MyMz
Anzeige

100 Tage lernen und ankurbeln

In den ersten Monaten habe er „viel initiiert und ein bissl was vorzuweisen“, findet Kelheims neuer Landrat Martin Neumeyer.
Von Martina Hutzler

Mehr „Wir“-Gefühl will Landrat Martin Neumeyer dem Landkreis verordnen. Die Anleihe dafür nahm er bei Papst und „Bild“.
Mehr „Wir“-Gefühl will Landrat Martin Neumeyer dem Landkreis verordnen. Die Anleihe dafür nahm er bei Papst und „Bild“. Foto: Hutzler

Kelheim.Mit Schwung ins neue Amt – und mit mancher Ernüchterung leben lernen: So klingt Martin Neumeyers Bilanz seiner ersten 100 Tage im Landrats-Amt. Kleines geht schnell, Großes dauert, lautet eine weitere Erkenntnis aus den ersten Alltags-Wochen des Abensberger CSU-Politikers als Landrat: Einen neuen Werbeslogan stellt er vor und einen „Servicezettel“, auf dem Besucher im Donaupark zu Zimmer und Ansprechpartner gelotst werden: Keine großen, aber praktische Verbesserungen, urteilt Neumeyer. Anderes, Größeres, was er sich vorgenommen hat, das gehe nicht von heute auf morgen, räumt er ein: Binnen zwei Tagen eine erste Rückmeldung bekommen – Eingangsbestätigung und plus Ansprechpartner-Info – , wenn man sich mit einem Antrag oder Ansinnen ans Landratsamt wendet: Dieses Ziel werde die Behörde bis Ostern erreichen, hofft er.

Der neue Service-Zettel lotst analog durchs Landratsamt.
Der neue Service-Zettel lotst analog durchs Landratsamt. Foto: hu / Landratsamt

Das Amt des Landrats an sich, aber auch Neumeyers Selbstanspruch, den „Menschen in den Mittelpunkt“ zu stellen, haben ihm seit 2. November einen auch abends und wochenends randvollen Terminkalender beschert; er hat ihn eigens ausgedruckt für das Pressegespräch am Montag. Viele „Kennenlern“-Termine hat er absolviert, bei Institutionen, die ihm als langjährigen Landes- und Kommunalpolitiker nicht neu sind – aber für die er jetzt, als Landrat, eben zuständig, gar verantwortlich ist: etwa die Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, THW oder Rotes Kreuz, deren „Chef“ er im Katastrophenfalle wäre.

Anderes Amt – anderes Ansehen

Klinik-Aufsichtsrat, Landräte-Besprechung, Kreistagssitzung, Versammlung des „Deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsvereins“, und so fort: Beim Durchblättern klingt Neumeyer mitunter selbst noch erstaunt, wie vielschichtig sein neuer Job ist. Und wie angesehen: Als Landrat werde man schon anders wahrgenommen, sagt der frühere Landtagsabgeordnete. „Man hat ja auch mehr Einfluss und Entscheidungsgewalt“.

Das weckt Begehrlichkeiten. Viele Anfragen bekomme er zu hören, einige sicher auch in der Hoffnung, dass mit dem neuen Mann im Amt möglich werde, was vorher nicht ging. Reden könne man über alles, lautet seine Devise, „erfüllbar ist nicht immer alles“, oder erst nach vielen Gesprächen und Terminen, räumt er unumwunden ein. Dass Behörden-Mühlen auch mal langsam mahlen (müssen), will dem Landkreis-Bürger vermittelt sein – „am Stammtisch findet sich ja immer recht schnell eine Lösung…“

Oder auch auf der Oppositionsbank, ließe sich anfügen: Als Kreisrat hat man einen Antrag in ein paar Minuten gestellt“, blendet Neumeyer mit leiser Selbstironie auf seine CSU-Kreisrats-Jahre unter FW-Landrat zurück. Als Landrat einen Antrag auf Machbarkeit zu prüfen und zu bewerten, das sei eine andere Nummer.

Von seinen eigenen Vorhaben, im Wahlkampf angekündigt, habe er aber bereits etliches angepackt, listet der 62-Jährige nicht ohne Stolz auf. Dieser Tage etwa gab es Gespräche, dass der Landkreis und seine Gemeinden zu Bayerns Modellregion für „E-Government“ werden, also die Bürger viel mehr digital erledigen können. An die 200 staatliche und kommunale Formulare soll es in einheitlicher, praktikabler Online-Form neu geben, schildert Geschäftsleiter Johann Auer.

Kummer bereitet Neumeyer immer noch die geringe Beteiligung an der Landratswahl vorigen September. Mit „Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit“ will er „Wahlverdrossenheit“ therapieren; eine einheitliche Außendarstellung soll für ein „Wir-Gefühl“ sorgen im Landkreis, dessen „Gründungsmitglieder“ nach 25 Jahren Gebietsreform immer noch fremdeln: „Wir sind Landkreis Kelheim“, lautet der neue Slogan, angelehnt an „Bild“ und Papst.

Mehr „Wir“-Gefühl will Landrat Martin Neumeyer dem Landkreis verordnen. Die Anleihe dafür nahm er bei Papst und „Bild“.
Mehr „Wir“-Gefühl will Landrat Martin Neumeyer dem Landkreis verordnen. Die Anleihe dafür nahm er bei Papst und „Bild“. Foto: Hutzler

Helfen soll auch, Bürger via Facebook, Twitter und Co. anzusprechen und sie zu Infobesuchen in den Donaupark zu lotsen. Jede Sozialkunde-Klasse soll mal das Landratsamt besuchen und erste Seniorenclubs haben sich für Besuchstouren gemeldet; in zwei – „naja: vielleicht zweieinhalb“ Monaten werde dafür auch ein Info-Film fertig sein. Mit all dem will der neue Amtschef die Behörde als „leistungsstarke Verwaltung“ und „modernes Dienstleistungsunternehmen“ präsentieren.

Erste Schritte im neuen Amt

  • Umgesetzt

    Als „kleine, aber feine“ Service-Neuerung präsentiert Landrat Neumeyer den „Servicezettel“: der analoge, an der Pforte erhältliche Wegweiser durchs Amt für alle, die mit dem Touchscreen an der Landratsamtspforte nicht klarkommen.

  • Angedacht

    Eine Verjüngungskur hält der neue Landrat für nötig beim Jugendparlament: Ein Mal im Jahr treffen und ein bisschen reden, das sei zu wenig. Ein „Runder Tisch“ soll neue Strukturen suchen. Ebenfalls angedacht sei ein Seniorenparlament.

  • Eingestiegen

    Als Kreisrat hatte Martin Neumeyer viele Anträge zum ÖPNV. Realisieren will er seine Ideen jetzt mit dem kreiseigenen Nahverkehrsplan und einem Modellprojekt der IHK. Es gebe aber finanzielle Grenzen – auch in Sachen Schulbusse.

  • Festgebissen

    Die zwei kreiseigenen Krankenhäuser bleiben ein Dauerthema der Landkreis-Politik, ist dem obersten Kreispolitiker klar. Jeder Therapievorschlag zur Defizitsenkung sei einer Diskussion wert – so lange dieser nicht die Existenz beider Häuser gefährde.

  • Ausgemacht

    Das neue Landratsamt im Donaupark öffnet am 20. Mai seine Pforten. Beim „Tag der offenen Tür“ präsentieren sich alle Abteilungen, Vertreter von Kreispolitik und -institutionen, so Behördensprecher Heinz Müller.

Neben all dem gibt es freilich auch Momente, in der er am liebsten in die Tischkante beißen würde, gesteht Martin Neumeyer (dem Gebiss zuliebe nimmt er dann doch die Leberkässemmel). Was solche Grrr-Momente sind? Wenn ein Gegenüber starr auf seiner lokalen Sicht der Dinge beharre, „nicht an Andere denkt“. In solchen Fällen muss auch er, der red- und leutselige Politiker, die Reißleine ziehen. „Wenn man gar nicht weiterkommt, muss man seine Energie auf etwas Anderes lenken“.

Weitere Berichte aus der Kreispolitik lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht