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Beschluss

Kelheims Jugend forscht in Regensburg

Der Landkreis Kelheim steigt beim „Mint-Haus“ ein. Das gibt der Experimentierfreude junger Leute professionellen Raum.
Von Martina Hutzler

Schülerlabors gibt es vereinzelt, wie hier an der TU Chemnitz. Das Konzept des Mint-Hauses ist aber nach Überzeugung Regensburgs bislang einmalig. Universität Foto: Jan Woitas, dpa
Schülerlabors gibt es vereinzelt, wie hier an der TU Chemnitz. Das Konzept des Mint-Hauses ist aber nach Überzeugung Regensburgs bislang einmalig. Universität Foto: Jan Woitas, dpa

Kelheim.Der Landkreis wird Mitglied im Trägerverein für das geplante „Mint-Haus“ in Regensburg. Dadurch können auch Schulen und sonstige interessierte Jugendliche aus dem Landkreis Kelheim das Schülerforschungszentrum nutzen. Es soll in anderthalb Jahren in Betrieb gehen, voraussichtlich auf dem „TechCampus“ am Regensburger Galgenberg, nahe der Regensburger Hochschulen.

Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik: Wer in diesem, „Mint“-Bereich Fachkräfte sucht, hat es in Ostbayern nicht leicht; Gerade Mädchen und Frauen schlagen oft bereits in der Schule einen weiten Bogen um diese Fächer. Nicht zuletzt daraus haben Stadt, Uni und Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg die Idee zum „Mint-Haus“ geboren. Drei Labors sollen zur Verfügung stehen, vormittags für Schulklassen, nachmittags für außerschulische Interessenten zwischen 8 und 18 Jahren: „Jugend forscht“-Teilnehmer etwa oder auch Geburtstagspartys. Das soll die Begeisterung für technologischen Disziplinen wecken und die Scheu vor Reagenzglas oder CNC-Fräse nehmen – hoffen neben den drei Initiatoren auch einige größere Unternehmen, die das Projekt unterstützen.

Neubau soll im Herbst ’19 stehen

Das dafür nötige Gebäude soll auf einem rund 600 Quadratmeter großen Areal am TechCampus neu gebaut werden. Neben dem Mint-Haus soll es, so der Plan, zwei weitere Mieter beherbergen: eine städtische Kindertagesstätte mit „Mint“-Schwerpunkt und die Energieagentur Regensburg – bei letzterer ist der Landkreis Kelheim ebenfalls Mitglied. Spatenstich ist für Ende 2017 geplant. Die Baukosten sind mit rund 550 000 Euro (plus Planungskosten) veranschlagt, berichtet Juliane von Roenne-Styra von der Regensburger städtischen Presseabteilung. Diese Anfangsinvestition übernimmt die Stadt vollständig. Zum laufende Unterhalt, wenn das Mint-Haus voraussichtlich zum Schuljahresstart 2019 in Betrieb geht, steuert Regensburg 350 000 Euro jährlich bei. Damit fehlen noch 150 000 Euro Jahres-Unterhalt – weshalb Regensburg derzeit um Mitglieder im „MINT-Labs Regensburg“-Verein wirbt.

Schülerlabors gibt es vereinzelt, wie hier an der TU Chemnitz. Das Konzept des Mint-Hauses ist aber nach Überzeugung Regensburgs bislang einmalig. Universität Foto: Jan Woitas, dpa
Schülerlabors gibt es vereinzelt, wie hier an der TU Chemnitz. Das Konzept des Mint-Hauses ist aber nach Überzeugung Regensburgs bislang einmalig. Universität Foto: Jan Woitas, dpa

Er soll der Trägerverein des Mint-Hauses werden und aus den Mitgliedsbeiträgen den restlichen Unterhalt bestreiten. Im Gegenzug erwirbt man sich als Mitglied die Möglichkeit, jetzt schon das Konzept des Mint-Hauses mitzugestalten und es künftig mit zu nutzen. Das schilderte Kreis-Wirtschaftsförderer Christian Rieger im Kelheimer Kreisausschuss. Und überzeugte damit die Mitglieder: Sie stimmten einhellig für eine Mitgliedschaft des Landkreises im Trägerverein. Kelheim muss dafür einen Jahresbeitrag von voraussichtlich 10 000 Euro berappen. Erst freilich muss der Trägerverein gegründet werden. Angepeilt ist dies „bald – vor der Sommerpause“, erklärt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Anfrage.

Labors und ein „Forum“

Die hohen Betriebskosten erklären sich nicht zuletzt aus dem anspruchsvollen Inventar, das für das Mint-Haus geplant ist. Herzstück sind ein „trockenes“, ein „nasses“ und ein „handwerkliches Labor“, in denen jeweils bis zu 30 Schüler/innen zeitgleich arbeiten können. „ Diese Räume werden einen Laborcharakter haben, das heißt, sie sind mit Geräten ausgestattet, die eine feste Einheit mit dem Arbeitsplatz bilden“, beschreibt von Roenne-Styra. Auch „professionelles Werkzeug und Material“ sollen die Nachwuchs-Forscher vorfinden; hochwertige Laptops und Präsentationstechnik sollen ermöglichen, dass die Jugendlichen sich ihre gewonnenen Erkenntnisse gegenseitig vorstellen können. All diese Angebote, so die Hoffnung fordert die Jugendlichen zu eigenständigen Arbeiten und Experimentieren heraus.

Drei Labors

  • „Trockenes“ Labor:

    geeignet für technisch-physikalische Experimente, zum Beispiel zu Mechanik, Optik, Elektrodynamik; aber auch für Mathematik und Informatik, zum Löten und ähnliches.

  • „Nasses“ Labor:

    geeignet für chemische und biologische Arbeiten und Experimente, aber auch beispielsweise als Foto-Labor einsetzbar.

  • „Handwerkliches“ Labor:

    gedacht für Holz- und Metallverarbeitung, Dreh- und Fräsmaschinen und ähnliches.
    (Quelle: Stadt Regensburg / Fotos: Warnecke / Hollemann / Kasper, dpa)

Neben den Labors soll im Mint-Haus noch ein „Forum“ entstehen: ein großer Raum für bis zu 100 Menschen. Er bietet „Platz für größere Veranstaltungen wie Präsentationen, Fortbildungen, Vorträge oder Programmierwettbewerbe“, erklärt Pressesprecherin von Roenne-Styra; „Mittels einer mobilen Bestuhlung können aber auch hier Arbeitsinseln geschaffen werden.“ Bei Bedarf soll das Forum in zwei kleinere Räume unterteilbar sein.

Das gesamte Konzept des Mint-Hauses ist nach Darstellung der Stadt in dieser Form bislang einmalig. Regensburgs städtisches Amt für Wirtschaft und Wissenschaft hat auch schon Ideen für konkrete Kurse entwickelt, die in den Labors stattfinden könnten: „Roboter programmieren mit Lego“ zum Beispiel, ein „Forschungscamp Halbleiter-Technik“, ein Grundlagen-Kurs zur Gentechnik, eine „Projektwerkstatt LED-Beleuchtung“ und Programmier-Kurse. Gymnasien können die Labors in ihre P- und W-Seminare einbinden – wie wär’s zum Beispiel mit einem „P-Seminar Niedrigenergiehaus“?!

Daneben soll das Mint-Haus für Lehrerfortbildungen genutzt werden. Und Unternehmen, die ihrerseits Mint-Aktivitäten anbieten wollen, können diese vom eigenen Firmengelände auf das Mint-Haus auslagern oder auch firmeninterne Schulungen dort durchführen. Selbst Auftragsforschung soll in dem Tech-Gebäude möglich sein.

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