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Wechsel

Dr. Uwe Brandl will für die SLU antreten

Der langjährige Abensberger Bürgermeister plant, 2020 über die Liste der Stadt-Land-Union in den Kreistag zu kommen.
Von Wolfgang Abeltshauser und Martina Hutzler

Dr. Uwe Brandl will bei der nächsten Wahl für die Stadt-Land-Union in den Kelheimer Kreistag. Foto: Armin Weigel/dpa
Dr. Uwe Brandl will bei der nächsten Wahl für die Stadt-Land-Union in den Kelheimer Kreistag. Foto: Armin Weigel/dpa

Abensberg.Geknirscht hat es schon länger zwischen dem Abensberger CSU-Politiker Dr. Uwe Brandl und seiner CSU-Fraktion im Kreistag. Nun aber überrascht der Abensberger Bürgermeister mit der Ankündigung, dass er bei den Kommunalwahlen 2020 auf der Kreistags-Liste der Stadt-Land-Union (SLU) antreten will, wenn die ihn aufstelle. Entsprechende Berichte bestätigte Brandl gegenüber der MZ.

Reiser bandelte an

Den Kontakt hergestellt hat demnach Josef Reiser, Brandls Mainburger Bürgermeister-Kollege und SLU-Sprecher im Kreistag. An die sechsköpfige Gruppe war Brandl jüngst im Kreistag räumlich zwar bereits herangerückt. Ihr anschließen will er sich jetzt aber noch nicht: „Bis 2020 will ich den Wählerauftrag erfüllen“. Fraglich freilich, ob das seine Noch-Fraktion CSU auch will.

CSU-Fraktion will sich beraten

Wie man mit Brandls Wechselplänen umgehe, werde die Fraktion in der nächsten Sitzung schon zu besprechen haben, sagte Vorsitzende Petra Högl zur MZ. Zu ihr habe Brandl zwar gesagt, dass er 2020 nicht mehr für die Kreis-CSU antreten werde. Von den SLU-Avancen erfuhr sie aber dann auch erst aus den Medien. „Ich hätte schon fair gefunden, wenn er uns vorher informiert hätte“, so Högl. Den Schritt selbst indes bedauerte sie.

Dr. Uwe Brandl will bei der nächsten Wahl für die Stadt-Land-Union in den Kelheimer Kreistag. Foto: Armin Weigel/dpa
Dr. Uwe Brandl will bei der nächsten Wahl für die Stadt-Land-Union in den Kelheimer Kreistag. Foto: Armin Weigel/dpa

Dr. Uwe Brandl sieht nach eigenen Worten bei der SLU nun mehr Möglichkeiten für zukunftsorientierte Politik. Dorthin geführt habe ihn einmal die Diskussionen um die Kreisumlage. Wie berichtet, feilschten Kreisverwaltung, Kreisräte und Gemeinden lange; letztlich beschloss der Kreistag, die gemeindliche Abgabe an den Landkreis von 46 auf 44,5 Prozent zu senken – einstimmig, auch mit Brandls Votum. Im Nachgang spricht Brandl von „Gegurke“: Er verstehe nicht, warum man den Gemeinden nicht mehr zurückgeben wolle. Zum anderen kritisiert er die Debatte um die Erweiterung des Landratsamtes, die „zur Unzeit“ gekommen sei. Landrat Martin Neumeyer (CSU) hatte seinen Antrag dazu letztlich für heuer zurückgestellt.

Klinik-Disput hinterließ Wunden

Brandl seinerseits zog vor allem in der Debatte um die kreiseigenen Krankenhäuser den Zorn seiner Fraktion auf sich. Auf Anregung von Landrat Martin Neumeyer hin ging der Kreistag Ende 2017 in Klausur; heraus kam letztlich der Beschluss, beide Kliniken zu erhalten. Brandl kritisierte daraufhin scharf, dass die Alternative – eine neue Klinik in der Landkreis-Mitte – nicht ernstlich diskutiert worden sei. Seine öffentliche Abrechnung empörte damals seine Fraktion.

Der 59-Jährige selbst erklärt, er habe zu SLU-Chef Reiser schon seit längerem ein gutes Verhältnis; man denke über zahlreiche Themen ähnlich. Reiser sei es auch gewesen, der ihn konkret gefragt habe, ob er sich eine Kandidatur für die Gruppierung vorstellen könne. Ein kompletter Rückzug aus der Kreispolitik sei für ihn nie eine Alternative gewesen: „Ich bin ein politischer Mensch“ und wolle mit seinem Netzwerk, über das er mittlerweile verfüge, weiter dem Landkreis helfen.

SLU hat Anziehungskraft

  • Gruppierung:

    Die Stadt-Land-Union (SLU) ist keine Partei, beitreten kann man ihr auch als Mitglied einer anderen Partei. Sie ist dem konservativen Umfeld zuzurechnen und galt im Kreistag phasenweise als Mehrheitsbeschafferin für die CSU. Bei der Kommunalwahl 2014 errang die SLU ursprünglich fünf Sitze im Kreistag.

  • Wechsel (1):

    In der aktuellen Kreistagsperiode sorgte die SLU schon einmal für Aufsehen mit einem Neuzugang: Der frühere FDP-Politiker Dr. Andreas Fischer schloss sich 2016 der SLU-Fraktion an. Er hatte sich von der FDP nach deren Landtags-Wahlpleite losgesagt und war zunächst als parteiloser Kreisrat tätig.

  • Wechsel (2):

    Auch der aktuelle Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Josef Reiser, ist ein „Überläufer“: Weil ihn seine CSU 2008 nicht für die Bürgermeisterwahl in Mainburg nominierte, wechselte er damals zur Stadt-Land-Union, trat zur Wahl an – und siegte über die damalige CSU-Kandidatin Hannelore Langwieser. (hu)

Den angestrebten Fraktionswechsel will er nicht als grundsätzlichen Bruch mit den Christsozialen verstehen: Keinesfalls werde er sein Parteibuch zurückgeben. Formal nötig ist dies nicht, weil die SLU keine Partei, sondern eine Wählerliste ist. Eine Verschlechterung der Zusammenarbeit mit der Abensberger CSU-Stadtratsfraktion erwarte er nicht, so Brandl. Komplett ausschließen könne er, dass er für die SLU – oder eine andere Gruppierung – bei den Abensberger Bürgermeisterwahlen 2023 antritt.

Neumeyer: „Kein Kommentar“

CSU-Kreisvorsitzender Martin Neumeyer wollte den Schritt Brandls nicht öffentlich kommentieren. Es sei dessen Entscheidung; die Gründe kenne er nicht, so Neumeyer. Für ihn interessant dürfte sein, ob Brandl 2020 womöglich sogar als Landrats-Kandidat der SLU, mithin gegen CSU-Amtsinhaber Neumeyer antreten könnte.

Vorfreude bei SLU

Bei der SLU hält man sich zu derlei Plänen bedeckt. Josef Reiser hatte lediglich verlauten lassen, er freue sich über Brandls Mitgliedsantrag bei der SLU: Seine Liste gewinne so einen sehr erfahrenen Kommunalpolitiker.

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