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Kelheims Landrat live im Corona-Gespräch

Von der besorgten Mutter bis zum skeptischen Einkäufer - viele nutzten die erste Leser-Sprechstunde der Kelheimer Redaktion.
Von Beate Weigert

Die Leser-Sprechstunde mit Landrat Martin Neumeyer war live auf der Facebook-Seite der Kelheimer Lokalredaktion zu verfolgen. Rechts mit im Bild Moderator, stellvertretender Redaktionsleiter, Benjamin Neumaier Foto: Weigert
Die Leser-Sprechstunde mit Landrat Martin Neumeyer war live auf der Facebook-Seite der Kelheimer Lokalredaktion zu verfolgen. Rechts mit im Bild Moderator, stellvertretender Redaktionsleiter, Benjamin Neumaier Foto: Weigert

Kelheim.Eines wurde bei der ersten Leser-Sprechstunde der Kelheimer Lokalredaktion der Mittelbayerischen am Donnerstagnachmittag, 26. März, live auf Facebook schnell klar: Es gibt ständig neue Aspekte, die die Menschen in der Region tief verunsichern. Landrat Martin Neumeyer beantwortete eine Stunde lang zahlreiche Fragen - von Corona-Tests bis Viktualienmarkt.

Der Kelheimer Markt wird am Samstag, 28. März, wieder stattfinden und ist auf unserer Facebook-Seite ein heiß diskutiertes Thema. So meldete sich auch ein Kelheimer bei Benjamin Neumaier. Der stellvertretende Redaktionsleiter moderierte das Live-Gespräch mit dem Landrat. Der Anrufer wollte wissen, wie es sein könne, dass man bei den verordneten Ausgangsbeschränkungen nun den Markt abhalten wolle, wo doch Menschenansammlungen klar zu meiden seien?

Sehen Sie hier die komplette Leser-Sprechstunde in unserem Video:

MZ-Lesersprechstunde mit Landrat Neumeyer

Abstand halten, Nies- und Hust-Etikette einhalten. Alles, was aktuell im Zusammenleben gelte, gelte auch beim Viktualienmarkt, antwortete Landrat Neumeyer. Es gehe darum, die Menschen mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Die Stände würden in größerem Abstand aufgestellt und selbstverständlich müssten auch die Einkaufenden den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten. „Dieser Abstand ist gut für mich und für den anderen“, so Neumeyer.

Landrat Martin Neumeyer zeigt den selbst genähten Mundschutz, den er von Amts-Mitarbeiterin Monica Brandl geschenkt bekam. Foto: Weigert
Landrat Martin Neumeyer zeigt den selbst genähten Mundschutz, den er von Amts-Mitarbeiterin Monica Brandl geschenkt bekam. Foto: Weigert

Er gab zudem zu bedenken, dass man in diesen Zeiten auch die Erzeuger aus der Region, so gut es geht, unterstützen solle. Auch im Supermarkt könne man sich gegenseitig zu nahe kommen.

Selbst genähter Mundschutz

  • Initiativen:

    Neumeyer zeigte auch einen selbst genähten Mundschutz, den er von einer Mitarbeiterin des Landratsamts geschenkt bekam. Es gebe schon einige Initiativen im Landkreis. Neumeyer rief dazu auf, dass sich noch mehr Hobby-Näher daran beteiligen, aus Baumwollstoffen Masken zu nähen. „Sie sind ein wichtiger Tropfen auf den heißen Stein.“

  • Wirksamkeit:

    Anca Rath, Assistenzärztin am Uniklinikum Regensburg für Krankenhaushygiene und Infektiologie sagte der Mittelbayerischen: Zwar gebe es zur Wirksamkeit solcher Masken keine offiziellen Daten. Sinnvoll seien sie allemal. Wenn sie aus dem richtigen Material genäht seien, könnten sie zum Schutz von Mitmenschen im privaten Gebrauch sinnvoll sein. Zwar sei der Schutz für den Träger gering. Jedoch könnten die Masken verhindern helfen, dass sich Tröpfchen mit Erregern verbreiteten.

Es gelte jetzt zusammenzuhalten und insbesondere auch einmal für vielen Mitbürger in den Supermärkten, „die für uns alle einen Knochenjob machen, ein nettes Wort, ein Lächeln, übrig zu haben“.

Insgesamt zollte der Kelheimer Landrat den Bürgern „großes Lob“. Die meisten seien „sehr vernünftig“. Sich an die Regeln zu halten, zuhause zu bleiben, sei nun das Wichtigste. „Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände.“ Meist reiche Seife dafür im privaten Umfeld völlig aus.

Die Mittelbayerische lud am 26. März 2020 auf Facebook zur ersten Leser-Sprechstunde ein. Gesprächspartner war Landrat Martin Neumeyer. Rechts mit im Bild Moderator Benjamin Neumaier Foto: Weigert
Die Mittelbayerische lud am 26. März 2020 auf Facebook zur ersten Leser-Sprechstunde ein. Gesprächspartner war Landrat Martin Neumeyer. Rechts mit im Bild Moderator Benjamin Neumaier Foto: Weigert

Noch sei nicht absehbar, wie lange die Situation andauern werde. Neumeyer warnte vor zu frühem Ablassen von den Regeln. Denn „wir sind noch nicht auf der Spitze der Welle“. Kurz vor der Leser-Sprechstunde war bekanntgeworden, dass die ersten beiden Landkreisbürger an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben waren. Neumeyers Einschätzung: „Wir werden uns noch auf mehr Fälle einstellen müssen.“ Jedoch bestehe kein Grund zur Panik. „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem, zum Glück zwei Krankenhäuser mit Isolierstationen und noch viele Betten in den Rehakliniken der Region.“

Pandemie

Der Krisenstab für den Tag X

Die „Gruppe Katastrophenschutz“ bereitet alles für massiven Corona-Ausbruch in Kelheim vor. Und geht von vielen Toten aus.

Fragen bezüglich Corona-Tests brannten gleich mehreren Lesern unter den Nägeln. Wie erfahren Arbeitgeber von einem infizierten Mitarbeiter, wollte eine Frau wissen. Sie dürften nicht beim Arzt oder beim Gesundheitsamt anrufen, so Neumeyer. Die Information müsse jeder Arbeitnehmer selbst weitergeben. Auch wer Quarantäne verordnet, bekäme, solle dies seinem Betrieb mitteilen. „Es geht hier um Solidarität“, so Neumeyer.

So arbeitet das Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt, das im Landkreis zuletzt personell aufgestockt worden sei, melde sich erst bei Unternehmen, wenn es um das Herausfinden von Kontaktpersonen mit Infizierten gehe.

Per Facebook-Post, Anruf oder E-Mail konnten die Leser der Mittelbayerischen Martin Neumeyer Fragen stellen. Rechts mit im Bild Moderator Benjamin Neumaier Foto: Weigert
Per Facebook-Post, Anruf oder E-Mail konnten die Leser der Mittelbayerischen Martin Neumeyer Fragen stellen. Rechts mit im Bild Moderator Benjamin Neumaier Foto: Weigert

Eine besorgte Mutter schilderte, dass ihre Tochter über Nacht Symptome wie starken Husten und Schnupfen entwickelte. Ihr Hausarzt habe sie jedoch gesagt, dass ihr Kind nicht getestet werde. Zuvor hatte dieser abgefragt, ob sich die Familie in einem Risikogebiet aufgehalten hatte und ob man mit einem Infizierten in Kontakt gekommen sei. Beides sei nicht der Fall, so die Frau. Dennoch bereiteten ihr die Symptome Sorgen.

Kelheims Landrat Martin Neumeyer stand Rede und Antwort. Foto: Weigert
Kelheims Landrat Martin Neumeyer stand Rede und Antwort. Foto: Weigert

Landrat Neumeyer nahm die Befürchtungen ernst, erklärte jedoch auch, dass nicht jeder einfach zu den Abstrichzentren fahren könne. Es gelte die Order, sich an den Hausarzt zu wenden. Der veranlasse gegebenenfalls einen Test. „Das ist der richtige Weg.“ Wenn sich der Zustand ihrer Tochter nicht bessere, solle sie sich erneut an den Hausarzt wenden.

Hier geht es zum Live-Post auf unserer Facebook-Seite:

Auch die Dauer von Tests wurde kritisiert. Warum man teils bis zu fünf Tage auf das Ergebnis warten müsse, und als Negativ-Getesteter überhaupt keine Antwort erhalte, wollten zwei weitere Leser wissen. Ein positives Ergebnis komme in der Regel schneller ein negatives, wusste der Landrat. Das Gesundheitsamt informiere nur über positive Testergebnisse, das sei richtig. Er bat um Verständnis, doch das Amt erreichten aktuell täglich an die 150 neue Anfragen. Man dürfe die Dimension nicht unterschätzen. Noch sei jedoch alles machbar.

Soll man die Polizei holen?

Ob man die Polizei holen solle, wenn man im öffentlichen Raum mehrere Personen zusammen sehe, beschäftigte einen weiteren Leser. Landrat Neumeyer: „Ich würde die Leute erst einmal ansprechen und sie bitten, sich an die geltenden Regeln zu halten.“ Denn es könne leicht sein, dass die Gruppe, bis eine Streife eintreffe, längst weitergegangen sei. Wer allerdings sogenannte Corona-Partys beobachte, solle dies in jedem Fall melden. „Da müssen wir hart durchgreifen.“

Aufregung

Landwirt: „Wir arbeiten für euch“

Der Abensberger Christian Holzer war allein mit seinem Traktor am Feld arbeiten. Dann fuhr eine Polizeistreife vor.

Auch die neuen Regeln für Beerdigungen, abgesagte oder noch anstehende Feste in der Region, ob das Landratsamt aktuell Bauanträge bearbeite oder fehlende Saisonarbeiter in der Landwirtschaft waren Thema. Für die Bauern gebe es teils bereits Hilfsangebote. Es hätten sich auch Asylbewerber für die Arbeit auf den Feldern angeboten.

Die Bürger können weiterhin alle Fragen, die sie haben, am Bürgertelefon des Landkreises loswerden. Täglich von 8 bis 16 Uhr ist dieses unter Tel. (09441)207-3112. Auch jede Mail und jede SMS werde beantwortet, so Neumeyer. Da viele Fragen eingingen, dauere es manchmal ein wenig.

Unser Corona-Spezial lesen Sie hier.

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