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Kreisentwicklung

Der Kreis Kelheim macht sich mobil

Mobilität und Innovationsfähigkeit statt Klimaschutz und Demografie: Landrat richtet das Regionalmanagement neu aus
Von Martina Hutzler

  • Hände weg vom Steuer: Das neue Regionalmanagement soll unter anderem Konzepten für „Autonomes Fahren“ im Kreis Kelheim auf die Sprünge helfen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
  • Stefan Grüttner ist neuer ÖPNV-Sachgebietsleiter am Landratsamt. Der Betriebswirtschaftler stammt aus Oldenburg. Er ist seit Oktober in Kelheim; zuvor hat er für die RBO gearbeitet. Foto: Hutzler

Kelheim.Wirtschaft und Verkehr werden die neuen Schwerpunkte im Landkreis Kelheim: Die Fördergelder des Freistaats für das Regionalmanagement sollen künftig in diese beiden Bereiche fließen. Beendet werden die bisherigen Handlungsfelder im Regionalmanagement: demografischer Wandel, barrierefreier Landkreis und Klimawandel / Energie. Letzteres Thema soll künftig größtenteils von der Energieagentur Regensburg betreut werden. Bei ihr ist der Kreis Kelheim Mitglied.

Unter dem Titel „Landesentwicklung“ unterstützt Bayerns Finanz- und Heimatministerium die Bemühungen von Landkreisen wie Kelheim, sich für die Zukunft zu wappnen. 60 Prozent Zuschuss gibt es für entsprechende Projekte; gefördert wird dabei auch die Stelle der Person, die die Projekte betreut – eben ein/e Regionalmanager/in. In den letzten drei Jahren hatte Julia Schönhärl diese Stelle inne; ihre Anstellung endet zum Jahresende.

Ab Januar startet eine neue dreijährige Förderphase. Die Förderzusage aus München vorausgesetzt, fließen dann die staatlichen Mittel und die Ko-Finanzierung aus der Kreiskasse an zwei Stabsstellen im Landratsamt: an die Stelle „Kreisentwicklung, Wirtschaftsförderung, Regionalmanagement“ um Wirtschaftsförderer Christian Rieger und an die neu geschaffene Stabsstelle „ÖPNV, Schülerbeförderung, Mobilität“, die Stefan Grüttner leitet.

IHK-Forderung wird umgesetzt

In einer der jüngsten Kreisausschuss-Sitzungen hatte Landrat Martin Neumeyer die Neuausrichtung vorgestellt. Auf Mobilität zu setzen, sei „der richtige Weg: Das ist das große Thema schlechthin“. Damit teilt Neumeyer nicht zuletzt auch die Einschätzung des Industrie- und Handelskammer-Gremiums für den Kreis Kelheim (IHG). Die Unternehmerrunde hatte hatte 2017 eigens ein Mobilitätskonzept für den Landkreis in Auftrag gegeben. Eine Erkenntnis, die IHG-Leiter Michael Gammel daraus gezogen hatte: Für das breitgefächerte Thema Mobilität brauche es einen zentralen „Kümmerer“ im Landratsamt. Den gibt es in Person von Stefan Grüttner nun.

Hände weg vom Steuer: Das neue Regionalmanagement soll unter anderem Konzepten für „Autonomes Fahren“ im Kreis Kelheim auf die Sprünge helfen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Hände weg vom Steuer: Das neue Regionalmanagement soll unter anderem Konzepten für „Autonomes Fahren“ im Kreis Kelheim auf die Sprünge helfen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Im Projektantrag ist bereits festgelegt, was unter dem Handlungsfeld „Mobilitätsoffensive“ in den nächsten drei Jahren angepackt werden soll. Zum einen „innovative dezentrale Mobilitätskonzepte“, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) flexibler und individueller machen; außerdem will der Landkreis die Möglichkeiten autonomen Fahrens ausloten; und es sollen interessierte Landkreisgemeinden bei Car-Sharing-Modellen unterstützt werden. Erste konkrete Projekte hat Grüttner vorige Woche bereits im ÖPNV-Ausschuss präsentiert.

Modellprojekte

Nahverkehr soll den Turbo einschalten

Mit Projekten und Investitionen will Kelheims Landrat mehr Menschen für flexiblere Verkehrsmittel gewinnen. Das kostet aber.

Als Zweites soll die „Mobilitätsoffensive“ den ÖPNV im Landkreis transparenter machen: etwa durch digitale, nutzerfreundliche Fahrpläne, einen einheitlichen Dachtarif und WLan an den Haltestellen; auch Unternehmenskonzepte, die den Pendlerverkehr senken, sollen unterstützt sowie ein „Mobilitätsausschuss“ einberufen werden.

Ein dritter Bereich schließlich nennt sich „zukunftsorientierte Mobilitätsstruktur“. Dabei soll analysiert werden, wie es im Landkreis bestellt ist um Pendlerparkplätze, E-Fahrzeug-Ladesäulen und die Kombinierbarkeit vom Bahnverkehr mit anderen Fortbewegungsarten.

Was Kommunen und Firmen andernorts schon alles ausprobieren rund ums Thema Mobilität, hat die MZ in der großen Themenwoche „Nächster Halt: Zukunft!“ vorgestellt. Hier geht’s zu den Beiträgen!

Für die „Mobilitätsoffensive“ sind insgesamt 180 000 Euro Personal- und Projektkosten angesetzt, verteilt auf drei Jahre. Ebenso viel Geld sieht der Projektantrag fürs zweite Handlungsfeld vor: „zukunfts- und wettbewerbsfähiger Landkreis“. Nicht zuletzt bei einer „Zukunfts-Konferenz“ im Landratsamt sind unter diesem Motto drei Projektbereiche ermittelt worden.

Werben um Fachkräfte

Einer soll unter dem Titel „Arbeiten, wo Andere Urlaub machen“ der Fachkräftesicherung dienen, insbesondere im Handwerks- und Ingenieursbereich. Ein zweites Projekt ist Standortmarketing: Der Landkreis mitsamt seinen bestehenden Betrieben soll als Wirtschaftsstandort präsentiert werden. Der dritte Projektbereich, „MINT- und Klimabildung“, zielt auf Schüler ab: Ihnen sollen Themen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) sowie Klima nahegebracht werden.

Mit diesem Bildungsprojekt und mit der Mitgliedschaft bei der Energieagentur Regensburg, für die der Land jährlich 50 000 Euro zahlt, sei der Bereich „Energie und Klima“ in Kelheim auch künftig gut aufgestellt, befand Landrat Neumeyer. Erste Projekte zusammen mit der Energieagentur sind bereits angelaufen.

Die Energie-Agentur Regensburg

  • Bündnis:

    In der EAR sind die Kreise Regensburg und Kelheim, die Stadt Regensburg und mehrere Gemeinden Mitglied; ferner Verbände, Planungsbüros, Betriebe aus Industrie, Handwerk, Handel und Landwirtschaft.

  • Aufgaben:

    Die EAR leistet Bildungs- und Beratungsarbeit zu Energie und Klimaschutz, erstellt Energie-/-management-Konzepte und leistet Info- und Netzwerkarbeit. Ludwig Friedl leitet das sechsköpfige EAR-Team.

  • Kelheim:

    Im März 2017 wurde der Landkreis Kelheim Mitglied bei der EAR. Seither liefen u.a. zwei Vortragsreihen, eine Baumpflanz-Aktion, ein Bildungsprojekt mit aktuell sieben Schulen. Infos: www.energieagentur-regensburg.de

Dem hat Kreisrat Richard Zieglmeier in der jüngsten Umweltausschuss-Sitzung widersprochen: Gegen den fortschreitenden Klimawandels müsse mehr getan werden. Und zwar konkret, indem der Landkreis eine (geförderte) Stelle allein fürs Klimaschutzmanagement einrichte, forderte er.

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