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Tradition

Ein Lehrer mit 95 Jahren

Wer in Schweinbach einen Reisigbesen braucht, geht zu Anton Mies. Jetzt gab er sein Wissen in einem Kurs weiter.
von Roswitha Priller

Anton Mies beherrscht die Kunst des Besenbindens. Ein Bündel Birkenreiser ist der Anfang. Foto: Roswitha Priller
Anton Mies beherrscht die Kunst des Besenbindens. Ein Bündel Birkenreiser ist der Anfang. Foto: Roswitha Priller

Wildenberg.Die Schweinbacher wissen einen guten Reisigbesen sehr zu schätzen. Aus jungen Birkenschösslingen muss der sein, gut in der Hand liegen, schön dicht gebunden und die Länge sollte auch passen. „Für bestimmte Arbeiten ist der Reisigbesen am besten. Ich nehm‘ den sehr gerne her“, sagt Elfriede Runge. Nur, woher bekommt man noch so ein traditionell hergestelltes Kehrutensil? Runge geht, wie einige andere Schweinbacher auch, zu Anton Mies (95). Der hat seinerzeit das Besenbinden bei seiner ersten Arbeitsstelle als ganz junger Bursche schon gelernt. Und bis heute hilft er gern beim Binden, wenn jemand aus der Nachbarschaft einen Besen braucht.

„Beim Besenbinden ist es wie beim Sensen, wenn man das einmal richtig kann, verlernt man es nicht mehr“, erklärt Mies schmunzelnd. Das er übers Besenbinden mal zum Kursleiter wird, hat er sich damals als Fuhrknecht sicher nicht gedacht. Doch die rührigen Dorfbäuerinnen wollen selbst auch gerne lernen, wie das Besenbinden geht - und haben in Anton Mies den perfekten Lehrer gefunden.

Fürs Stroh sehr gut geeignet

Geschafft! Jeder hat einen schönen Besen. Foto: Roswitha Priller
Geschafft! Jeder hat einen schönen Besen. Foto: Roswitha Priller

Auch ein paar Männer haben Interesse an der alten Technik. „Wir diskutieren daheim immer, welcher Besen der beste ist. Mein Mann Hans schwört auf die Reisigbesen“, erzählt Kerstin Schales. Zum Stroh aufkehren beispielsweise gebe es nix Besseres, finden auch die anderen Teilnehmer. „Eigentlich ist das Besenbinden eine Arbeit für den Winter“, erklärt Mies am Anfang. Zu seiner Arbeit als Fuhrknecht auf dem Irlacher Priller-Hof habe das Besenbinden damals dazu gehört. Im Herbst wurden die „Bodngart“ - also die jungen Birkenschösslinge geschnitten. „Sobald das Laub weg ist, ist die richtige Zeit.“ Im Winter hat er dann in der Früh im Roßstall die Besen gebunden. Damals noch mit einer Weidengerte - das macht Mies heute mit einem festen Draht. „Das hält besser.“

Das Entscheidende beim Besenbinden ist, dass er möglichst streng gebunden ist, damit der eingeklopfte Stil hält und der Besen gut geführt werden kann. Hierfür hat sich Mies schon vor vielen Jahren eine Spannvorrichtung für den Draht bauen lassen. Aber als erstes müssen die Birkenschösslinge entastet werden.

„Nehmt‘s ein gutes Bündel – so, wie der Besen werden soll“

Anton Mies, Besenbinder

„Nehmt‘s ein gutes Bündel – so, wie der Besen werden soll“, erklärt er. Das lose zusammengebundene Reisig wird dann mit zwei engen Drahtschlingen streng gebunden. „Dafür braucht man Kraft.“ Dass er die noch hat, beweist Anton Mies gerne. Die Schlingen biegt er mit geschickter Hand, für jeden Schritt hat er das richtige Werkzeug. „Gar nicht so leicht“, meint Elfriede Runge. Aber mit Engagement und Geschick schafft sie es unter der aufmerksamen Aufsicht von Mies ihren Besen fest zu binden.

Den Stiel einklopfen

In das feste Bündel wird von Hand der Stiel eingeklopft, anschließend der Reisig auf gleiche Länge gestutzt. „So ein Besen hält ungefähr drei Wochen - wenn man ihn dauernd benutzt.“, Dann ist er ausgefranst. Der Stiel wird fürs nächste Bündel weiter verwendet. Ein paar Wochen sollte man die Reisigbündel vor Gebrauch einschweren. „Wie lange – na, bis man sie halt braucht“, lacht Mies. Ganz stolz sind alle mit ihren schönen Besen. Beim Aufräumen wird der Praxis-Test gleich bestanden.„Ich rast‘ jetzt ein bisserl aus, das darf ich in meinem Alter“, meinte Mies. Und schob kurz darauf schon wieder den Schubkarrn über den Hof.

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Das Besenbinden

  • Reisig:

    Die jungen Birkenschösslinge werden im Herbst geschnitten.

  • Entasten:

    Mit einer Schere am unteren Ende die kleinen Äste wegschneiden.

  • Bündel:

    Ein Bündel vorbinden und dann streng zusammenbinden.

  • Fertig:

    Einkürzen, Stil einklopfen und bis zum Gebrauch „einschweren“

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