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Geburtstag

Jubilar im Porträt – von A bis Z

Am Donnerstag feiert der Kelheimer Landrat Dr. Hubert Faltermeier seinen 65. Geburtstag. Vor Gratulationscouren ist er aber ins Gebirge geflohen.
Von Martina Hutzler

Wird am 14. August 65 Jahre: Landrat Dr. Hubert Faltermeier Foto: Brigitte Lindenstruth-Folwill

Kelheim.Mit wachsendem Alter prominenter Geburtstagskinder steigt für Journalisten die Schwierigkeit, bislang Unbekanntes aus dem Leben des zu Würdigenden ans Tageslicht zu fördern. Wir haben es bei Landrat Dr. Hubert Faltermeier, der am 14. August 65. Geburtstag feiert, mit einem Interview von A bis Z versucht.

Alte Römer:

„Latein macht erst beim zweiten Anlauf richtig Spaß!“ Mit manch weisem Lateinspruch in Kreistagssitzungen verrät er: Da vorne sitzt ein Latein-Versteher. Allerdings einer, der zunächst eher aus Kalkül denn aus flammender Liebe die Sprache der alten Römer gepaukt hat: „Für viele Studiengänge wie Medizin oder Jura war das Kleine Latinum einfach nötig.“ Echt Gefallen gefunden hat Faltermeier, als er mit seinen Söhnen paukte. Wobei die seine Begeisterung „a priori nicht geteilt“ hätten. Da können sich die drei Faltermeier-Enkel ja auf was gefasst machen…

B-Bau:

„Soll ich jetzt zwei Stunden über die Benachteiligung ländlicher Kliniken reden?!“ Das ockergelbe Gebäude der Goldberg-Klinik, „B-Bau“ genannt, ist der aktuelle Patient – Pflegebedarf haben die „Kreis-Krankenhäuser“ eigentlich dauernd. „Mei, jeder hat so seine Dauerbelastung“ – seine als Landrat sei es eben, „für die Infrastruktur im Landkreis zu kämpfen: Schule, Arbeitsplätze, Kliniken. Nur so kann der ländliche Raum prosperieren“. Dafür lohne sich der Einsatz.

Chefsessel:

„Meine Büroausstattung? Adäquat bis bescheiden. Und ich glaube, ich lasse mir den Chef nie raushängen.“ Was auch nicht nötig sei, angesichts „toller Mitarbeiter, mit Fachkompetenz, Rückgrat und Loyalität“. Nein, besondere Bedeutung habe das Chef-sein für ihn nicht, meint er nach kurzem Nachdenken.

Donaupark:

„Da liegt viel Herzblut drin.“ Dass „die Zellstoff“, Arbeitsplatz von Großvater, Vater und Verwandten, zugesperrt wurde, „war ein Schlag in die Magengrube“. Immerhin folgten „interessante Erfahrungen“, etwa die Bekanntschaft mit Landespolitikern wie Otto Wiesheu: „Geradlinig, hart, fair – den bewundere ich wirklich.“ Faltermeier verhehlt aber nicht, dass er selbst durchaus stolz ist, dem Staat das Geld für die Altlasten-Sanierung abgerungen zu haben. Der Kreis profitiert jetzt von der Grundstücksvermarktung. „Jetzt ist das eine Erfolgsstory. Aber es waren Höhen und Tiefen dabei.“ Er selbst hält den Donaupark immer noch vor allem für „einen Haupttreffer für die Stadt Kelheim – auch wenn das dort nicht immer so gesehen wurde.“

Erster Elfter 1992, Dienstantritt im Wittelsbacher Schloss:

„Meine Landratswahl war damals schon überraschend. Und die Kandidatur auch – die hatte ich nicht in der Lebensplanung.“ Im Gegenteil: Als sein Vater Rudolf Landrat war, hatte sich der Sohn noch geschworen, „niemals!“ „Immense politische Querelen, viele Stürme im Wasserglas und die zeitliche Belastung, die zwangsläufig zu einer Vernachlässigung der Familie führt“, schreckten ab. Mit 42 ließ er sich bekehren, von Freie Wähler-Emissären. Die trugen dem damaligen Juristen am Kultusministerium eigens in München die Kandidatur an. Ja gesagt hat er erst nach vorherigem Familienrat.

Fünfundsechzig:

„Viele gehen mit 65 – ich darf oder muss noch arbeiten, wie man’s nimmt…“ Weil gesundheitlich fit, „bin ich froh, im Amt zu sein“. Gemütliches Rentnerdasein also dann ab 2016, wenn die Amtszeit endet? „Ich habe auch mit 67 nicht vor, im Schaukelstuhl zu sitzen und Däumchen zu drehen.“

Geburtstagsparty:

„Ist derzeit ein heikles Thema bei Landräten…“ Bei ihm nicht; „ich habe Dienst und Privates immer striktest getrennt“. Und heuer fällt jegliche Party eh aus: „Ich flüchte ins Gebirge, mit meiner Familie“. Alle sind dabei, bis hin zur jüngsten Enkeltochter mit drei Monaten. Auch wenn letztere noch nicht viel vom geplanten Programm hat: „Bergwandern, gutes Essen, Rotwein“.

Heidi:

„Wir sind seit 42 Jahren glücklich verheiratet“, sagt er – und zählt sicherheitshalber nochmal genau nach. Seine ungezählten Abend- und Wochenend-Termine hat die Gattin ohne Schimpfen akzeptiert und auch, dass der Gemahl nicht immer allen Ärger im Büro lassen kann. Wiewohl politisch interessiert, redet aber Faltermeiers „Bessere Hälfte“ dem Landrat nichts ein. Oder allenfalls subtil: „Nach über 40 Jahren reicht schon ein dezenter Hinweis wie ,schlaf’ doch nochmal eine Nacht drüber’“.

Innenministerium:

„War eine tolle Zeit, an einer hochkompetenten Behörde“. Als Herausforderung und „gute Schule“ sieht er im Nachhinein seine dortigen Anfangsjahre als frischgebackener Jurist. Vor allem auch der zugehörige „Außeneinsatz“ als Staatsdiener am Erdinger Landratsamt – wo er acht Jahre den Neubau des Flughafens München als Sonderaufgabe betreute.

Jagdschein: „Ich bin durch die Liebe zur Jagd gekommen!“ Selber schuld: Wer sich mit 18 in eine Förstertochter verguckt, die mit 20, in guter Familientradition zum Jagdschein anlegt – der hat kaum eine Wahl: „Da macht man halt auch den Jagdschein.“ Gattin Heidi hat die Flinte mittlerweile ins Korn geworfen, aber ihre Begeisterung an die Söhne weitergegeben. Für ihren Mann sind die Stunden am Hochsitz a) „leider zu selten“ und b) vor allem „die Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen.“

Kaffee:

„Wird immer wichtiger.“ Ein heroischer Versuch, den Koffeinkonsum einzudämmen, scheiterte: Als Faltermeier bei einem Termin neben seinem Sohn saß und der Junior kurz aufstand, trank ihm der Senior kurzerhand die Tasse aus. Die Lust auf den süßen Trank ist übrigens gepaart mit der auf Kuchen – ach was: lieber gleich Torte: „süß, sahnig und fett!“

Landesbank:

„Hochinteressant, anspruchsvoll und zeitintensiv“ sei der neue Posten als Aufsichtsratsmitglied der Bayern-LB. Faltermeiers Mobilitäts-Zwangspause unlängst – eines Gipsfußes wegen – war da fast ein Segen: Zeit fürs Aktenstudium! Immerhin geht es bei der Landesbank gerne um Summen, von denen Sparkassenbuch-Besitzern schwindlig wird. Ja, dass gegen den früheren Aufsichtsrat im Zuge des HGAA-Bankkaufs sogar ermittelt wurde, „habe ich mir natürlich durch den Kopf gehen lassen. Aber einer muss den Job ja machen“. Und aus Jura- und BWL-Studium sowie Kreissparkassen-Verwaltungsrat „hat man ja eine gewisse Vorbildung“, urteilt Faltermeier über Faltermeier.

Macht:

„Interessiert mich eigentlich nicht.“ Er empfinde das Amt des Landrats nicht als Machtposition, jedenfalls „nicht im Sinne von: das drück’ ich jetzt durch’ oder ,dem hab ich’s jetzt aber gezeigt’“. Es erlaube allenfalls, „Sachentscheidungen vorzubereiten und umzusetzen“.

Namibia:

„Ein wunderbares Land; ich hätte durchaus mal wieder Lust, hinzureisen“. Es darf aber auch ein anderes Ziel sein. Vorbei sind zwar die Zeiten, als Familie Faltermeier im Wohnwagen Europa erkundete. Geblieben ist aber die Freude an B&B-Reiseziele: Baden und Besichtigen.

Opa-Rolle:

„Kommt leider zu kurz.“ Dabei seien drei gesunde Enkel wirklich „ein Glücksfall und Gottesgeschenk“. Großeltern- und Eltern-Rolle unterscheiden sich gemäß Faltermeierscher Definition in einem Buchstaben: „verziehen statt erziehen“. Die Kombination Opa, Enkel, Sand und Wasserpfütze münde grundsätzlich darin, dass Kinder und Kleidung reif für die Wäsche sind.

Paragraphen:

„Kein Selbstzweck, sondern die Basis für meine Arbeit.“ Aber eben nicht die einzige: „Als Landrat muss man auch Lösungen finden, wenn es zum Beispiel um Schicksale geht.“ Allzu forsch über Vorgaben hinwegsetzen gehe aber nicht. „Jeder schimpft zwar über Paragraphen, aber jeder erwartet Gleichbehandlung statt Willkür.“ Das Jura-Studium ab 1968 übrigens war ein väterlicher Wunsch, „aber ich habe die Entscheidung keine Sekunde bereut“. Seine eigenen Söhne schlugen gleichlautende Ratschläge in den Wind – beide wurden Mediziner.

Quotenregelung:

„Ich halte nicht viel von strikten Regeln“. Frauen seien mittlerweile zum Glück auf bestem Wege, „Jahrzehnte der Benachteiligung hinter sich zu lassen“. Da helfe aber keine Quote, sondern nur bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gerade für Alleinerziehende. „Ich bewundere Frauen, die beides auf die Reihe kriegen.“ Weshalb am Landratsamt „großzügigste Regelungen gelten“, wenn es etwa darum gehe, Kita-Schließzeiten zu überbrücken.

Rasenmäher:

„Ich bin der, der im Frühjahr drauf schaut, dass der Rasenmäher anspringt: Zündkerzen wechseln, Benzin nachfüllen und so“. Das war’s dann aber meist für den Rest der Saison mit dem Greenkeeper-Einsatz. Auch sonstige häusliche Tätigkeiten sind dem Familienoberhaupt großteils erlassen – aus Zeitgründen.

Schmalz:

„Wer ist das?“ Schweigen. Nein, mehr will er zum ÖDP-Kreisrat Peter-Michael Schmalz einfach nicht sagen…

Tagesgeschäft:

„Fremdbestimmung durch viele Rücksprachen, Termine und eine Unzahl von Sitzungen“, vom Kreistag bis zu Zweckverbänden, Gesellschaften, Beiräten. „Da muss man aufpassen, dass einem nicht die Zeit fehlt für strategische Überlegungen.“ Die findet er notfalls am Hochsitz – wenn’s ihm auch etwas peinlich ist, auf der Jagdkanzel Akten zu studieren. Reh und Wildsau wird’s freuen…

Urlaubsvertretung:

„Ist klar geregelt: Bis zu einer Woche ist Astrid Heuberger als ,Stellvertreterin im Amt’ zuständig, bei mehr als einer Woche der gewählte Stellvertreter“. Dass der seit heuer Martin Neumeyer heißt, CSU-Landtagsabgeordneter ist und unter anderem mal sein Gegenkandidat bei der Landratswahl war? „Wir pflegen eine faire Zusammenarbeit“, antwortet der Freie-Wähler-Landrat.

Vater sein:

„Zum Glück war ich den größten Teil der Erziehungszeit meiner Söhne noch nicht Landrat“: So sei ihm diese Zeit als prägende, weil intensive Jahre in Erinnerung.

Wittelsbacher:

„Ich hoffe, dass ich nicht ermordet werde!“ Allerdings habe Ludwig der Kelheimer ja auch als Herzog residiert im Kelheimer Schloss, bis ihn 1231 ein Dolch niederstreckte. „Ich arbeite hier nur.“

Xylofon:

„Musikalisch und gesangsmäßig krieg’ ich gar nichts auf die Reihe!“, räumt er freiweg ein. Das liege halt nicht in der Familie; nur ein Sohn spiele gut Klavier. Im Amte muss Behördensprecher Heinz Müller seine Rolle notfalls auf Gesang erweitern: etwa beim Anstimmen der Bayernhymne bei Einbürgerungsfeiern.

Yoga:

„No sports at all!“ So ehern wie Winston Churchill hält Hubert Faltermeier diese Lebensregel ein. Echt? Kein Heimtrainer? „Steht schön in der Ecke.“ Nie mit dem Radl in die Arbeit? „Höchstens zwei Mal im Jahr“.

Ziel:

„Dass das Leben so weitergeht wie bisher: privat, familiär, gesundheitlich und dienstlich.“ Seine Amtszeit endet 2016. Was dann bleiben soll von der Ära Faltermeier? „Arbeitsplätze, so weit man das als Landkreis beeinflussen kann; Bildung - Bildung - Bildung, mit allen kreiseigenen Schulen auf dem neuesten Stand; und: gesicherte Krankenhäuser.“

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