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Abensberger Brandstifter: keine Berufung

Die Jugendstrafe gegen den 21-Jährigen, der 2018 die Abensberger Asylunterkunft anzündete, hat wohl doch Bestand.
Von Martina Hutzler

Der Brand in der Unterkunft im Bad Gögginger Weg löste im August 2018 einen Großeinsatz aus; die Bewohner mussten vorübergehend evakuiert werden. Foto: Auer/ Archiv
Der Brand in der Unterkunft im Bad Gögginger Weg löste im August 2018 einen Großeinsatz aus; die Bewohner mussten vorübergehend evakuiert werden. Foto: Auer/ Archiv

Abensberg.Der Prozess um die schwere Brandstiftung in einer Abensberger Asylunterkunft wird wohl nicht neu aufgerollt. Der Anwalt des bereits verurteilten Täters hat am Montag den Berufungsantrag kurz nach Prozessbeginn zurückgenommen. Das Gericht wollte seiner Verteidigungsstrategie nicht folgen.

Mit drei Jahren Jugendstrafe hatte das Jugendschöffengericht Regensburg vor anderthalb Jahren geahndet, dass der heute fast 21-jährige Flüchtling im Sommer 2018 in seiner eigenen Asylunterkunft im Bad Gögginger Weg einen Fünf-Liter-Benzinkanister verschüttete und ein Feuerzeug hinhielt – obwohl sich an dem späten Abend dort etwa 70 Menschen aufhielten, einige schon schlafend. Sie hatten das Riesenglück, dass das Feuer relativ schnell erlosch und sich nicht größer in dem Gebäudekomplex ausbreitete. So blieb es bei Sachschaden durch den starken Rauch und Ruß.

Das Feuer löste einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus.

Hier sehen Sie das Video vom Einsatz damals:

Brandstiftung in Abensberger Asylunterkunft

Der mutmaßliche Täter floh mit dem Fahrrad vor der Großfahndung; tags darauf aber beichtete der Mechatronik-Azubi die Tat seinem Arbeitgeber, wurde verhaftet und kam in Untersuchungshaft. In erster Instanz gestand er die Tat: er sei von anderen Bewohner angefeindet und bestohlen worden, sagte er damals aus. Am Montag nun wurde er erneut aus der Untersuchungshaft ins Regensburger Landgericht gebracht, in Handschellen und begleitet von zwei Beamten.

Aus der U- wird nun wohl Strafhaft, und dann womöglich ein Rückflug in sein Heimatland Afghanistan. Denn die Berufung gegen die Jugendstrafe ist vom Tisch. Und Revision werde man wohl auch nicht mehr einlegen, kündigte Verteidiger Shervin Ameri am Rande des Prozesses an.

Lesen Sie hier unseren Bericht zum Urteil der ersten Instanz:

Ameri hatte zu Beginn des Berufungsprozesses am Regensburger Landgericht einen Antrag gestellt, der den Vorsitzenden der Jugendkammer, Holger Bluhm, und Staatsanwalt Biermann die Stirn runzeln ließ: Der Rechtsanwalt forderte, für die zweite Instanz ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen. Und zwar bei einem sowohl „kultursensiblen“ als auch kinder- und jugendpsychiatrisch spezialisierten Sachverständigen. Denn an der Begutachtung aus erster Instanz hegte Ameri „erhebliche Zweifel“.

Gutachten angezweifelt

Der Regensburger Rechtsanwalt vermutet bei seinem Mandanten eine posttraumatische Belastungsstörung, eine depressive und eine Borderline-Störung. Das aber, sowie der etwaige Drogenkonsum und kulturell geprägte Verhaltensweisen des jungen Afghanen seien im ersten Gutachten nicht oder nicht angemessen gewürdigt, begründete er seinen Antrag.

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Shervin Ameri (re.) und der Dolmetscherin
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Shervin Ameri (re.) und der Dolmetscherin

Richter Bluhm, der die Verhandlung leitete, kritisierte vor allem den Zeitpunkt des Antrags, nämlich erst zu Prozessbeginn. Und das, obwohl der Verteidiger ein Viertel Jahr zuvor schriftlich erklärt hatte, dass er für die zweite Instanz mit der Verwendung der Aussagen aus der ersten Instanz einverstanden sei. Das, erwiderte der Anwalt, habe sich nur auf die Tatzeugen bezogen, nicht auf den Gutachter – da fordere er ja eben einen neuen.

Psychologische Aspekte und ein möglicher Drogenkonsum kamen auch beim ersten Prozess schon zur Sprache:

Dafür hatte aber auch Staatsanwalt Biermann keinerlei Verständnis. Er betonte, der Erst-Gutachter, mittlerweile Vize-Chef der Forensik in Straubing, sei ausgewiesen sachkundig; ein Bedarf zur Korrektur seines Gutachtens „oder gar für einen neuen Gutachter“ sei daher nicht erkennbar.

Staatsanwalt vermutet Taktik

Dass der Anwalt dies dennoch fordere, sei vielleicht auch dem „möglichen Interesse an einem nicht zu schnellen Prozess-Ende“ geschuldet, mutmaßte der Staatsanwalt: Schließlich drohe dem Angeklagten nach rechtskräftiger Verurteilung womöglich die Abschiebung. Mit den drei Jahren Jugendstrafe sei der zur Tatzeit 19-jährige Angeklagte im Übrigen gut weggekommen, gab Biermann der Gegenseite zu bedenken. Und dachte seinerseits laut darüber nach, dass im Berufungsprozess ja auch eine Verurteilung nach (dem schärferen) Erwachsenen-Strafrecht geprüft werden könnte. Doch dazu wird es nun nicht kommen.

Unterscheidung

  • Brandstiftung:

    Schon bei „normaler“ Brandstiftung sieht das Strafgesetzbuch bei Erwachsenen eine mindestens sechsmonatige und bis zu zehnjährige Freiheitsstrafe vor. Die Tat kann sich dabei sowohl gegen Gebäude oder Betriebe richten als auch gegen Warenlager, Fahrzeuge, Wälder oder land- und forstwirtschaftliches Gut.

  • Schwere Brandstiftung:

    Setzt der Täter Räumlichkeiten in Brand, in denen Menschen wohnen oder sich zur Tatzeit üblicher Weise aufhalten, liegt schwere Brandstiftung vor; ebenso bei religiösen Gebäuden und immer, wenn er Menschen gefährdet. In dem Fall ist der Strafrahmen nach oben nicht begrenzt.

Die Jugendkammer lehnte den Antrag von Verteidiger Ameri ab: Die zwei Haupt- und zwei ehrenamtlichen Richter zweifelten weder an der Kompetenz des Gutachters, noch an dessen psychologischer Einschätzung des Angeklagten, dargelegt auf 68 Seiten.

Berufung zurückgezogen

Nach diesem eindeutigen Nein beratschlagte sich Anwalt Ameri nochmals mit seinem Mandanten. Um dann zu erklären, man ziehe die Berufung zurück.

Damit war das Verfahren zu Ende; die Kosten muss der Angeklagte zahlen. Ob er das Geld dazu noch in Deutschland verdienen kann, ist indes fraglich: Gut möglich, dass er während oder nach Verbüßung der Jugendstrafe nach Afghanistan abgeschoben wird.

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