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Mobilität

Einen flexiblen Rufbus für Kelheim

Das Konzept für die ÖPNV-Alternative wird konkreter. Im Neunsitzer sollen Kelheimer bald flexibel von A nach B kommen.
von Beate Weigert

Der neue Rufbus in der Kreisstadt Kelheim soll telefonisch oder per Handy-App buchbar sein. So wie in unserem Symbolbild in Wittlich.  Foto: Harald Tittel/dpa
Der neue Rufbus in der Kreisstadt Kelheim soll telefonisch oder per Handy-App buchbar sein. So wie in unserem Symbolbild in Wittlich. Foto: Harald Tittel/dpa

Kelheim.Die Vorbereitungen für einen neuen, flexiblen Stadtbus in Kelheim werden konkreter, informierte Kreis-ÖPNV-Sachgebietsleiter Stefan Grüttner bei der jüngsten Ausschuss-Sitzung im Landratsamt. Die Kreis-Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, mit der Stadt einen Vertrag über die Finanzierung des Pilot-Projekts für den On-Demand-Verkehr, abzuschließen. Er soll am 1. April in Kraft treten und bis 9. September 2024 gültig sein.

Der Bus, der nach aktuellem Stand ein Neun-Sitzer sein soll, hat keinen fixen Fahrplan. Sondern er steuert dorthin, wo es die Bürger anfragen. Hinter den Kulissen wurde eine Art Haltestellenraster erarbeitet. Von 140 möglichen Zu- und Ausstiegsstellen gehen die Experten aus. Sie liegen nur wenige Meter auseinander. Bislang gibt es im regulären ÖPNV 35 Haltepunkte in der Kreisstadt. Auch diese sollen zu den circa 140 Stopps gehören.

Das neue Konzept soll insbesondere auch für Senioren, die ihren Führerschein abgegeben haben oder müssen, eine Mobilitätsalternative sein, wie für alle anderen Interessierten. Vom Schüler bis zum Berufstätigen sowie auch für Menschen mit Handicap. Laut Grüttner soll in „99 Prozent der Fälle“ die nächste Haltestelle nicht weiter als 250 Meter entfernt sein.

„Bedarf zum Bahnhof Saal“

Ausschuss-Mitglied Josef Hofmeister warf ein, dass es in Kelheim den allergrößten Bedarf wohl in der Anbindung zum Saaler Bahnhof gebe. Das habe man laut Grüttner im Hinterkopf und wäre dann bei erfolgreichem Anlaufen des Projekts so etwas wie eine „Zone 2“, die im Nachgang eingerichtet werden könnte. Ebenso könnte das Modellprojekt auch in anderen Gemeinden im Landkreis Schule machen, diese müssten entsprechend ihr Interesse bekunden. Dann könnten auch sie von einer Förderung profitieren.

Fahrgäste des flexiblen Rufbusses sollen die gewünschte Strecke mit einer Vorlaufzeit von etwa 30 Minuten buchen können – telefonisch oder per Handy-App. Mit dem neuen Bus sollen sie innerhalb der Kreisstadt schnell und flexibel von A nach B kommen.

Name gesucht

  • Bezeichnung:

    Der neue, flexible (Kelheimer) Stadtbus braucht noch einen Namen. Einen, der auch bei Folgeprojekten in anderen Orten im Kreis Kelheim, genutzt werden kann. Deshalb sollte er nicht auf die Kreisstadt gemünzt sein.

  • Wettbewerb:

    Bis 30. April können Landkreisbürger Vorschläge per E-Mail einreichen: name@landkreis-kelheim.de. Als Preis winkt ein Rundflug über den Landkreis.

Der Preis könnte für Erwachsene bei zwei Euro pro Fahrt liegen, bei Kindern bei 1,50 Euro. Das wäre leicht über dem Regeltarif öffentlicher Busse, aber unter dem, was ein Taxi kosten würde. Wie hoch der Preis tatsächlich sein wird, muss noch festgelegt werden. Wenn es gut laufe, könne man auch über eine Art Jobticket nachdenken, so Grüttner. Die Erlöse aus dem Betrieb sollen je zur Hälfte an Stadt und Landkreis Kelheim fallen.

Die Kreisstadt übernimmt in den fünf Jahren des angedachten Projektzeitraums die laufenden Kosten bis zu 300 000 Euro pro Jahr. Laut Grüttner gibt es jedoch eine Fördermöglichkeit bis zu 50 Prozent. Der Landkreis wird die Mittel bei der Regierung von Niederbayern beantragen. Die Geldern sollen dann direkt an die Stadt Kelheim fließen. Somit bleiben für diese 150 000 Euro jährlich. Sollten die Kosten höher ausfallen, könne die Stadt den Vertrag kündigen, so Grüttner. In dem Fall müsste der Landkreis entscheiden, ob er den Vertrag mit dem Betreiber beende oder den Verkehr auf eigenes Risiko weiterfinanziere.

Der Landkreis übernimmt seinerseits die Anfangsinvestitionen, die einmalig anfallen und die sich auf etwa 135 000 Euro belaufen werden. Hierzu zählen Planung und Vorbereitung der Verkehre, die Entwicklung und Einführung der App für die Fahrtbuchungen sowie die Vergabe.

Chance für ein Start-up

Wie in anderen Regionen könnte der neue Bus, eine Chance für ein Start-up-Unternehmen sein, oder ein Zusatz-Angebot für Taxibetriebe. Der Betreiber würde wohl eine Art Sockelbetrag für die grundsätzliche Verfügbarkeit erhalten sowie für jede Fahrt einen bestimmten Betrag.

Zusätzlich werden beim Landkreis jährlich rein rechnerisch etwa 40 000 Euro zu Buche schlagen. Denn Landkreismitarbeiter werden die telefonische Rufbus- und Infozentrale übernehmen, sich um Beschwerden und die Abrechnung kümmern, Hallestellen warten, Förderanträge bearbeiten oder den Bus bewerben.

Nach zwei Jahren wollen Stadt und Kreis das weitere Vorgehen beschließen. Denn: „Es kann sein, dass wir überrannt werden, oder dass sich erstmal kaum Leute melden“, so Grüttner.

Ziel sei es, mit möglichst wenig Fahrzeugen, möglichst viele Leute zu bewegen. Zwei Sprinter bräuchte es wohl zum Einstieg.

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