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Kreispolitik Kelheim
Sonntag, 25. Februar 2018 2

Bahnverkehr

Ein grünes und noch viele rote Signale

Der Kreis Kelheim fördert die Bahntrasse Langquaid - Eggmühl. Die wird für Güter interessanter – für Pendler noch nicht.
Von Martina Hutzler

  • Während der Güterverkehr wieder verstärkt rollt zwischen Eggmühl und Langquaid, verkehrt das „Bockerl“ als Personenzug bislang nur zu besonderen Anlässen. Und heuer voraussichtlich gar nicht: Die Lok samt Schienenbus-Beiwagen muss erst wieder eine Art „TÜV“ bestehen. Archivfoto: LSL
  • Bürgermeister Blascheck will die Lokalbahn reaktivieren. Foto: Roloff / Archiv

Kelheim. Dem Straßenverkehr im Großraum Regensburg droht der Kollaps – das lässt die Schiene attraktiv werden. Hofft zumindest Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck, der dem Kelheimer Kreisausschuss am Montag 50 000 Euro Zuschuss entlockt hat zur Instandsetzung der Bahnstrecke Langquaid-Eggmühl. Nur ein kleiner von vielen Schritten, um die 10-Kilometer-Trasse wiederzubeleben. Aber er rückt die Option „Stadtumlandbahn Regensburg“ neu ins Blickfeld, und die Rückkehr von Gütern auf die Schiene.

400 000 Euro für den Erhalt

Langquaid und Schierling haben gemeinsam die Bahnstrecke gepachtet; betrieben wird die „Lokalbahn Schierling-Langquaid“ von der Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH. 2017 war die Strecke vorübergehend behördlich gesperrt, weil 400 Bahnschwellen defekt waren. Die haben die zwei Pächter mittlerweile reparieren lassen. Doch müssen weitere 1000 Holzschwellen erneuert werden, dazu zwei Weichen sowie Durchlässe. Rund 400 000 Euro kosten alles, die Hälfte trägt wohl der Bund. Die zwei Gemeinden investieren je 50 000 Euro, und jeweils ebenso viel haben sie sich von den Landkreisen Kelheim und Regensburg als Zuschuss erbeten.

Während der Güterverkehr wieder verstärkt rollt zwischen Eggmühl und Langquaid, verkehrt das „Bockerl“ als Personenzug bislang nur zu besonderen Anlässen. Und heuer voraussichtlich gar nicht: Die Lok samt Schienenbus-Beiwagen muss erst wieder eine Art „TÜV“ bestehen. Archivfoto: LSL

Die Regensburger Kreispolitik berät voraussichtlich im März; man warte noch auf zusätzliche Unterlagen zum Antrag, so Landratsamts-Sprecher Hans Fichtl. Kelheim hat am Montag „Ja“ gesagt. Wenn auch mit Bauchgrimmen. Denn der Kreis hat für solche rein freiwilligen Leistungen eigentlich kein Geld. Und „andere Schienen-Standorte müssen wir künftig genauso behandeln“, warnte Kreisrat Dr. Uwe Brandl schon mal – als Abensberger Bürgermeister ebenfalls einer mit Bahn-Anbindung.

Der Ausschuss folgte dann doch einstimmig dem Argument der Langquaider Kreisräte Blascheck und Schmalz, das auch das Landratsamt Regensburg beachtenswert findet: Ohne die 400 000 Euro-Investition wäre die Bahnstrecke wohl für immer verloren. „Dabei spielt sie für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region doch eine so wichtige Rolle“, so Blascheck.

Gütertransporteure „suchen händeringend“ nach Bahnhöfen, wo sie auf die Schiene verladen können, beobachtet der Bürgermeister, denn die Deutsche Bahn schließe immer mehr ihrer Annahmestellen. Spürbar im Aufwind sei bereits das Verladen von Holz am Langquaider Bahnhof. Auch Zuckerrüben – einst Haupt-Transportgut auf der Nebenstrecke – könnten dort wieder reisen, hofft er. „Bio-Rüben werden von den Zuckerfabriken sowieso nur via Schiene angenommen“, aber auch konventionelle Verarbeiter suchen Alternativen zu verstopften Straßen. Nicht nur sie: Investoren auf Standortsuche sprächen ebenfalls oft die Lokalbahn an, sagt Blascheck. Und dann ist da die „Muna“.

Auch für die „Muna„ von Bedeutung

Im ehemaligen Munitions-Hauptdepot sind Schierling und Langquaid 2016 in die Planung für einen Gewerbe-, Innovations- und Gründerpark eingestiegen. Damals auch, um staatliche Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft abzuwehren. Die sind zwar vom Tisch. Die Bauleitplanung für die Muna laufe aber weiter, sagt Blascheck – inklusive Schienenanbindung. Denn von Schierling führt eine Stichstrecke der Lokalbahn bis zur Muna.

Noch in weiter Ferne sind Pläne, die Lokalbahn ins ÖPNV-Netz im Großraum Regensburg einzubinden. Den ÖPNV via Schiene zu ertüchtigen, fordern zwar unisono die Landkreise rings um die Großstadt, die täglich das Ziel von 76 000 Einpendlern ist. Aber die Stadt selbst denkt derzeit, einer Kosten-Nutzen-Analyse folgend, nur an eine innerstädtische Trambahn. Für den Anfang Ok, finden Wirtschaftsvertreter wie der Kelheimer IHK-Geschäftsstellenleiter Manuel Lorenz: „Aber das System sollte unbedingt so konzipiert werden, dass man das Umland später noch anbinden könnte!“

Stadt-Umland-Bahn und Stadtbahn

  • Eine „In die Stadt“-Bahn

    hat Verkehrsplaner Robert Wittek-Brix (siehe Grafik): Die Bahnlinie München-Hof wäre das Rückgrat, ergänzt um die Nebenstrecken Langquaid-Eggmühl und Burglengenfeld - Maxhütte sowie in Regensburg um eine (ohne Umsteigen nutzbare) Stadtbahn-Trasse zwischen Hauptbahnhof und Isarstraße. Eine von Stadt und Kreis Regensburg sowie Bay. Eisenbahngesellschaft beauftragte Studie prüft diesen Vorschlag derzeit mit; erste Ergebnisse werden Ende 2018 erwartet.

  • In der Stadt Regensburg

    gehen die Überlegungen derzeit eher in Richtung einer innerstädtischen Trambahn, mit eigenem, DB-unabhängigem Schienennetz. Sie ist angedacht von Norden her (Wutzlhofen) bis zum Hauptbahnhof und von dort zum einen Richtung Uniklinik, zum anderen nach Burgweinting.

Eine solche Stadt-Land-kompatible „In die Stadt“-Bahn nach Regensburg war Anfang 2017 Thema einer bayernweiten Tagung in Eggmühl.

Passiert ist seither in diese Richtung noch nichts, räumt Bürgermeister Blascheck ein – „es sind einfach so viele Stellen, die beim Thema Nahverkehr mitreden…“. Um das zu forcieren, müssten sich die Stadt Regensburg mit den Landkreisen Regensburg und Kelheim an einen Tisch setzen, fordert er. Und: Beide Landkreise müssten die Lokalbahn in ihre Nahverkehrskonzepte aufnehmen, samt der nötigen Busanbindung.

Kelheim hat erst voriges Jahr seinen neuen Nahverkehrsplan verabschiedet, „aber den könnte man jederzeit aktualisieren“, ist Blascheck optimistisch. Schwieriger dürfte sein, der Lokalbahn ein Aufkommen von 1000 Fahrgästen pro Tag zu prognostizieren: eine Voraussetzung dafür, dass die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) die Strecke in ihre ÖPNV-Planung aufnimmt. Und dann müsste erst so richtig investiert werden: Mit fünf bis zehn Millionen Euro ließe sich die Strecke, die derzeit z.B. auf Tempo 30 begrenzt ist, ernsthaft ÖPNV-tauglich machen, hat die „Interessengemeinschaft Lokalbahn“ grob kalkuliert. Das ließe sich aber mit den Trassengebühren refinanzieren, die die BEG dann auch zahlen würde, erklärt Bürgermeister Blascheck. All das sei zu klären, dauere viele Jahre, räumt er ein. Aber der Kelheimer Kreisausschuss-Beschluss sei dafür „ein guter Einstieg“.

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