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Initiative

In Kelheim gibt es bald Nette Toiletten

Gastronomen sollen ihre WCs der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und erhalten dafür einen Obulus von der Stadt.
von Benjamin Neumaier

In Kelheim soll es künftig „Nette Toiletten“ geben.
In Kelheim soll es künftig „Nette Toiletten“ geben. Foto: dpa

Kelheim.eder kennt es: Der Stadtbummel ist wunderschön, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da sich ein dringendes Bedürfnis meldet. Öffentliche Toiletten sind rar, und meist ist es peinlich, am Kellner vorbei eine Restaurant-Toilette anzusteuern. Jetzt gibt es eine Lösung –oder zumindest einen Lösungsansatz in Kelheim. Die nette Toilette. Wirte stellen ihre WCs der Öffentlichkeit zur Verfügung und erhalten dafür eine Entschädigung von Stadtseite.

Der Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur befasste sich auf Antrag der Stadträte Raimund Fries und Josef Weinzierl konkreter mit dem Thema. Fries forderte unter anderem, dass „die Stadt Kelheim in Kooperation mit dem Stadtmarketingverein die bundesweit sehr erfolgreiche Aktion Nette Toilette etabliere“. Als Gründe führte er unter anderem teure Pflege und Wartung öffentlicher Toiletten, ein flächendeckendes Netz an öffentlichen Toiletten und mögliche zusätzliche Kunden für Gastronomen an. „Es würde einen Benefit für alle geben und wäre zugleich eine positive Auszeichnung für Kelheim.“

Die öffentliche Toilette am Donautor soll geschlossen werden.
Die öffentliche Toilette am Donautor soll geschlossen werden. Foto: nb

Weinzierl, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses, ging sogar noch einen Schritt weiter. Er beantragte, die öffentliche Toilette am Donautor zu schließen. „Die Unterhaltskosten von 11 996, 15 Euro werden komplett eingespart und in einem Radius von 470 Metern gibt es weitere fünf öffentliche Toilettenanlagen. Außerdem könnte man durch die Aktion „nete Toilette“ eitere Kapazitäten schaffen. Es entstehen zwar Kosten durch Zuschüsse an beteiligte Gastronomen, diese werden aber durch die Einsparungen aufgewogen.“

Die Leute kommen sowieso schon

Die Wirte indes stehen der Idee nicht abgeneigt gegenüber. Erik Devesa vom Weißen Lamm: „Ich kann mir das grundsätzlich vorstellen, es ist keine schlechte Idee – man müsste mit der Stadt über die genauen Konditionen sprechen.“ Anette Scheck vom Café am Donautor sieht es ähnlich: „Die Leute kommen sowieso zu uns aufs Klo –käme die ,Nette Toilette‘, hätte es offiziellen Charakter und wir bekämen eine Entschädigung dafür.“

Die „Nette Toilette“ gibt es bundesweit schon in 220 Kommunen. Das Epizentrum der Bewegung liegt im schwäbischen Aalen und in der Werbeagentur „Studioo“. Wie die Jungfrau zum Kind kam das auf coole Firmenlogos und Kataloge spezialisierte Team zu dem Projekt, als die Stadt Aalen 2001 eine Lösung für grundlegende Bedürfnisse suchte. Auch Aalen wollte sich kein eigenes öffentliches Örtchen für 150 000 Euro leisten. Stattdessen gab es die Idee, Klos in Gaststätten zu nutzen. Die Zuschüsse an die beteiligten Gastronomen variieren dabei zwischen 0 und 100 Euro pro Monat. So zählt in der Stadt Eichstätt lediglich der Servicegedanke und die Gastfreundschaft, in nahezu allen anderen Städten fließt aber eine Ausgleichszahlung.

50 Euro pro Monat angedacht

In Kelheim solle die laut dem Beschluss des Gremiums, das sich einstimmig für die Einführung der Aktion „Nette Toilette“ und den damit verbundenen Rückbau der Toilette Donautor aussprach, 50 Euro monatlich betragen. Nimmt man 20 teilnehmende gastronomische Betriebe an –angedacht sind auch Betriebe außerhalb der Innenstadt, schlüge sich die Aktion mit 12 000 Euro pro Jahr nieder. Das entspricht dem Betrag, den die Kreisstadt durch die Schließung der Toilette Donautor einsparen würde. Zusätzlich fallen einmalige Kosten von 1290 Euro Lizenzgebühr an sowie einmalig 490 Euro für Plakate, Aufkleber und Flyer.

76 961 Euro beträgt der komplette finanzielle Aufwand der Stadt für die öffentlichen WC-Anlagen per anno. Das WC Aumühle – als einzige nicht ganzjährig, sondern geöffnet von April bis November – schlägt mit 8543,36 Euro zu Buche. Die Anlage Niederdörfl kostet 13 698,92 Euro, Wöhrdplatz 8525,80, das WC am Pflegerspitz gar 34 197,46 Euro. Besonders letzteren will Weinzierl drücken: „Die Toilettenanlage ist riesig, außerhalb von Großereignissen überdimensioniert. Doch alles muss gereinigt werden – das kostet Geld.“ Deshalb setzt sich Weinzierl für eine mobile Trennwand ein, die die zu reinigende Fläche in den Toiletten am Pflegerspitz stark reduziert. Zudem solle während der Wintermonate nur noch die kleine Herrentoilette geöffnet werden. Bewegungsmelder für die Beleuchtung sollen weiteres Geld einsparen.

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