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Gleiche Chancen für alle Gruppen

Am Landratsamt Kelheim soll ein „Zentrum für Chancengleichheit“ entstehen. Im Flüchtlingsbereich wird Bildung wichtig.
Von Martina Hutzler

„Vielfalt wertschätzen, Ausgrenzung verhindern und ein friedliches Zusammenleben aller gesellschaftlichen Gruppen erreichen“, dieser Leitgedanke steht überm geplanten „Zentrum für Chancengleichheit“.
„Vielfalt wertschätzen, Ausgrenzung verhindern und ein friedliches Zusammenleben aller gesellschaftlichen Gruppen erreichen“, dieser Leitgedanke steht überm geplanten „Zentrum für Chancengleichheit“. Foto: dpa

Kelheim.Jeder will Anteil haben an der Gesellschaft, aber nicht jedem gelingt das gleich gut. Staat und Kommunen können helfen dabei, und diese Hilfen sollen jetzt am Landratsamt in einem „Zentrum für Chancengleichheit“ gebündelt werden – egal, ob es um Gleichstellung von Mann und Frau, die Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung oder die Integration von Bürgern mit ausländischen Wurzeln geht. Das Konzept dafür stellte Sozial-Abteilungsleiterin Monica Brandl im Kreisausschuss vor – und auch eine Person, die neu ist in der Riege der Koordinatoren.

Beim Thema Flucht und Zuwanderung ist der Bedarf an Unterstützung in den letzten rund drei Jahren am stärksten gestiegen, bedingt durch die hohen Flüchtlingszahlen im selben Zeitraum. Bei sinkenden Flüchtlings- und steigenden Abschiebezahlen sind Themen wie Erstaufnahme und -unterbringung mittlerweile in den Hintergrund getreten; jetzt geht es eher darum, diejenigen zu integrieren, die asylberechtigt sind respektive eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit haben. Und weil Integration viel mit Bildung zu tun hat, hat das Bundes-Bildungsministerium dafür ein Förderprogramm aufgelegt. Auch der Kreis Kelheim ist zum Zug gekommen, so dass Anfang Januar die Sozialpädagogin Magdalena Beslmeisl als neue „Bildungskoordinatorin“ ihre Arbeit am Landratsamt aufnehmen konnte.

Magdalena Beslmeisl ist die Bildungskoordinatorin am Landratsamt.
Magdalena Beslmeisl ist die Bildungskoordinatorin am Landratsamt. Foto: Hutzler

Zunächst bis Ende 2018 hat die Expertin für Bildungsarbeit Zeit für drei Hauptaufgaben: Erstens all die bestehenden Bildungsangebote im Landkreis zu erfassen, zu koordinieren und anzupassen. Denn an Angeboten „ist viel vorhanden“, schon allein, weil viele Träger aktiv seien. Doch was fehle, sei ein Überblick, befand Beslmeisl in ihrer Vorstellungsrede. Zweite Aufgabe sei es, ein Netzwerk aller Bildungsakteure aufzubauen. Dazu ist am 18. Mai ein erstes kreisweites „Netzwerk-Treffen“ geplant.

Als drittes schließlich soll die Bildungskoordinatorin fürs Landratsamt eine Strategie für die Integration der hier lebenden Geflüchteten entwickeln. Dazu gehöre auch, die Mitarbeiter im Landratsamt dafür zu gewinnen sich interkulturell zu öffnen“.

Unterstützung bekommt Magdalena Beslmeisl womöglich schon bald durch einen „Integrationslotsen“. Auch für dieses Förderprogramm des Freistaats hat sich der Kreis Kelheim beworben und rechnet laut Abteilungsleiterin Brandl in den nächsten Wochen mit der Zusage.

Wie Integration gefördert wird

  • „Bildungskoordinatoren“

    Dieses Förderprogramm des Bundesbildungsministerium unterstützt Kommunen bei der Integration von Flüchtlingen. Bildungsangebote (auch) für Flüchtlinge gibt es viele: Kurse, Kindergarten und Schule, Aus- und Weiterbildung etc. Doch nötig sei, „die Vielzahl der kommunalen Bildungsakteure zu vernetzen sowie die Bildungsangebote und Bildungsbedarfe vor Ort aufeinander abzustimmen“, erklärt das Ministerium. Es finanziert Landkreisen in der Größenordnung Kelheims eine volle Stelle plus Reisekosten zu einschlägigen Fachtagungen, Schulungen etc.

  • „Integrationslotsen“

    Auch der Freistaat hat in seinem Integrationskonzept ein Förderprogramm angekündigt: Es solle ein „ein flächendeckendes Netz an Integrationslotsen für Bleibeberechtigte sowie für Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive“ aufgebaut werden, kündigte das Sozialministerium 2015 an. In Aussicht gestellt wurde dafür und für Schulungen ehrenamtlicher Lotsen ein Zuschuss von bis zu 40 000 Euro für jeden Landkreis. Der für 2016 geplante Programmstart verzögerte sich. Aber im Kelheimer Landratsamt erwartet man nun in den nächsten Wochen den Förderbescheid. (hu)

Kreisrätin Christiane Lettow-Berger mahnte an, den Kontakt zwischen Landratsamt und örtlichen Helferkreisen wieder zu intensivieren: Es gebe ja auch weiterhin neu ankommenden Flüchtlinge; gleichzeitig sinke die Zahl der ehrenamtlichen Helfer, und die Wohnungsnot von Asylberechtigten werde immer größer.

Dazu verwiesen Brandl und Landrat Martin Neumeyer auf weitere geplante Treffen: So sollen im April alle Helferkreise im Landkreis zu einem Treffen zusammenkommen. Außerdem werde das Landratsamt den bisher vom Caritas-Asylsozialberater Stefan Killian organisierten „Runden Tisch Asyl“ übernehmen. Auch will die Kreisverwaltung künftig einen „Integrationspreis“ ausloben. Geplant sei im April ferner eine Infoveranstaltung zu Salafismus und Islamismus, ergänzte Brandl. Über all die einzelnen Vorhaben 2017 stellte sie das große Ziel, für den Landkreis einen „Integrationsplan“ zu erarbeiten.

Das „große Ganze“ ist auch das Schlagwort beim angestrebten „Zentrum für Chancengleichheit“, das Abteilungsleiterin Brandl und Gabi Schmid als geplante Leiterin dieses Zentrums am Landratsamt vorstellten.

Das Ziel: In Vielfalt friedlich leben

Zugrunde liege der „Leitgedanke“, dass sich der Kreis Kelheim für ein friedliches Zusammenleben aller Bürger einsetze und dafür Vielfalt wertgeschätzt sowie Ausgrenzung verhindert werde, erklärte Brandl.

Das betrifft bei weitem nicht nur Flüchtlinge und Migranten. Sondern viele weitere Gruppen, die Unterstützung benötigen, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Eine Unterstützung, die Staat und Gesellschaft in der Regel via Landratsamt organisieren: zum Beispiel für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Form der Jugendhilfe, für sozial Schwache mittels Sozialleistungen, für Menschen mit Behinderung in Gestalt des Kreis-Behindertenbeauftragten, für die Gleichstellung von Mann und Frau sowie für Senioren – für beides ist Gabi Schmid bereits Beauftragte.

Als ressortübergreifende Koordinationsstelle für all die Angebote soll das „Zentrum für Chancengleichheit“ dienen, erklärte Gabi Schmid und kündigte an, dass man damit nochmals an die Kreispolitik herantreten werde: „Wir brauchen dazu den Auftrag des Kreistags und des Landrats.“

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