MyMz
Anzeige

Interview

Endspurt im Einsatz für Kelheims Klima

Viel passiert, aber noch viel zu tun: Nach drei Jahren beendet Julia Schönhärl ungern ihren Job als Regionalmanagerin.
Von Martina Hutzler

Als Kelheimer Klimaschutz-Managerin radelt Julia Schönhärl mit gutem Beispiel voran: Sie pendelt aus aus Regensburg mit Bus und Fahrrad. Foto: re/Archiv
Als Kelheimer Klimaschutz-Managerin radelt Julia Schönhärl mit gutem Beispiel voran: Sie pendelt aus aus Regensburg mit Bus und Fahrrad. Foto: re/Archiv

Kelheim.Das Regionalmanagement im Landkreis Kelheim wird neu ausgerichtet: Mobilität und ein „zukunftsfähiger Landkreis“ sollen künftig die Schwerpunkte sein. Für die bisherigen Themen Klimaschutz / Energie, Demografischer Wandel und Barrierefreiheit gibt es künftig keine zentrale Ansprechpartnerin mehr im Landkreis: Die bisherige Regionalmanagerin Julia Schönhärl beendet ihre Tätigkeit zum Jahresende. Nach drei Jahren sieht die scheidende Koordinatorin viele Erfolge – aber auch noch Baustellen im Kreis.

Frau Schönhärl, es kann passieren, dass man Ihnen am einen Tag bei einer Klimaschutz-Aktion begegnet und am nächsten bei einem Infoabend zur Hospizarbeit. Wieso haben Sie als Regionalmanagerin so unterschiedliche Arbeitsbereiche?

Das ergab sich aus den Handlungsfeldern, die der Landkreis in seinem Förderantrag von 2016 fürs Regionalmanagement festgelegt hat. Für „Klimawandel und Energie“ standen 60 Prozent meiner Arbeitszeit und der Fördermittel zur Verfügung; 30 Prozent für das Handlungsfeld „Demografischer Wandel“, zehn Prozent für „Barrierefreie Leben im Landkreis Kelheim“.

Als Kelheimer Klimaschutz-Managerin radelt Julia Schönhärl mit gutem Beispiel voran: Sie pendelt aus aus Regensburg mit Bus und Fahrrad. Foto: re/Archiv
Als Kelheimer Klimaschutz-Managerin radelt Julia Schönhärl mit gutem Beispiel voran: Sie pendelt aus aus Regensburg mit Bus und Fahrrad. Foto: re/Archiv

Macht so ein bunter Strauß an Themen Sinn?

Für mich war es perfekt, weil es genau die Themen waren, mit denen ich auf meinen vorherigen Stellen zu tun hatte. Aber es war schon schwierig, allein die beiden großen Themen unter einen Hut zu bringen: Klimaschutz und Demografischer Wandel haben keine Schnittmengen – ich musste mir für beides zwei komplett neue Netzwerke aufbauen. Erst nach und nach haben sich Verknüpfungspunkte ergeben.

Welche?

Wir haben zum Beispiel am 17. November eine Infoveranstaltung über „Energieeffizienz und Klimaschutz im Pflegesektor“. Da arbeite ich auch mit Pfaffenhofen und Freising zusammen.

Mit den dortigen Regionalmanagern?

Nein, beide Landkreise haben fürs Klimaschutz-Management eine/n eigene/n Kollegin bzw. Kollegen, wie übrigens auch Stadt und Landkreis Regensburg und der Kreis Neumarkt. Das Thema ist immer mehr im Kommen!

Sie hatten für dieses Thema 60 Prozent Ihrer Ressourcen zur Verfügung – hat das gereicht?

Bei so einem wichtigen Thema wie der drohenden Erderwärmung denke ich persönlich, dass man nicht genug tun kann. Gut war, dass ich auf die Aktivitäten der vorherigen Regional- bzw. Klimaschutzmanagerin aufbauen konnte: Dass das Landratsamt hierzu jemanden beschäftigt, war im Landkreis schon bekannt. Wir hatten dann in den drei Jahren Regionalmanagement sehr erfolgreiche und gut besuchte Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz. Im Landratsamt selbst ist das natürlich nur eines von vielen Themen. Es hätte schon noch Potenzial für mehr Synergien mit anderen Stellen im Amt gegeben.

„Ein paar Ideen hätte ich schon noch – aber jetzt keine Zeit mehr dafür.“

Inwiefern?

Unter dem Aspekt Klimaschutz ist der Landkreis bei Energiemanagement seiner eigenen Liegenschaften ja schon gut unterwegs. Aber es gäbe auch noch weitere Bereiche, wie „grüne“ IT und Beschaffungen oder klimafreundliches Essen. Ein paar Ideen hätte ich schon noch – aber jetzt keine Zeit mehr dafür. Als Regionalmanagerin habe ich gelernt: Es braucht viel Zeit, um Menschen zu bewegen und etwas Funktionierendes aufzubauen.

Weltweit und regional

  • Weltweit: Julia Schönhärl ist Betriebswirtin und „Master of European Tourism Management“. Die 44-Jährige hat u.a. in Großbritannien als Marketing-Managerin gearbeitet, war im Ausland tätig für staatliche und nicht-staatliche Entwicklungsorganisationen, zuletzt in Jordanien. In Regensburg hat sie für den Nationalpark-Verband „Europarc Federation“ gearbeitet und ein Jahr lang als Referentin für Hochschulsport an der Universität.

  • Kelheim:

    Seit Januar 2016 ist Julia Schönhärl als Regionalmanagerin des Landkreises Kelheim tätig. Ihre Arbeit endet heuer zum 31. Dezember.

Wieso?

Man muss erst die Abläufe kennen, im öffentlichen Dienst, in Unternehmen, Vereinen. Dann interne und externe Partner für die jeweiligen Themen suchen. Und immer wieder muss man Aufgaben und Projekte nachjustieren, weil sich auch Strukturen und Vorgaben ändern. Jetzt, nach drei Jahren, ist das alles in Schwung gekommen – in den letzten Monaten wären viele Ideen für weitere Projekte gereift.…

Ist also die Agenda, die 2016 für die dreijährige Förderphase des Regionalmanagements erstellt wurde, noch nicht abgearbeitet?

Doch: Die Projekte aus dem Förderantrag wurden fast alle umgesetzt, und neue sind dazugekommen.

Was ist im Bereich „Demografischer Wandel“ seit 2016 passiert?

Sehr gut gelaufen ist das „Betriebliche Gesundheitsmanagement“, mit einem fünfteiligen Seminar mit Professor Stephan Gronwald. In der Hospizarbeit haben wir gute Strukturen aufbauen können, zum Beispiel einen „Runden Tisch“. Nicht so gefruchtet haben die Bemühungen, die Telemedizin für den Landkreis nutzbar zu machen.

Woran lag das?

Es gab Vorträge und Veranstaltungen zu dem Thema – aber das Interesse der potenziellen Akteure war einfach zu gering. Man bräuchte jemanden vom Fach, der anschiebt – so wie beim Regensburger „Ärztenetzwerk“.

Wäre dieses „Anschieben“ nicht Ihr Job als Regionalmanagerin?

Nein. Regionalmanagement ist eine Prozess-Steuerung: Man konzipiert und koordiniert Projekte. Aber zusätzlich dazu braucht es unbedingt Leute, die von seiten der „Betroffenen“ her das Anliegen unterstützen und mittragen – Personen, Vereine, Institutionen. Deswegen hat ja zum Beispiel der Ausbau der Hospizarbeit so gut geklappt: weil es mit dem Kreis-Hospizverein und der Katholischen Erwachsenenbildung zwei sehr aktive Institutionen gibt.

Eine besondere Aktion von Julia Schönhärl, um die Hospiz-Arbeit im Kreis Kelheim voranzubringen, war die „Charta für mehr Menschlichkeit“:

Tod

Ein großes Tabu endlich offen ansprechen

Der Kreis Kelheim setzt mit Organisationen und Freiwilligen ein Zeichen – gegen Angst und Schweigen. Und hofft, dass es wirkt

Was ist im Bereich Klimaschutz konkret umgesetzt worden?

Der bestand aus vier Unterbereichen. Zum Thema E-Mobilität haben wir unter anderem einen großen Info-Tag in Train organisiert, und einige weitere Info-Veranstaltungen. Zweites Thema war das „Solarpotenzial-Kataster“, ein kreisweites Verzeichnis von Dachflächen für die Solarenergie-Nutzung. Das war leider aus Datenschutz-Gründen nicht umsetzbar. Der dritte Bereich war die „Sanierungsoffensive“, mit vielen Vorträgen und Infoveranstaltungen. Vierte Aufgabe war die Einrichtung eines ,Klimaschutz-Büros’. Das hat sich im Lauf der Zeit ziemlich ausgewachsen: um die Mitorganisation der Regional- und Umwelttage und der bayerischen Klimaschutzwoche auf Kreisebene, um das Thema „Fairtrade“, um Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen für junge Menschen und Schulbildungsprojekte, den Kreis-Klimaschutzpreis.

In Ihrem Abschlussbericht listen Sie allein beim Klimaschutz fünf Seiten an Projekten, Initiativen, Veranstaltungen auf. Vieles ließe sich fortsetzen oder weiterentwickeln. Wieso sagt die Kreispolitik da nicht „weiter so!“?

Tja, es liegt vielleicht schon ein wenig an fehlender Eigenwerbung. Ich bin ja gut im Organisieren und Managen. Aber ich hätte stärker Kontakt zu Kreisräten, Bürgermeistern und anderen Entscheidungsträgern suchen sollen, um die Stelle nachhaltig zu etablieren.

Haben sich vielleicht manche Themen totgelaufen? Über regionale Energieerzeugung zum Beispiel redet kaum noch jemand.

„Bei Experten ist unumstritten, dass Themen wie Klimaschutz und Energieeffizienz für uns und nachfolgende Generationen von höchster Wichtigkeit sind.“


Ich glaube, dass diese Themen nur in der öffentlichen und medialen Wahrnehmung ,hinten runter fallen’. Bei Experten ist unumstritten, dass diese Themen für uns und nachfolgende Generationen von höchster Wichtigkeit sind.

Der Kreis Kelheim ist 2017 der „Energieagentur Regensburg“ beigetreten. Wird sie diese Themen künftig abdecken?

Im selben Umfang wie bisher? Das kann ich mir angesichts der personellen Ausstattung der Energieagentur nicht vorstellen. Die Agentur ist schon ein wichtiger Akteur in Sachen Klimaschutz sein. Aber Präsenz zeigen, Netzwerke und persönliche Kontakte pflegen: Das kann ich nicht ,übergeben’ an den Verein. Eine zentrale Ansprechperson, die sich in der Materie auskennt, wäre schon sinnvoll.

„Plants for the Planet“ hieß eine Klimaschutz-Aktion, bei der Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Kelheims Landrat Martin Neumeyer und die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (von links) in Bad Abbach  gemeinsam mit Kindern 500 Bäume pflanzten.  Fotos: Hueber-Lutz
„Plants for the Planet“ hieß eine Klimaschutz-Aktion, bei der Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Kelheims Landrat Martin Neumeyer und die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (von links) in Bad Abbach gemeinsam mit Kindern 500 Bäume pflanzten. Fotos: Hueber-Lutz

Und in den anderen Bereichen?

Das Thema Demografischer Wandel wird wohl im ,Zentrum für Chancengleichheit’ angesiedelt werden, die ,Barrierefreiheit’ wohl bei der Inklusionsstelle. Ob beide zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen erhalten, wird sich zeigen. Unterm Strich fällt für alle drei Handlungsfelder meine Vollzeit-Stelle, die ich mit Herzblut ausgefüllt habe, erst mal weg.

Enttäuschend für Sie?

Es ist schon schade, dass das Regionalmanagement in der jetzigen Form, für das ich mich sehr eingesetzt habe, mehr oder weniger beendet wird. Ich kann nur hoffen, dass die Themen trotzdem weiterhin mit der bisherigen Intensität bespielt werden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht