereichernd“, lobte damals Grundschullehrerin Tanja Hendlmeier.

Der Wildenberger „Wildi“ Foto: Priller
Der Wildenberger „Wildi“ Foto: Priller

Aber auch am aktuellen Geschehen ist Erwin Filser nach wie vor sehr interessiert. Sobald es das Wetter erlaubt, ist er mit seinem Rollstuhl im Dorf unterwegs. „Um die Daten ,meiner Trauungen‘ zu bekommen, bin ich mit dem Rollstuhl bis nach Siegenburg gefahren“, meinte er schmunzelnd. Die Hochzeitspaare bekommen zu ihren Jubiläen vom Altbürgermeister eine persönliche Gratulation. „Erst neulich hat mir wieder jemand gesagt, dass sie den Tag sonst vergessen hätten“, erzählte er. Mit seiner Frau Marianne ist er 46 Jahre verheiratet. Sie haben zwei Kinder und vier Enkel. „Ohne Marianne würde das alles nicht gehen“, sagte Filser lächelnd.

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