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Problematisch

Das Leid mit der Akustik im Landratsamt

Nichts hören und nichts sehen – politisch Interessierte ärgert das bei Sitzungen im „bürgernahen“ neuen Kelheimer Landratsamt
Von Beate Weigert

  • Das Problem mit der Akustik gibt es in beiden Sitzungssälen, besonders schlimm ist es jedoch, wenn wie bei der np3-Sitzung beide Säle zusammengenommen werden. Viele Zuhörer, die zu Sitzungen kommen, ärgert das. Foto: Hutzler/Archiv
  • Die Zuhörer wollen ohne „Fernglas und Hörgerät“ politische Entscheidungen nachvollziehen können. Foto: Hutzler/Archiv

Kelheim.Oft wird beklagt, dass die Bürger politikverdrossen seien. In Kelheim sind indessen seit längerem politisch interessierte Bürger ziemlich verdrossen. Der Grund: die Akustik in den Sitzungssälen im seit gut einem Jahr neu bezogenen Landratsamt im Kelheimer Donaupark.

Dass sich die Landkreisbürger nicht für (Kommunal-)Politik interessierten, kann man mit Blick auf die Sitzungen von Kreistag und Fachausschüssen in den vergangenen Monaten nicht sagen. Insbesondere, wenn die behandelten Themen sie berühren. So war der Andrang bei Sitzungen zuletzt groß, wenn es um die Zukunft der Kliniken ging oder einen möglichen dritten Nationalpark. Allein – die Interessierten besuchten die Sitzungen unter „höchst erschwerten Bedingungen“, ärgert sich etwa Edi Prossliner aus Abensberg. Er will „ohne Hörapparat und Fernglas“ mitverfolgen können, wie politische Entscheidungen zustande kommen.

Vollmundige Versprechen

Auf der Homepage des Landkreises Kelheim betone Landrat Martin Neumeyer in seinem Grußwort besonders den Dienstleistungs- und Servicecharakter des neuen Amts. Die neue Kreisbehörde, die nach Neubau erst im Dezember 2016 in Betrieb genommen worden ist, spiegle eine moderne, transparente, bürgerfreundliche und barrierefreie Verwaltung wieder, ist da zu lesen. „Das hört sich gut an – und ist bestimmt auch so gemeint und beabsichtigt“, sagt Prossliner.

Im langgezogenen großen Sitzungssaal sitzen die Zuhörer ganz hinten. Wer sich wie äußert, ist schwer nachvollziehbar. Foto: Hutzler/Archiv
Im langgezogenen großen Sitzungssaal sitzen die Zuhörer ganz hinten. Wer sich wie äußert, ist schwer nachvollziehbar. Foto: Hutzler/Archiv

Der Abensberger war mehrfach zu Besuch bei Sitzungen. Doch nachdem man den „beeindruckenden Blick auf Donau und Befreiungshalle“ genossen habe, stelle sich schnell Ernüchterung ein. Denn „für die Zuhörer sind, in den für sie vorgesehenen hinteren Sitzreihen, die Wortbeiträge akustisch kaum verstehen“, schildert Prossliner. Insbesondere wenn großer und kleiner Sitzungssaal zusammengenommen werden.

Er ist nicht der Einzige, der sich an der schlechten Akustik der Sitzungssäle stört. „Man kriegt nicht alles mit, wenn man hinten sitzt und insgesamt ist alles zu leise“, sagen auch Rupert Limmer und Helmut Hainzlmeier. Auch welcher Kreisrat respektive Verwaltungsmitarbeiter gerade spricht, sei nicht bzw. nur schwer zu erkennen, so Limmer weiter. Auch der Sandharlandener war zuletzt regelmäßiger Gast im Landratsamt. Er stellt dem neuen Gebäude ein schlechtes Zeugnis aus. „Das war früher im alten Landratsamt besser.“

Größere Schrift, neue Programmierung

  • Die Grundsteinlegung

    für den Neubau erfolgte am 28. Juli 2014. Im Dezember 2016 wurde die Fertigstellung des neuen Kelheimer Landratsamts im Donaupark gefeiert. Gut 18 Millionen Euro kostete der Bau, der laut den Verantwortlichen besonders bürgernah und barrierefrei sein soll.
    zur kläglichen Akustik in den Sitzungssälen hatte auch vor der Anfrage unseres Medienhauses das Landratsamt erreicht, sagt Pressesprecher Heinz Müller. Mehrere Sitzungsbesucher hätten diese angesprochen. Unabhängig davon hätten Mitarbeiter der Kreisbehörde den Landrat darauf hingewiesen.

  • Die Kreisbehörde

    will die Akustiksituation verbessern, heißt es aus dem Landratsamt. Aktuell habe man die Möglichkeit neu programmiert, dass nun zeitgleich drei Tischmikrofone genutzt werden können. Dies sei insbesondere bei Erörterungsterminen für die „Rede und Gegenrede“ nötig.
    könnten die Kreisräte auch bei Sitzungen ihre Wortbeiträge zügiger erledigen. Bezüglich der schlechten Lesbarkeit von Präsentationen entgegnet das Landratsamt, „dass die jeweiligen Autoren angehalten sind, nicht zu kleine Schriftgrößen zu verwenden.“ (re)

Hinzu komme, dass die Infos, die per Beamer auf die großen Leinwände projiziert werden, durch die große Entfernung schwer lesbar sind, sagt Hainzlmeier. Und auch dass sich bei der Kombi aus großem und kleinem Sitzungssaal die Zuhörer umdrehen müssten, um etwas zu sehen, ist für den Abensberger „ein Unding“.

Den Rest der Behörde kenne er nicht, so Hainzlmeier. Aber in den Sitzungssälen „ist da wohl einiges schief gelaufen“. Dass bei so einem Neubau Akustik und Lesbarkeit von Projektionen mangelhaft sind, könne nicht sein. „Da muss man doch nachrüsten können“, sagen Limmer und Prossliner.

Akustiker kommt nächste Woche

Das Landratsamt verspricht auf Nachfrage unseres Medienhauses nachzujustieren. Das Problem habe sich herumgesprochen. Man habe bereits eine Fachfirma bestellt, davon verspreche man sich Verbesserungen, lässt Geschäftsleiter Johann Auer mitteilen. Bezüglich der Präsentationen versuche man „so oft es geht und soweit es möglich ist, diese auch in Papierform an Kreisräte, Teilnehmer und Presse auszuhändigen“.

Das Ende 2016 bezogene neue Kelheimer Landratsamt sei besonders barrierefreie und bürgerfreundlich versprechen die Verantwortlichen. Foto: Rainer Schneck/Archiv
Das Ende 2016 bezogene neue Kelheimer Landratsamt sei besonders barrierefreie und bürgerfreundlich versprechen die Verantwortlichen. Foto: Rainer Schneck/Archiv

Für kommenden Woche sei ein Raumakustiker bestellt, der Verstärker und einen Lautsprecher austauschen und das Akustikproblem an sich checken soll. Ein Termin in dieser Woche habe wegen Lieferverzögerungen verschoben werden müssen. Das Problem sei, „dass die Wandlautsprecher vorne zu laut sind und es deshalb zu Rückkopplungen kommt“, sagt Pressesprecher Müller.

Der Akustiker soll nun Wandlautsprecher leiser und Deckenlautsprecher lauter einstellen – soweit der Plan. Ob das möglich ist oder ob es andere Optimierungsoptionen gibt, werde sich beim Termin herausstellen.

„Man kriegt nicht alles mit, wenn man hinten sitzt und insgesamt ist alles zu leise“, sagen etwa Rupert Limmer und Helmut Hainzlmeier. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
„Man kriegt nicht alles mit, wenn man hinten sitzt und insgesamt ist alles zu leise“, sagen etwa Rupert Limmer und Helmut Hainzlmeier. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Fragen nach weiteren Details wie sie sich die Zuhörer vorstellen können – ein mobiles Podest für Besucher oder Änderungen an den Leinwandpositionen ließ das Landratsamt unbeantwortet. So hoffen die politisch Interessierten nun auf den Akustiker. Und dass die Sitzungsleiter künftig ein wenig mehr moderieren. „Hinweise wie ,Das Wort hat...‘ würden schon helfen.“

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