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Halbzeitbilanz

Der Notfallplan zeigt zarte Erfolge

Das Defizit der Goldberg-Klinik Kelheim sinkt leicht. Ein Sparvorschlag der Unternehmensberater bleibt aber umstritten.
Von Martina Hutzler

Die Notaufnahme an der Goldberg-Klinik wird derzeit umgestaltet. Ziel sei es, sie „für die Patienten übersichtlicher, effizienter und freundlicher zu gestalten“, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin Neumeyer. Foto: Reitinger /Archiv
Die Notaufnahme an der Goldberg-Klinik wird derzeit umgestaltet. Ziel sei es, sie „für die Patienten übersichtlicher, effizienter und freundlicher zu gestalten“, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin Neumeyer. Foto: Reitinger /Archiv

Kelheim. Zu gute Pflege am Kelheimer Krankenhaus? Diese Analyse von „Ernst & Young“ besorgt nach wie vor den Kelheimer Kreistag. Die Unternehmensberater hatten wie berichtet zu Jahresbeginn ein Sparprogramm für die defizitäre Klinik erarbeitet, das Umsätze steigern und die Personalkosten senken soll. Unter anderem analysierten die Berater, dass die Fachkraft-Quote in der Pflege zu hoch sei. Das sahen einige Kreisräte anders.

„Pflegekräfte nicht verprellen“

Insbesondere Kreisrat Dr. Heinz Kroiss warnte, die Zahl ausgebildeter Krankenschwestern und -pfleger zu senken. Zum einen sei eine überdurchschnittliche Kompetenz etwas, womit das Haus werben könne. Zum anderen müsse die Goldberg-Klinik Kelheim (GBK) alles daran setzen, gut ausgebildete Fachleute zu halten: „Pflegekräfte sind stark umworben und gesucht“.

Die Zahl der beschäftigten Fachkräfte zu senken, „das machen wir nicht – da wären wir ja dumm“, sagte dazu Landrat und Aufsichtratsvorsitzender Martin Neumeyer. Und GBK-Geschäftsführerin Dagmar Reich bestätigte, den 87-prozentigen Anteil examinierter Fachleute in der Pflege „sehen wir als strategischen Vorteil“; bisher sei diese Quote auch nicht gesenkt worden. Aber „die Fachkraft-Entwicklung war und ist ein heiß umkämpfter Punkt“ aus dem 19-Punkte-Programm von Ernst&Young, räumte Reich ein. „Wir probieren neue Konzepte in der Pflege aus“, für Tätigkeiten, die kein allzu großes Pflege-Knowhow voraussetzen. Als Beispiele nannte sie einen Patienten-Beförderungsdienst oder Stations-Sekretärinnen. Auf der anderen Seite wirbt die Klinik stark um Auszubildende - mit beachtlichem Erfolg: Im Herbst starten 24 Azubis für Krankenpflege/-hilfe und als Operationstechnische Assistenten.

Insgesamt, so Reich, achteten Klinikleitung und Aufsichtsrat scharf darauf, die Ratschläge von Ernst&Young umzusetzen. Als Beweis führte sie die Halbjahres-Bilanz an. Demnach liegt das Defizit Januar bis Juni (sprich: der Zuschuss, den der Landkreis der Klinik geben muss) um 185 000 Euro niedriger als im Wirtschaftsplan 2018 vorab kalkuliert. Das ändert freilich nichts am Umstand, dass die Klinik im ersten Halbjahr ein Defizit von knapp 1,5 Millionen Euro erwirtschaftete.

Die Notaufnahme an der Goldberg-Klinik wird derzeit umgestaltet. Ziel sei es, sie „für die Patienten übersichtlicher, effizienter und freundlicher zu gestalten“, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin Neumeyer. Foto: Reitinger /Archiv
Die Notaufnahme an der Goldberg-Klinik wird derzeit umgestaltet. Ziel sei es, sie „für die Patienten übersichtlicher, effizienter und freundlicher zu gestalten“, so Aufsichtsratsvorsitzender Martin Neumeyer. Foto: Reitinger /Archiv

Das entspreche dem Landestrend, sagte Landrat Neumeyer auf Nachfrage von Kreisrat Sebastian Hobmaier: Bei Häusern der Grundversorgung verschlechtere sich die Wirtschaftlichkeit seit Jahren – „man hat manchmal den Eindruck, dass eine flächendeckende Krankenhaus-Versorgung gar nicht mehr erwünscht ist.“ Das Paradoxe daran: Das Defizit wächst, obwohl die Leistungserbringung gestiegen ist: Im ersten Halbjahr ‚18 wurden 205 Fälle mehr registriert als im Vorjahreszeitraum, so Reich; auch die „Fall-Schwere“ (Case Mix) ist gestiegen.

Gescheitert ist die Klinik mit der Bewerbung um einen (genauer: anderthalb) derzeit unbesetzten chirurgischen Facharzt-Sitz, informierte die Geschäftsführerin weiter. Ziel der Bewerbung war es, regelmäßig chirurgische Sprechstunden am Goldberg anzubieten. Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) hat den Sitz aber nicht der Klinik bzw. ihrem dafür eigens gegründeten „Medizinischen Versorgungszentrum“ zugesprochen, sondern drei Ärzten. „Niedergelassene werden gegenüber Krankenhäusern vorrangig berücksichtigt“, teilte Landrat Martin Neumeyer ergänzend mit.

Klinik geht bei Chirurgie leer aus

Dem Vernehmen nach kamen unter anderem ein niedergelassener Arzt aus dem Raum Regensburg sowie ein angestellter Arzt aus dem südlichen Landkreis zum Zug. Allerdings hatte die KVB schon einmal den vakanten Sitz vergeben, ohne dass der damals auserkorene Arzt dann tatsächlich eine Niederlassung in Kelheim eingerichtet hätte. Wohl auch vor diesem Hintergrund kündigte Reich an, „wir bleiben dran!“ Gut eingespielt hat sich hingegen bereits die Ärztliche Bereitschaftspraxis in der Klinik.

Bereitschaftspraxis

  • Bereitschaftspraxis:

    Seit 2017 gibt es in der Goldberg-Klinik eine Ärztliche Bereitschaftspraxis, für hausärztliche Notfälle außerhalb der üblichen Sprechzeiten.

  • Zeiten:

    Die Praxis ist montags, dienstags, donnerstags ab 18 Uhr, mittwochs und freitags ab 13 Uhr, wochenends und feiertags ab 9 Uhr und jeweils bis 21 Uhr mit einem Hausarzt besetzt. Danach betreuen Klinikärzte die Praxis mit.

Reich stellte außerdem die Strategie der GBK für die Öffentlichkeitsarbeit vor. Ziel sei es, die Bedeutung der GBK für die medizinische Versorgung zu vermitteln: „Die Goldberg-Klinik ist mehr ist als Defizit“.

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