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Gemeinderat

Fremdwasser nicht zu stoppen

Kanalsanierung und die Planung der neuen Kläranlage bewegten die Gemüter. Ein Konzept für einen Dorfladen wurde vorgestellt.
Von Roswitha Priller

Bevor es mit der Kläranlage weitergeht, findet eine Bürgerversammlung statt. Foto: Roswitha Priller
Bevor es mit der Kläranlage weitergeht, findet eine Bürgerversammlung statt. Foto: Roswitha Priller

Wildenberg.Rund 50 Prozent Fremdwasser belasten momentan das Wildenberger Kanalsystem. Eine Sanierung scheint unausweichlich. Neben Möglichkeiten zur Kanalsanierung stellten die Planer vom Ingenieurbüro WipflerPlan ihre Konzeptionen für eine neue Kläranlage vor. Hierzu hatte Bürgermeisterin Marion Schwenzl den Gemeinderat vergangene Woche zu einer öffentlichen Sondersitzung geladen.

Die Tagesordnung, zu der auch die Vorstellung eines Dorfladens für Wildenberg durch das Willersdorfer Ehepaar Ronny und Petra Rütz gehörte, fand bei der Bevölkerung so großes Interesse, dass die räumliche Kapazität des Sitzungssaales nahezu ausgeschöpft war. Zu Beginn der Sitzung verlas die Bürgermeisterin einen offenen Brief der Schweinbacherin Maria Schlögl, in dem diese die Räte ermahnte, bei der Konzeption der Kläranlage die Nachhaltigkeit sowie Wirtschaftlichkeit nicht zu vergessen sowie an die zukünftigen Generationen zu denken. Bei einem Bürgerantrag vom August 2018 über eine Naturkläranlage für die Ortsteile Schweinbach und Irlach war Schlögl Mitinitiatorin. Der Antrag wurde von 80 Bürgern unterschrieben, aber letztendlich vom Gremium abgelehnt.

Komplettbefahrung empfohlen

Franz Kühr vom Ingenieurbüro stellte einige exemplarische Ergebnisse aus der Kanaluntersuchung vor. An insgesamt fünf Punkten im Kanalnetz gab es Untersuchungen mit der Kamera. Kühr empfahl eine Komplettbefahrung des Netzes, um sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Dann müsse entschieden werden, ob eine „geschlossene Sanierung“ ausreichend sei. Mit einem sogenannten Rohr-in-Rohr-Verfahren könne der Kanal abgedichtet und gleichzeitig auch statisch ertüchtigt werden. Zuvor müssten Kalkausblühungen mit einem Fräsroboter entfernt werden.

Prinzipielle Voraussetzung für diese Form der Sanierung sei ein noch runder Kanalquerschnitt. Die Sanierung sei um die Hälfte bis ein Drittel günstiger gegenüber dem Kanalneubau. „Auch nach einer erfolgreichen Sanierung wird der Fremdwasseranteil nicht bei Null sein“, erklärte Kühr. Insgesamt empfahl der Planer, die Kanalsanierung in sinnvollen Einzelprojekten abzuarbeiten. Konrad Kuffer und Joachim Maßow stellten ihre Vorentwürfe für die Klärung des Wildenberger Abwassers vor. In allen drei Modellen wird von einer Kläranlage für den gesamten Gemeindebereich von Wildenberg ausgegangen. Der Standort soll bei den jetzigen Klärteichen verbleiben.

Der Dorfladen

  • Konzept:

    Lebensmittel für den täglichen Bedarf, Schreibwaren, Postfiliale, Getränke, saisonal, regional und ohne Verpackung

  • Service:

    Einkaufen erleichtern mit Barrierefreiheit und Lieferservice

  • Standort:

    Grundstück am Dorfplatz (Zirngibl-Anwesen)

  • Investition:

    Gebäudebau selbstfinanziert, Grundstück in Erbpacht

Auftagsgemäß wurde eine Pumpleitung nach Siegenburg nicht in die Betrachtungen miteinbezogen. Das sogenannte Belebungsverfahren (mit und ohne Schlammstabilisierung), das Sequencing Batch Verfahren (SBR) und eine Teichkläranlage mit Wirbel-Schwebebett wurden für jeweils 1700 und 2000 Einwohnerwerte (EW) gegenübergestellt. Bei den ersten beiden Varianten ist von Gesamtkosten für den Bau der Anlagen für 1700 EW von gut drei Millionen Euro auszugehen. Die dritte Variante käme mit geschätzten 2,835 Millionen Euro etwas günstiger. Wobei hier auf einen der vorhandenen Klärteiche zurückgegriffen wird, dessen Zustand eine gewisse Unwägbarkeit darstellt. Auch könnte hier die komplette Stickstoffelimination im Winterbetrieb kritisch werden. Jeweils gut 100 000 Euro mehr müssten für alle drei Anlagen bei 2000 EW veranschlagt werden.

Bürgerversammlung geplant

Bevor weitere Planungen in Auftrag gegeben werden, findet zeitnah eine Bürgerversammlung statt. Georg Hermann mahnte erneut an, dass keine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt durchgeführt worden sei. Vor allem die wirtschaftliche Betrachtung über eine Pumpleitung nach Siegenburg im Gegensatz zum Kläranlagenneubau sei nicht betrachtet worden.

Auch zweiter Bürgermeister Winfried Roßbauer sprach von einer „vergebenen Chance“, weil man sich nicht mit Siegenburg zusammengesetzt habe. Für eine prozesssichere Anlage setzte sich Mario Geisberger ein.

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